„Europa darf kein Ramschplatz für Billigprodukte aus China werden“
„Österreich lebt wie kein anderes Land vom Export. Der Verkauf unserer Produkte in die ganze Welt ist die entscheidende Frage für unseren Wohlstand und für unsere Wettbewerbsfähigkeit“, sagte Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) am Montag bei der Präsentation der Außenhandelsbilanz 2025. „Mehr als 50 Prozent unserer Wirtschaftsleistung hängen vom Export ab. Wir leben in einer Zeit, in der sich der Welthandel so schnell wie noch nie verändert.“
Es ist eine schlechte Nachricht, dass die Exporte um 0,5 Prozent auf 190,1 Milliarden Euro gesunken und die Importe um 4,1 Prozent auf 196,7 Milliarden Euro gestiegen sind.
„Wir haben einen massiven Anstieg der Importe aus China mit fast 14 Prozent und einen massiven Rückgang der Exporte in die USA mit 20 Prozent“, sagt der Minister. „Die USA treten immer protektionistischer auf und China übersubventioniert seine Waren.“ Nachsatz: „Europa darf kein Ramschplatz für Billigprodukte aus China werden.“ Aus China werden aber auch Maschinen und Fahrzeuge sowie bearbeitete Produkte wie Stahl importiert. Das Handelsdefizit mit China beträgt 12,54 Milliarden Euro und das mit Deutschland 7,21 Mrd. Euro. Dabei ist Deutschland Österreichs größter Absatzmarkt, aber er schwächelt.
EU-Industriestrategie
Maschinen und Fahrzeuge waren mit einem Einfuhranteil von 34,5 Prozent und einem Ausfuhranteil von 37,2 Prozent auch 2025 wieder die bedeutendste Produktgruppe im österreichischen Außenhandel, so Manuela Lenk von der Statistik Austria. „Man sieht, dass wir in unserer Wettbewerbsfähigkeit unter Druck stehen in Relation, wie sich Importe und Exporte entwickeln“, sagt Hattmannsdorfer. „Wir müssen alles tun, um die Industrie in Europa und Österreich zu stärken.“ Dazu hat die EU-Kommission ihre Industriestrategie vorgelegt.
„Die EU konzentriert sich auf jene Sektoren, die für uns von Bedeutung sind“, sagt der Minister. „Auf den Bereich der energieintensiven Industrie, auf die Umwelt- und Energietechnologien und auf die Automobil- und Zulieferindustrie.“ So setzt die EU auf eine schnellere Genehmigung von Industrieprojekten.
„Wir müssen im Bereich der Schlüsseltechnologien attraktiver werden, wenn sich Betriebe ansiedeln wollen“, sagte er. Zweitens werde das Qualitätskriterium „Made in Europe“ eingeführt. „Wir bekennen uns zu einer patriotischen Bevorzugung, wenn Steuergeld im Einsatz ist, ob im Bereich des Vergaberechts, des Beihilferechts, der Förderungen und der öffentlichen Beschaffung“, sagt Hattmannsdorfer.
Internationalisierung
Indes kommt das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) in einer Studie zum Schluss, dass vor allem Großunternehmen exportieren. Folglich sollte die Politik die Internationalisierung kleinerer Unternehmen forcieren: „Kleinere und mittlere Unternehmen exportieren weniger häufig, was an ihrer geringeren Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit liegt.“
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