Die seit Jahren anhaltenden Negativzinsen werden von Banken zunehmend auf ihre Kunden abgewälzt.

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Wirtschaft
09/12/2019

EZB senkt Zinsen noch tiefer: Was bringt das den Konsumenten?

Noch mehr billiges EZB-Geld: Für Sparer kann es ohnehin kaum schlimmer kommen. Kreditnehmer können sich was ersparen – aber nicht alle.

von Hermann Sileitsch-Parzer, Irmgard Kischko

Die Europäische Zentralbank (EZB) macht sich Sorgen um den Zustand der Wirtschaft: Sie erwartet im Euroraum heuer nur noch ein Wachstum von 1,1 Prozent und 1,2 Prozent für 2020. Tendenz weiter sinkend. Deshalb sei jetzt der Zeitpunkt zum Handeln gewesen, sagte EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag. Die Zinsen sinken somit auf ein neuerliches Rekordtief, die Finanzierungsbedingungen werden noch einmal gelockert.

Was bedeutet die Zinssenkung für Sparer?

„Im Sparbereich geht’s kaum noch tiefer“, sagt Christian Prantner, Finanzexperte bei der Arbeiterkammer. Durch ein OGH-Urteil sind negative Zinsen, also ein nomineller Geldverlust, auf Einlagen von Kleinanlegern nicht möglich. Allerdings haben viele Banken, die 0,05 Prozent auf täglich fälliges Geld vergeben hatten, angekündigt, diese Zinsen auf 0,01 Prozent zu senken.

Wo gibt es höhere Zinsen aufs Ersparte?

Einige, vor allem internationale, Anbieter gaben beim Onlinesparen zuletzt noch Zinsen von 0,4 oder 0,5 Prozent, wie der Bankenrechner der AK anzeigt. Der Anleger unterliegt dabei womöglich der französischen oder einer anderen ausländischen Einlagensicherung. EU-weit sind allerdings ohnehin bis zu 100.000 Euro geschützt.

Welche Alternativen gibt es für Anleger?

Höhere Rendite ohne mehr Risiko gibt es aktuell leider nicht. Wer etwas Geld angespart und parallel einen älteren Kredit laufen hat, tut gut daran, diesen rascher zu tilgen. Er erspart sich damit im Regelfall mehr an Kosten, als er für das Ersparte erhält.

Könnten Kredite jetzt noch billiger werden?

Kreditnehmer sind tatsächlich die Gewinner des Zinstiefs. Das betrifft hoch verschuldete Staaten ebenso wie private Kreditnehmer. Der Euribor-Zinssatz, an dem sich viele variable Kredite orientieren, ist parallel zum EZB-Zins gefallen. Einzige Ausnahme sind Konsumkredite. Dort bewegt sich seit 2010 praktisch nichts (siehe Grafik).

Warum sind die Konsumkredite so teuer?

Seit der Krise stehen viele Banken bei diesen typischerweise kurzlaufenden Krediten – für Anschaffungen wie Computer, Möbel oder die Urlaubsreise – auf der Bremse. Und es gibt wenig Wettbewerb, weil die meisten Kunden ihrer Hausbank vertrauen und keine Konditionen der Anbieter vergleichen.

Wie sieht es bei Wohnbaukrediten aus?

„Im Kampffeld Hypothekarkredite sind die Zinsen im Neugeschäft nochmals gesunken“, stellt Arbeiterkammer-Experte Christian Prantner fest. Die Banken konkurrieren heftig, insbesondere um Kunden mit guter Bonität und geringem Ausfallsrisiko. Was zur ungerechten, aber ökonomisch schlüssigen Situation führt: Wer ohnehin schon über mehr Geld verfügt, erhält die billigsten Kredite.

Worauf sollte man bei Krediten achten?

Die Konsumentenschützer stellen enorme Unterschiede fest, was die Kreditspesen betrifft. Ihr Rat: Unbedingt vergleichen, kritisch nachfragen und mehrere Angebote von den Banken einholen.

Zahlt sich eine Vorsorgewohnung aus?

Viele Banken sind derzeit bereit, auf sonst übliche Eigenmittelanteile zu verzichten. Single-Wohnungen, etwa mit 32 Quadratmetern, sind ein Renner, weil größere Flächen kaum leistbar sind. Prantner warnt: Ganz neu seien Kleinst-Wohnungen leicht zu vermieten. Wenn sie abgewohnt sind und Reparaturen fällig werden, sehe das anders aus. Zudem ist die Fluktuation junger Single-Mieter extrem hoch.

Warum sind die Immobilienpreise so hoch?

Der extreme Preisanstieg, besonders in der Stadt, ist getrieben von der hohen Nachfrage und den günstigen Krediten. Wie ein Immobilienentwickler schildert, kaufen institutionelle Anleger und Stiftungen mangels Alternative oft gleich 300 Anlagewohnungen „in Bausch und Bogen“ – über den Preis werde da nicht einmal verhandelt.

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