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Wirtschaft

Deutschland senkt ab heute die Spritsteuer

Steuerbelastung sinkt bis Ende August bei Superbenzin um 35,2 Cent pro Liter und bei Diesel um 16,7 Cent.

05/31/2022, 10:01 AM

In Deutschland sinkt die Steuerbelastung auf Kraftstoffe ab dem heutigen Mittwoch bis Ende August um 35,2 Cent pro Liter bei Superbenzin und um 16,7 Cent pro Liter bei Diesel. Beide Werte sind inklusive Mehrwertsteuer und aus europarechtlichen GrĂŒnden das auf diesem Wege maximal mögliche. Die Steuersenkung gilt fĂŒr drei Monate und soll die Autofahrer angesichts der extrem hohen Spritpreise entlasten.

Die Entstehung des Preises an der ZapfsÀule

Wie viel der Sprit an der Tankstelle kostet, bestimmen Tankstellenbetreiber und Mineralölkonzerne. Sie sind nicht zur Weitergabe der Steuersenkung verpflichtet.

Um Mitternacht

Wie genau sich die Senkung am heutigen Mittwoch bemerkbar machen wird, ist noch unklar. Eine flĂ€chendeckende vollstĂ€ndige Preissenkung ist allerdings unwahrscheinlich. Die Steuersenkung gilt nĂ€mlich fĂŒr den Kauf des Sprits bei Raffinerie und Tanklagern. Selbst was am Dienstagabend geliefert wurde, beinhaltet also noch die normale - höhere - Steuer. Das stellt Tankstellen und Mineralölgesellschaften vor ein Dilemma, denn viele Kunden erwarten sofort sinkende Preise. Im Ergebnis könnte es zu einem verzögerten Sinken des Preises kommen. Auch das Finanzministerium hatte am Montag noch einmal darauf hingewiesen, dass Tanken möglicherweise erst nach und nach billiger werden wird.

Der Ansturm

Ein Teil der Autofahrer hat den Tank weitgehend leer gefahren, um maximal von der Steuersenkung profitieren zu können. Ob das am Mittwoch zu einem Ansturm auf die Tankstellen oder nur zu erhöhter Nachfrage fĂŒhren wird, ist kaum vorhersehbar. "Wir erwarten Anfang Juni eine höhere Nachfrage, aber keinen "Run" auf die Tankstellen", heißt es beispielsweise von Aral. Bei Shell sieht man eine "erwartbar höhere Nachfrage".

Gegen einen "Run" spricht auch die Nachfrage nach Treibstoff in den vergangenen Tagen. Sowohl Aral als auch der Wirtschaftsverband Fuels und Energie (en2x) berichten von einer relativ normalen Entwicklung. HĂ€tte ein Großteil der Autofahrer den Tank bis zur Reserve geleert, hĂ€tte sich das eigentlich in sinkender Nachfrage niederschlagen mĂŒssen.

Dagegen sagt der fĂŒr die Tankstellen zustĂ€ndige VizeprĂ€sident des Verbands des Kraftfahrzeuggewerbes in Bayern, GĂŒnter Friedl: "Es ist zu erkennen, dass viele Autofahrer momentan weniger tanken." Das zeige, dass viele auf die Steuersenkung warteten, um wieder richtig voll zu tanken. Friedl erwartet daher LeerstĂ€nde an Tankstellen: "Die KapazitĂ€ten werden nicht ausreichen, dass zum 1. Juni genug preiswerter Sprit da ist."

Die VorrÀte der Tankstellen

Dass Tankstellen erst ab Mittwoch steuervergĂŒnstigten Sprit kaufen können, macht es fĂŒr sie unattraktiv ihre Lager vorher noch einmal zu fĂŒllen. Daher gibt es BefĂŒrchtungen, dass es zu VersorgungsengpĂ€ssen kommen könnte. Auch Mineralölgesellschaften schließen dies nicht aus.

Dazu trĂ€gt bei, dass die LogistikkapazitĂ€ten fĂŒr die Belieferung der Tankstellen bereits jetzt angespannt sind, wie es beispielsweise von Shell heißt. Allerdings versichert das Unternehmen: "Wir sind unsererseits bemĂŒht, die Versorgung aller Tankstellen bestmöglich zu gewĂ€hrleisten. Wir haben die Spediteure frĂŒhzeitig darauf hingewiesen, dass wir im Zuge der Steuersenkung die maximal verfĂŒgbare Fahrerzahl im Rahmen unserer VertrĂ€ge anfordern werden." Bei Aral heißt es, man habe sich "vorbereitet und die Logistikketten sind robust aufgestellt".

Die Preise im Vorfeld der Steuersenkung

Seit einigen Wochen steigt der Preis fĂŒr Superbenzin wieder. Zuletzt hat auch der Dieselpreis zugelegt. Der ADAC kritisiert beide als zu hoch. Allerdings steht Deutschland mit der Preisentwicklung im europĂ€ischen Vergleich nicht alleine da. In den meisten EU-LĂ€ndern hat sich Superbenzin der Sorte E5 in den letzten Wochen sogar etwas stĂ€rker verteuert als in Deutschland.

Die Preise nach der Steuersenkung

Super E10 kostete im deutschlandweiten Tagesdurchschnitt des Sonntags 2,129 Euro pro Liter. Diesel schlug mit 2,026 Euro zu Buche. Bei einer vollstĂ€ndigen Weitergabe der Steuersenkung - und ohne weitere Preisschwankungen - ergĂ€be sich also ein Spritpreis von rund 1,86 Euro fĂŒr Diesel und von rund 1,78 bei E10. Ob diese Werte erreicht werden, ist aus den genannten GrĂŒnden offen. Sowohl das deutsche Bundeskartellamt als auch der ADAC haben aber bereits angekĂŒndigt, die Entwicklung genau zu beobachten.

Die politische EinschÀtzung

Es gibt alles von Lob bis zur Fundamentalkritik: Deutschlands Finanzminister Christian Lindner (FDP) schrieb beispielsweise am Montag auf Twitter: "Wir lassen die Menschen nicht allein, die auf das Auto angewiesen sind." Greenpeace kritisierte dagegen: "Ausgerechnet die Partei, die Klimaschutz stets marktwirtschaftlich gestalten will, verfÀllt beim ersten Preissignal in Panik und greift mit dem milliardenschweren Tankrabatt in den Markt ein."

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