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Wirtschaft
11/12/2019

Flugreisen: Ärger mit dem kaputten Koffer

Die Abgeltung für beschädigtes Reisegepäck geht auf Kosten der Konsumenten.

von Andreas Anzenberger

Die Sparpläne der Airlines treiben seltsame Blüten. Bei der Rückerstattung für beschädigte Koffer wurde nun ein Modell etabliert, das keineswegs den Interessen der Flugreisenden entspricht. Es läuft darauf hinaus, dass die Kunden für die Kosten ihrer beschädigten Koffer teilweise selbst aufkommen.

Wie das funktioniert, zeigt ein Beispiel: Herr S. bekam nach einer Flugreise mit den Austrian Airlines einen beschädigten Koffer zurück, der nicht mehr repariert werden konnte (siehe Bild). Er hat den Schaden auch bei der Fluglinie gemeldet.

Fachgutachten

Von Kofferschäden betroffene Flugreisende haben zwei Möglichkeiten. Sie können ein Gutachten, ausgestellt von einem Fachgeschäft mit der Originalrechnung des beschädigten Koffers, vorlegen. Das ist ziemlich aufwendig und wird in vielen Fällen nicht möglich sein, weil es keine Originalrechnung des Koffers mehr gibt.

Die AUA hat Herrn S. daher empfohlen, sich an Dolfi1920 zu wenden. Das Unternehmen erledigt Gepäcksschadensfälle für viele Fluglinie wie etwa AUA, KLM, Lufthansa oder auch die Air France. Auf der deutschsprachigen Homepage von Dolfi1920 heißt es dazu: „Wenn sich das Gepäck nicht mehr reparieren lässt, bieten wir Ihnen einen genauen oder ähnlichen Ersatz an, wenn der ermittelte Zeitwert dies zulässt.“

Es gibt allerdings keinen direkten Hinweis auf der Homepage, dass die Kunden sich den Restwert des kaputten Koffers auch auszahlen lassen können. Vielmehr heißt es dort: „Wir würden Ihnen gerne ein neues Gepäckstück – ganz nach Ihren Wünschen – zur Verfügung stellen. In unserem Onlineshop finden Sie eine große Auswahl an neuen Modellen.“

Das Unternehmen versucht also, die Flugreisenden zum Kauf eines neuen Koffers bei Dolfi1920 zu bewegen. Unter „Bitte nicht vergessen“ heißt es weiter auf der Homepage: „Der Weg zu Ihrem neuen Koffer führt immer über uns! Das bedeutet, dass die tatsächliche Bestellung nur über uns möglich ist.“

Preisunterschiede

Herr S. schaute sich mit dem KURIER an, was die neuen Koffer bei Dolfi1920 kosten. Laut der Recherche kam der gleiche Koffer bei Amazon ohne Versand auf 95 Euro, bei Dolfi1920 jedoch immerhin auf 190 Euro. Der ermittelte Restwert des Koffers von Herrn S. betrug 88 Euro. Bei Amazon hätte die Aufzahlung auf den neuen Koffer sieben Euro plus Versandkosten betragen. Bei Dolfi1920 sind es allerdings 102 Euro Aufzahlung.

Ab einer Aufzahlung von 50 Euro oder mehr gibt es von Dolfi1920 einen Trolley gratis dazu. Aber Herr S. hat – wie viele andere Flugreisende auch – keine Verwendung für einen zusätzlichen Trolley. Die Preise für Trolleys im Internet beginnen bei 30 Euro. Als Herr S. von dritter Seite erfuhr, dass er sich das Geld auch auszahlen lassen kann, entschied er sich für diese Variante.

Wertbestimmung

Herr S. interessierte sich auch dafür, wie die Berechnung des Restwertes seines Koffers durch Dolfi1920 erfolgt ist. Offengelegt wurde aber nur ein Teil der Berechnung. Es werden für jeden Monat, den der Kunde den Koffer besitzt, ein bis eineinhalb Prozent vom Neupreis abgezogen. Das bedeutet einen Wertverlust von 12 bis 18 Prozent pro Jahr.

Dolfi1920 gibt allerdings trotz Nachfrage von Herrn S. keine Auskunft darüber, wie der Neuwert des Koffers bestimmt wird. Es gibt daher keine Transparenz bei der Berechnung des Restwertes. Die Kunden müssen nehmen, was sie bekommen.

Der KURIER hat AUA und Dolfi1920 um Stellungnahmen ersucht. Die AUA duldet die Praktiken. „Für uns gibt es keinen Grund zur Annahme, dass die Prozesse unseres Partners nicht der Norm entsprechen“, heißt es im Antwortschreiben. Dolfi1920 hat die Anfrage bislang nicht beantwortet.

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