Analyse: 62 Prozent der Frauen arbeiten in "Frauenberufen"
Die Mehrheit der erwerbstätigen Frauen - nämlich 62 Prozent - arbeitet in "Frauenberufen", die Mehrheit der Männer - 57 Prozent - in "Männerberufen". Das zeigt eine Analyse des gewerkschaftsnahen Momentum Instituts anlässlich des Equal Pay Days am 11. Februar, der auf eine geschlechterbasierte Lohnlücke von 11,5 Prozent aufmerksam macht. Nur acht Prozent der Frauen arbeiten in den durchschnittlich besser bezahlten Männerberufen, 14 Prozent der Männer in Frauenberufen.
Definiert werden Männer- und Frauenberufe als solche, in denen der Männer- oder Frauenanteil bei über 70 Prozent liegt. Frauenberufe umfassen dabei zum Beispiel Handel, Pflege, Reinigung und Bildung; Männerberufe Industrie, Bau, IT und Transportwesen. +
In Mischberufen sind Frauen und Männer in ähnlichem Ausmaß beschäftigt. Beinahe ausgeglichene Geschlechterverhältnisse gibt es etwa unter den Juristinnen und Juristen, Ärztinnen und Ärzten sowie Architektinnen und Architekten.
Frauen konzentrieren sich auf wenige Sparten
23 von 123 Berufsuntergruppen sind Frauenberufe, 45 Männer- und 55 Mischberufe. Frauen konzentrieren sich also auch stärker auf einige wenige Sparten als Männer. Allein im Handel sind laut der Berechnung 9,7 Prozent aller erwerbstätigen Frauen beschäftigt, 6,6 Prozent in der Reinigung sowie 4,7 Prozent in Betreuungsberufen und dem Gesundheitswesen.
Den höchsten Bruttostundenlohn weisen laut Momentum Institut im Durchschnitt die Mischberufe auf, den niedrigsten die Frauenberufe. So verdiene man in Frauenberufen 14 Prozent weniger pro Bruttostunde als in Männerberufen und 18 Prozent weniger als in Mischberufen. "Pflege, Bildung, Betreuung, Reinigung und Handel halten dieses Land am Laufen. Bezahlt und behandelt werden sie aber wie Tätigkeiten zweiter Klasse", kritisierte Ökonomin Sophie Achleitner.
Das Institut spricht sich deshalb für höhere Löhne in Frauenberufen aus. Zudem müsse die Vereinbarkeit zwischen Familie und Job durch einen Ausbau der Kinderbetreuung sowie Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich verbessert und eine verpflichtende Väterkarenz eingeführt werden. Außerdem plädiert man für verpflichtende Gehaltstransparenz - eine entsprechende EU-Richtlinie muss Mitte des Jahres umgesetzt werden.
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