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Wirtschaft
07/19/2021

EZB richtet nach Strategiecheck Ausblick neu aus

Experten erwarten schwierige Sitzung am Donnerstag - "Forward Guidance" im Blickpunkt - Notenbank will Aussagen zum Ausblick an neue Strategie anpassen

Auf der letzten Zinssitzung der Europ√§ischen Zentralbank (EZB) vor der Sommerpause d√ľrfte es am Donnerstag noch einmal hoch hergehen. Denn nach der Runderneuerung ihrer Strategie wird die EZB ihren geldpolitischen Ausblick zu Zinsen und Anleihenk√§ufen an die neuen Vorgaben anpassen. Die EZB-Sitzung werde wichtiger werden als vor Kurzem noch allgemein erwartet, meint etwa Commerzbank-Chefvolkswirt J√∂rg Kr√§mer.

Es werden schwierige Diskussionen erwartet. Denn bei der Beurteilung der wirtschaftlichen Aussichten im Zuge der Erholung von der Coronakrise und der Frage, wie umfangreich weitere Konjunkturhilfen √ľber Anleihek√§ufe ausfallen sollten, gehen die Ansichten im EZB-Rat auseinander.

Mittelfristiges Inflationsziel: 2 Prozent 

Die EZB strebt gem√§√ü ihrer neuen Strategie mittelfristig eine Inflationsrate von 2 Prozent an. Bisher wurden knapp unter zwei Prozent anvisiert. Wenn die Zinsen in der Wirtschaft schon extrem niedrig liegen, wie es aktuell der Fall ist, und die Notenbank besonders kr√§ftig oder beharrlich reagieren muss, will sie auch vor√ľbergehend ein leichtes √úbertreffen des Inflationsziels hinnehmen. Wie dies in konkrete Aussagen zu den Anleihek√§ufen des Corona-Notfallprogramms PEPP, zur Zukunft des √§lteren APP-Programms und zur Entwicklung der Leitzinsen gegossen werden kann, wird die Diskussionen auf der Sitzung bestimmen.

In der Fachwelt wird hier zumeist von "Forward Guidance" gesprochen. "Aus unserer Sicht gibt es wenig zu verändern bei der Forward Guidance zu den Zinsen", meint etwa Carsten Brzeski, Chefvolkswirt bei der Bank ING. Der EZB-Rat könne aber das ältere Kaufprogramm APP enger an das Inflationsziel binden.

Dies w√ľrde aus seiner Sicht dann die T√ľr √∂ffnen f√ľr geringere K√§ufe im Rahmen des Notfallprogramms PEPP und eine gleichzeitige Erh√∂hung der APP-K√§ufe. Dazu m√ľsse die Zentralbank auch kl√§ren, wann aus ihrer Sicht die Coronakrise vorbei ist. All dies sorge f√ľr eine spannende Sitzung. "Und wir erwarten eine sehr hitzige Debatte hinter den Kulissen", so der Experte.

Inflationsziel "ist ein langer Weg"

Die Schl√ľsselbotschaft der √ľberarbeiteten Forward Guidance werde 'locker f√ľr l√§ngere Zeit' lauten, meinen die Volkswirte des britischen Bankhauses Barclays. "Aus unserer Sicht ist ein langer Weg zu gehen, bevor die EZB ihr mittelfristiges Inflationsziel von zwei Prozent erf√ľllt." Im bisherigen EZB-Ausblick hei√üt es zu dem auf 1,85 Billionen Euro angelegten PEPP, die Anleihenk√§ufe w√ľrden bis mindestens Ende M√§rz 2022 fortgesetzt und in jedem Fall so lange, bis die Coronavirus-Krise √ľberstanden ist. Zu den APP-K√§ufen sagt die Notenbank bisher, diese w√ľrden beendet, kurz bevor die Notenbank mit der Erh√∂hung ihrer Leitzinsen beginnt. Aktuell fallen die APP-K√§ufe mit rund 20 Milliarden Euro im Monat deutlich geringer aus als die PEPP-K√§ufe mit zuletzt monatlich 80 Milliarden Euro.

Meinungsverschiedenheiten 

Wie unterschiedlich die Ansichten im EZB-Rat zu den wirtschaftlichen Aussichten sind, verdeutlichten j√ľngste √Ąu√üerungen. So hatte sich EZB-Direktorin Isabel Schnabel optimistisch gezeigt, dass die Notenbank vielleicht fr√ľher als manche derzeit erwarten ihr Inflationsziel erreichen k√∂nnte.

Der Deutsche Bundesbank-Pr√§sident Jens Weidmann hatte dargelegt, er halte nichts von der Idee, die Teuerung eine Zeit lang √ľber der Zielmarke zu belassen, um vergangene Zeiten auszugleichen, in denen die Notenbank das Ziel verfehlt hat. Andere W√§hrungsh√ľter wie Portugals Notenbank-Chef Mario Centeno oder der Gouverneur der Banca d'Italia, Ingnazio Visco, deren L√§nder unter hohen Schuldenbergen √§chzen, wollen dagegen die aktuelle ultralockere Linie m√∂glichst lange beibehalten.

Schon auf der Juni-Sitzung wurden die unterschiedlichen Positionen deutlich. Dort wurde bereits f√ľr eine m√∂gliche Senkung des Tempos der PEPP-K√§ufe argumentiert. Zur Begr√ľndung wurde auf verbesserte Wachstums- und Inflationsperspektiven verwiesen. Andere W√§hrungsh√ľter sind vor dem Hintergrund der Gefahr neuer Virusvarianten eher vorsichtig. Nach Einsch√§tzung vieler Analysten muss die EZB sp√§testens im Herbst einen Hinweis geben, ob die PEPP-K√§ufe planm√§√üig nur noch bis Ende M√§rz weiterlaufen sollen und was danach passiert.

"Vorerst keine Eile" 

EZB-Pr√§sidentin Christine Lagarde hat schon einmal klar gemacht, dass vorerst dazu keine Eile geboten ist. Eine verfr√ľhte Straffung der Geldpolitik m√ľsse vermieden werden. EZB-Experte Frederik Ducrozet vom Schweizer Bankhaus Pictet geht davon aus, dass die EZB die kniffligsten Entscheidungen erst im September oder erst im Dezember f√§llen wird.

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