Die veritablen Probleme der Staatsholding ÖBAG

Die Performance lässt zu wünschen übrig, Noch-Alleinvorständin Edith Hlawati kann die Politik nicht draußen halten – Verwalten statt Managen
Andrea Hodoschek
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In ihrer Selbstdarstellung präsentiert sich die ÖBAG als höchst aktive Industrieholding, die engagiert die Industriepolitik des Landes mitgestaltet. Man liest über Werterhaltung, Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit. Von „aktivem, unabhängigen Beteiligungsmanagement“, das den Wert der Unternehmen langfristig sichern und steigern solle. Ein Bollwerk gegen „ungebührliche Einflussnahme“.

In Wirtschaftskreisen wird die ÖBAG allerdings ganz anders gesehen.

Als Verwalterin der wertvollsten Unternehmensbeteiligungen der Republik. Nicht mit einem Top-Industriemanager an der Spitze, sondern mit der langgedienten, 68-jährigen Juristin Edith Hlawati als Allein-Vorständin.

„Es war geplant, die ÖBAG zu einem industriepolitischen Schwergewicht zu machen, wie das neue ÖBAG-Gesetz die Möglichkeiten gegeben hätte. Diese Idee ist in der Praxis leider als reine Verwaltungsholding umgesetzt worden“, moniert der Ex-Chef von Siemens Österreich, Wolfgang Hesoun. In seiner Stimme schwingt Bitterkeit mit. Hesoun verlor 2021 das Rennen um den Allein-Vorstand gegen die vom Kurz-Vertrauten Bernhard Bonelli favorisierte Hlawati. Mit 1. Februar 2027 läuft die Amtszeit von Hlawati aus, valide Namen für ihre Nachfolge kursieren noch nicht.

Die Regierung hat als Eigentümervertreter die Letzt-Verantwortung über die unternehmerischen Tanker der Republik und die ÖBAG. Was zur Folge hat, dass sich die Politik immer wieder komfortabel bei den Gewinnen der Unternehmen bedient, ganz so, als ob es keine privaten Mitaktionäre gäbe. Und Hlawati, die sich rühmt, die Politik draußen zu halten, schweigt im Hintergrund, anstatt sich öffentlich vor die Unternehmen zu stellen.

Wertverlust

Die Performance des börsenotierten ÖBAG-Portfolios war in den vergangenen vier Jahren jedenfalls mäßig (siehe Grafik). Der Börsenwert der Staatsanteile an Verbund, OMV, Post, Telekom Austria und EuroTeleSites sackte von Ende 2021 bis Jahresende 2025 um mehr als 25 Prozent auf knapp 19 Milliarden ab.

Zum Vergleich: Der Wiener Leitindex ATX stieg in diesem Zeitraum um knapp 38 Prozent, der Stoxx Europe 600 um 21 Prozent und der Teilindex Stoxx 600 Energy legte um fast 50 Prozent zu.

Ausschlaggebend für das Minus sei der Absturz des Verbund-Kurses von seinem Höchststand 2021 um knapp 40 Prozent. Ohne diesen stieg der aktuelle Portfoliowert um über elf Prozent, argumentiert ein ÖBAG-Sprecher. Allerdings waren auch OMV und Post negativ, nur die Telekom legte zu.

Verwaltungsjuristin – dieser Vorwurf kränkt die einen autoritären Managementstil pflegende Hlawati tief, wie man aus ihrer Umgebung hört. „In den letzten vier Jahren sind wichtigere Entscheidungen getroffen worden, als in den zehn Jahren zuvor zusammen“, lässt sie ihren Sprecher Michael Mauritz sagen.

Allerdings sind in den Unternehmen große Baustellen offen.

OMV

Die milliardenschwere Fusion der Chemie- und Kunststofftochter Borealis mit der Borouge-Gruppe des Miteigentümers Adnoc zur BGI habe „Österreich einen globalen Champion von Weltruf beschert“, argumentiert Mauritz. Stimmt, aber den Großteil hat OMV-Chef Alfred Stern selbst mit den Abu Dhabis ausgehandelt. Er kündigte vor zehn Monaten an, die OMV Ende August 2026 zu verlassen. Bis heute ist der wichtigste Management-Job des Landes nicht entschieden.

Die OMV hat auch ein strategisches Problem, meint man in der Ölindustrie. Ab 2030 sinken die Öl- und Gasreserven, es gibt keine neuen Projekte. Auch das riesige Gas-Projekt „Neptun Deep“ in Rumänien kann die Produktion nur für einig Jahre stabilisieren.

Der Abgang von Robert Stajic ist für die ÖBAG außerdem ein schmerzhafter fachlicher Aderlass. Der renommierte Energieexperte wird demnächst auch die Aufsichtsräte von OMV und Verbund verlassen. Im OMV-Gremium ist dann kein österreichischer Energie-Experte mehr vertreten.

Verbund

Im Vorstand von Österreichs größtem Stromerzeuger fliegen die Hackeln tief. Die Vorstände Peter Kollmann und Susanna Zapreva sind heillos zerstritten. Der Verbund muss in die Netze und die Wasserkraft Milliarden investieren, doch der Staat schöpft die Gewinne ab. Auch hier schaut Hlawati zu.

Casinos Austria/Post

Erst ein Machtwort von Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) dürfte kürzlich die Intention der Post gestoppt haben, gemeinsam mit dem US-Glücksspielriesen Brightstar für die Lotterien-Lizenz zu bieten. Erstmals hätten einander zwei ÖBAG-Unternehmen konkurrenziert – die Post und die Lotterien-Mutter Casinos Austria. Die Casinos müssen um die Verlängerung der Lizenzen zittern, ohne die Cash-Cow Lotto ist die Gruppe nicht mehr viel wert.

A1 Telekom Austria

Die ÖBAG verlängerte den Syndikatsvertrag mit dem Mehrheitseigentümer America Movil. Österreich verlor dabei den Anspruch auf den CEO, Thomas Arnoldner ist hinter dem Argentinier Alejandro Plater nur Nummer zwei. Die ÖBAG hätte gegenüber den Mexikanern viel stärker den staatlichen Trumpf ausspielen müssen, meinen Telekom-Experten. Die Telekom brauche als Infrastrukturunternehmen ständig die öffentliche Hand, bis hin zu den Förderungen. Die von America Movil erzwungene Abspaltung der Funktürme sei nur für die Aktionäre vorteilhaft und bei der Internet-Geschwindigkeit rangiere man unter ferner liefen.

BIG

Der staatliche Immo-Konzern BIG darf die Energiekosten-Entlastung maßgeblich mitfinanzieren. Die Politik greift auch auf die Aufsichtsratsspitze zu, Top-Managerin Christine Catasta wird, wie der KURIER berichtete, nicht mehr verlängert. Der Rechnungshof zerpflückt den Deal zwischen BIG und Benkos Signa für die Postsparkasse in der Wiener Innenstadt zulasten der Steuerzahler.

Spitzengagen

Erst Hattmannsdorfer beauftragte die ÖBAG mit der Ausarbeitung einer eigenen Industriestrategie. Was hat Hlawati in den Jahren zuvor daran gehindert, fragen Kritiker? Für das Papier, das Ende März vorliegen soll, brauchte es die Hilfe von Boston Consulting, Kostenpunkt 800.000 Euro. Dabei sollen die hauseigenen Experten nicht gerade an Überlastung leiden.

Die Gehälter der 25 Mitarbeiter stiegen eklatant und lagen 2024 bei durchschnittlich knapp 130.000 Euro. 2019 waren es laut Rechnungshof noch 82.300 Euro. Hlawati hat ein seit 2021 unverändertes Grundgehalt von 585.000 Euro, plus 25 Prozent bei Zielerreichung.

Für ihre baldige Rente soll Hlawati, die expliziten Wert auf Governance und Compliance legt, bereits vorsorgen. Wie man hört, könnte sie sich für einen der fünf Aufsichtsratssitze der neuen BGI nominieren lassen. Rechtlich wäre das in Ordnung, aber die Optik ist nicht gut. Wessen Interessen würde sie denn vertreten – die der ÖBAG, der OMV oder der BGI?

Porträt von Andrea Hodoschek, Autorin der Serie „Wirtschaft von Innen“.

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