Wirtschaft
11.08.2017

Fipronil: EU beruft im Eier-Skandal Krisensitzung ein

Insgesamt zwölf europäische Ländern meldeten bis Donnerstag Funde von Fipronil. Auch in Österreich bestätigte die Lebensmittelaufsicht Oberösterreich, dass verdächtige Eier aufgetaucht sind, die mit dem Insektengift verseucht sein dürften.

Im Skandal um mit Fipronil belastete Eier beruft die EU eine Krisensitzung ein. Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis erklärte am Freitag, er habe ein Treffen der zuständigen Minister sowie Behördenvertreter der betroffenen Länder vorgeschlagen. Es solle stattfinden, sobald alle Fakten auf dem Tisch liegen. Vom Eier-Skandal sind zwölf europäische Länder, darunter auch Österreich, betroffen.

10,7 Millionen Eier mit Fipronil belastet

Die Zahl der mit Fipronil belasteten Eier in Deutschland ist womöglich höher als bisher angenommen. Es sei davon auszugehen, dass "rund 10,7 Millionen möglicherweise mit Fipornil belastete Eier aus den Niederlanden nach Deutschland geliefert worden sind", berichtete die Rheinische Post unter Berufung auf eine Antwort des deutschen Landwirtschaftsministerium auf eine Anfrage der Grünen.

Wie viele der Eier in den Handel gelangten, lasse sich nicht mit Sicherheit abschätzen, berichtete die Zeitung mit Verweis auf das Landwirtschaftsministerium in Berlin weiter.

Auch in Österreich Eier aufgetaucht

Insgesamt zwölf europäische Ländern meldeten bis Donnerstag Funde von Fipronil. Auch in Österreich bestätigte die Lebensmittelaufsicht Oberösterreich am Donnerstag erstmals, dass hierzulande verdächtige Eier aufgetaucht sind, die mit dem Insektengift verseucht sein dürften. Daneben sind bereits Belgien, die Niederlande, Dänemark, Deutschland, Frankreich, die Schweiz, Schweden, Großbritannien, Luxemburg, sowie als erste osteuropäische Länder Rumänien und die Slowakei betroffen.

Zuletzt war bekannt geworden, dass Belgien und die Europäische Union schon seit Wochen von Fipronil-Funden wussten. Fipronil ist ein unter anderem bei Hunden und Katzen erlaubtes Insektengift, das gegen Hautparasiten wie Läuse, Milben und Flöhe wirkt. In hohen Dosen kann die Substanz für Menschen gefährlich sein. Wie sie genau wirkt, ist allerdings nicht bekannt.

Rupprechter fordert bessere Herkunftskennzeichnung

In Österreich würden für die Produktion von Eiern höchste Standards gelten. Die Konsumenten wollten wissen, wie die Lebensmittel produziert werden und woher sie kommen, betonte am Freitag Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP) in einer Aussendung.

Der Minister unterstütze die Forderung der Landwirtschaft nach einer Ausweitung der Herkunftskennzeichnung. Eine unbürokratische EU-weite Regelung sei notwendig.

Eier-Skandal: Wie Fipronil auf die Gesundheit wirkt

In Deutschland weitet sich der Skandal um Millionen giftbelastete Eier aus. Mittlerweile ist klar: Fast alle Bundesländer sind betroffen. Der Discounter Aldi hat die Eier-Regale fürs Erste geleert. Denn in fast allen Bundesländern sind inzwischen mit Fipronil belastete Eier oder daraus erzeugte Produkte gefunden worden. Mit Fipronil belastete Eier sind auch nach Schweden geliefert worden. Die schwedische Lebensmittelaufsicht teilte am Freitag mit, dass sie darüber von der EU-Kommission informiert worden sei. Demnach hatte ein Großhändler die Eier aus den Niederlanden importiert. Damit verbunden ist die Frage, ob auch nach Österreich Eier, die mit Fipronil belastet sind, gelangt sind.

Belastete Eier auch in Österreich?

Auf der Homepage der Österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit AGES wird informiert, dass nach derzeitigem Informationsstand keine Fipronil-belasteten Eier nach Österreich gelangt sind. Über das Europäische Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel (RASFF) werden Ergebnisse von Behördenkontrollen in EU-Ländern und Vertriebslisten möglichst rasch den Lebensmittelbehörden anderer EU-Länder zugänglich gemacht. Es gibt bislang keinen Hinweis dafür, dass mit Fipronil belastete Eier und Eier-Produkte nach Österreich geliefert wurden. Allerdings könne derzeit nicht ausgeschlossen werden, dass Eier über verarbeitete Lebensmittel nach Österreich gelangt sind; es ist derzeit aber keine Verknüpfung von verarbeiteten Lebensmitteln zu kontaminierten Eiern bekannt. Sobald verarbeitete Lebensmittel betroffen sind, werden diese ebenfalls in die RASFF-Liste aufgenommen. Derzeit werden in Österreich Proben gezogen und untersucht.

Was das für die Gesundheit bedeutet

Fipronil wird in vielen Ländern als Wirkstoff in Pflanzenschutzmittel oder als Insektizid in der Tiermedizin, zur Saatgutbehandlung und im Haushalt eingesetzt. Etwa bei Hunden und Katzen zur Vorbeugung und Behandlung von Floh-, Zecken- und Haarlingsbefall. Es handelt sich um ein Kontaktgift, das in das Zentralnervensystem gelangt. In die Eier dürfte es offenbar gelangt sein, weil ein Reinigungsmittel damit vermischt wurde. Laut AGES heißt es, dass aufgrund des Verarbeitungsprozesses die Konzentration von Fipronil sehr gering wäre. Für Bienen, Zecken, Milben, Flöhe – also wirbellosen Tiere – ist Fipronil allerdings tödlich. Bei Ratten und Mäusen wirkt Fipronil toxisch auf das Nervensystem und auf die Leber. Fipronil ist nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand nicht krebserregend und erbgutschädigend.

Bei den Mengen die bisher in den Eiern (Niederlande, Deutschland) gefunden wurden, ist von keiner gesundheitlichen Beeinträchtigung für Menschen auszugehen. Geht man von dem höchsten in einem Ei gemessenen Wert aus, so wäre eine tägliche Aufnahmemenge von 7 Eiern für Erwachsene bzw 1 Ei für ein Kind mit 10 kg Körpergewicht tolerierbar.