Ryanair-Chef Michael O'Leary (li.) und Lauda-Geschäftsführer Andreas Gruber  FOTO: APA/HERBERT PFARRHOFER

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Wirtschaft
08/12/2019

Ryanair einigt sich mit Lauda-Piloten

Die Kündigung ist vom Tisch. Es gibt einen Kompromiss bei Arbeitszeit und Urlaubsfragen.

Die drohenden Kündigungen von Piloten der Fluglinie Lauda sind vom Tisch, auch allfällige Kampfmaßnahmen: Belegschaftsvertretung und Unternehmen haben zu den strittigen Arbeitszeit- und Urlaubsfragen eine Einigung erzielt. Die Ryanair-Tochter hat nachgebessert, die 125 Piloten haben dem am Montag in Betriebsversammlungen mehrheitlich zugestimmt.

Ein offizielles Statement gab es allerdings nicht. Lauda-Betriebsratsvorsitzender Sandro Mayer sprach von einem „akzeptablen Ergebnis“, mit dem es gelinge, die Arbeitsplätze zu sichern. Das Unternehmen habe in zwei wesentlichen Punkten „nachgebessert“ – der Frage einer einseitigen Vergabe des Urlaubs und zur sogenannten 850-Stunden-Regelung.

Keine Details

Wie die Einigung im Detail aussieht, wollte Mayer nicht sagen. Man habe sich „auf ein anderes wording“ verständigt, hieß es lediglich. Außerdem habe man „im Sinne eines internen operations manual nachgebessert“. Mayer „geht davon aus“, dass die ursprünglich angedachten 30 Kündigungen nun vom Tisch seien.

Zu Störungen des Flugbetriebs in Wien-Schwechat ist es am Montag durch die Betriebsversammlungen nicht gekommen, da diese gestaffelt organisiert waren. Die Ryanair hatte sicherheitshalber die Kundschaft vorgewarnt. „Guten Morgen, bisher sind 96 Prozent unserer Flüge pünktlich – einige Verzögerungen durch die Flugsicherung in Belgien, Griechenland, Österreich, Großbritannien und Deutschland beeinträchtigen die Pünktlichkeit“, teilte die Billig-Airline am Montag auf Twitter mit.

Doch dem irischen Low-Cost-Carrier, der 450 Flieger des Modells Boeing 737-800 betreibt, stehen trotz der Einigung heiße Tage bevor. Die britischen Ryanair-Piloten wollen Ende August und Anfang September streiken, man streitet um Bezahlung und Pensionen.

Am 21. August soll Ryanair in Portugal bestreikt werden, weil die Airline die Algarve-Basis in Faro (120 Mitarbeiter) auflassen will. Und in Spanien wird es ebenfalls zu kräftigen Turbulenzen kommen, falls die Iren, wie die Tageszeitung El Pais schreibt, die Basen in Las Palmas, Teneriffa und Girona Anfang 2020 schließen werden. Die Iren führen die Reorganisation im Konzern auf die hohen Treibstoffpreise und auf das weltweite Flugverbot der Boeing-Modelle 737 Max nach zwei Abstürzen zurück. Ryanair hat 135 dieser Flugzeuge bestellt, der Auslieferstopp trifft die Iren hart. Ryanair fehlen zumindest 30 Flugzeuge.

Branchen-KVDer Konflikt zwischen Management und Betriebsrat hat auch die Diskussion um einen Branchen-KV in der Luftfahrt wieder angeheizt. vida-Vorsitzender Roman Hebenstreit hat Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer einen Brief geschrieben, in dem er einen solchen fordert. In dem Brief kündigt Hebenstreit an, als ersten Schritt für einen Branchen-Vertrag, den AUA-Kollektivvertrag satzen, also aufwerten, zu lassen. Die Auswirkungen wären laut Hebenstreit, dass jene Airlines, die keine eigenen Kollektivverträge haben, diesen gesatzten Kollektivvertrag, dann anwenden müssten.

Die Wirtschaftskammer befürchtet, dass ein einheitlichen Kollektivvertrag ausländische Airlines zur Abwanderung veranlassen würde.