Wirtschaft
08.08.2018

Deutsche Ryanair-Piloten streiken: 400 Flüge gestrichen

Bei der irischen Billigairline wird es am Freitag Ausfälle und Verspätungen geben - auch auf Routen von und nach Deutschland.

Bislang streikten die Piloten nur im kleinen Irland. Wie groß aber werden nun die Einschränkungen? Passagiere des Billigfliegers Ryanair müssen sich am Freitag auch in Deutschland wegen eines Streiks auf Flugausfälle und -verspätungen gefasst machen. Mitten in der Urlaubs-Hochsaison weiten die Piloten der Airline ihren Ausstand auf die Bundesrepublik aus.

Ryanair streicht am Freitag in ganz Europa rund 400 Flüge. In Deutschland fallen 250 Flüge aus. Alle deutschen Flughäfen bis auf Baden-Baden seien betroffen. Dort hätten die Piloten zugesagt, ihr Programm abzufliegen, wie Ryanair am Mittwoch in Frankfurt mitteilte.

Von den Streiks seien in Deutschland rund 42.000 Kunden betroffen. Diese könnten kostenfrei umbuchen oder ihr Geld zurückbekommen, sagte Ryanair-Marketing-Chef Kenny Jacobs. Zuvor hatte sich die deutsche Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) den ebenfalls für Freitag geplanten Streiks in Irland, Belgien und Schweden angeschlossen.
 

24-Stunden-Streik

Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) rief alle angestellten Piloten an den deutschen Ryanair-Basen für den 10. August zu einem 24-stündigen Streik auf. Der Arbeitskampf beginne am Freitag um 3.01 Uhr und ende am Samstag um 2.59 Uhr. 

Die deutsche Gewerkschaft schließt sich den bereits für diesen Freitag angekündigten Streiks ihrer Kollegen in  Irland, Schweden und Belgien an. Dies wäre dann zusammen der größte Pilotenstreik in der Geschichte von Ryanair.

Bei den Piloten haben bisher einzig die Iren an vier einzelnen Tagen die Arbeit niedergelegt. Ein Warnstreik der VC in Deutschland war im vergangenen Dezember ohne Flugausfälle geblieben, weil Ryanair ausreichend Ersatzpiloten mobilisieren konnte.

Ryanair hat in den Verhandlungen jedwede Personalkosten-Erhöhung kategorisch ausgeschlossen."

VC-Chef Martin Locher

VC-Chef Martin Locher warf der Fluggesellschaft vor, eine Lösung am Verhandlungstisch zu blockieren und für die Eskalation allein die Verantwortung zu tragen. „Ryanair hat in den Verhandlungen jedwede Personalkosten-Erhöhung kategorisch ausgeschlossen. Gleichzeitig hat Ryanair zu keinem Zeitpunkt erkennen lassen, an welchen Stellen Spielräume zur Lösungsfindung bestehen“, erklärte der Gewerkschafter.

Kürzlich waren 100.000 Passagiere betroffen

Vor zwei Wochen hatten streikende Flugbegleiter in Spanien, Portugal und Belgien Ryanair gezwungen, innerhalb von zwei Tagen rund 600 Flüge mit zusammen etwa 100.000 betroffenen Passagieren abzusagen.

Beide Berufsgruppen wollen bessere Gehälter und Arbeitsbedingungen bei der irischen Airline durchsetzen, die sich jahrzehntelang gegen Gewerkschaften und tarifliche Vereinbarungen gewehrt hatte. Dazu müssen jeweils nationale Tarifverträge abgeschlossen werden, die Gewerkschaften koordinieren sich aber europaweit untereinander.