Note Drei: Österreichs Wirtschaft erhält ein "Befriedigend"
Zusammenfassung
- EcoAustria bewertet den Wirtschaftsstandort Österreich mit der Note "Befriedigend" und hebt Stärken bei Forschung, Ausbildung und Einkommen hervor.
- Kritisiert werden hohe Lohnnebenkosten, Bürokratie, schwacher Kapitalmarkt und geringe Gründungsdynamik.
- Empfohlen werden eine Senkung der Abgabenquote, Deregulierung, Ausbau der Stromnetze und Maßnahmen zur Stärkung des Kapitalmarkts.
Der Wirtschaftsstandort Österreich erhält in einer aktuellen Analyse des Instituts EcoAustria die Gesamtnote 3 ("Befriedigend").
Die im Auftrag des Wirtschaftsministeriums erstellte Studie attestiert Österreich zwar ein hohes Wohlstandsniveau und Stärken in der Forschung, ortet aber dringenden Handlungsbedarf bei Lohnnebenkosten, Bürokratie und dem Kapitalmarkt. Um den Wohlstand zu halten, sei eine umfassende Industriestrategie notwendig.
Im Rahmen der Untersuchung "Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschafts- und Industriestandorts" wurden sechs Ziele - von der Standortsicherung bis zur Qualifizierung - anhand von rund 140 Indikatoren bewertet und international verglichen. Über alle Bereiche hinweg ergibt sich dabei der Mittelwert 3. Während Österreich bei der Innovationsförderung (Note 2,3) oder der Qualifizierung (Note 2,4) überdurchschnittlich abschneidet, drücken strukturelle Defizite bei Regulierung (Note 4,4) und Kapitalmarkt (Note 4,1) das Gesamtergebnis.
Stärken bei Einkommen und Forschung
Zu den Stärken des Standorts zählen laut den Studienautoren Monika Köppl-Turyna und Nikolaus Graf das hohe verfügbare Einkommen sowie die stabilen Arbeitsbeziehungen mit kaum Streiktagen. Auch die Forschungsförderung und die duale Ausbildung werden positiv hervorgehoben: Überdurchschnittliche Mittel fließen in die Berufsbildung, was die Jugendarbeitslosigkeit niedrig hält. Zudem verfüge Österreich über eine komplexe Exportstruktur und Kompetenzen bei Umwelttechnologien, was Wettbewerbsvorteile im Außenhandel sichere.
Schwächen bei Kosten und Bürokratie
Deutliche Schwächen identifiziert EcoAustria hingegen bei den staatlichen Rahmenbedingungen. Die regulatorische Belastung sei hoch, Gründungsformalitäten schwerfällig und die Bürokratie werde von Unternehmen als Hindernis wahrgenommen.
Kritisch bewertet wird zudem die hohe Abgabenbelastung auf Arbeit: Der Steuerkeil sei im internationalen Vergleich sehr hoch, was Arbeitsanreize dämpfe. Der Steuerkeil ("Tax Wedge") beschreibt die Differenz zwischen den gesamten Arbeitskosten, die ein Arbeitgeber für einen Beschäftigten aufwenden muss, und dem Nettogehalt, das tatsächlich beim Arbeitnehmer ankommt. Auch bei den Energiekosten für die Industrie und der Entwicklung des Kapitalmarkts hinke Österreich hinterher. Die Gründungsdynamik sei im internationalen Vergleich schwach, zudem fehle es an Risikokapital für wachstumsstarke Unternehmen.
Empfehlungen: Steuern senken, Netze ausbauen
Um die Wettbewerbsfähigkeit abzusichern, empfehlen die Experten eine Senkung der Abgabenquote in Richtung des Eurozonen-Durchschnitts von rund 40 Prozent. Zudem brauche es eine systematische Deregulierung nach internationalem Vorbild, etwa durch "One-in-One-out"-Prinzipien oder Genehmigungsfiktionen ("Silence is consent").
Weitere zentrale Forderungen der Studie umfassen den beschleunigten Ausbau der Stromnetze, eine Vertiefung der Kapitalmarktunion zur Finanzierung von Innovationen sowie Maßnahmen, um das faktische Pensionsantrittsalter anzuheben und qualifizierte Zuwanderung zu erleichtern.
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