Wirtschaft
02/03/2020

Deutsche Autoindustrie erzielt pro Tag 600 Millionen Euro Umsatz in China

"Es wird deutlich, wie wichtig es ist, die Quarantäne-Gebiete in China nicht ausweiten zu lassen", sagt Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer.

von Kid Möchel

"Kein Industriezweig ist in Deutschland zu eng mit China verknüpft wie die deutsche Autoindustrie. Damit hat die Corona-Virus-Krise erhebliche Auswirkungen auf die deutsche Autoindustrie. Schon aus Gründen der Menschlichkeit wäre es dringend geboten, dass die Bundesregierung und die EU China ärztlich und medizinische Hilfe anbietet", sagt Autopapst Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Essen-Duisburg. "Es reicht nicht aus, nur die deutschen Staatsbürger nach Hause zu fliegen und in Sicherheit zu bringen. Neben der humanitären Tragweite hat der Corona-Virus-Fall aber auch eine enorme wirtschaftliche Tragweite. Mit einer Analyse der wesentlichen Kennzahlen für die deutsche Automobilindustrie, haben wir nachstehend versucht, eine Abschätzung hierfür zu geben."

Die deutschen Autobauer haben im Jahr 2019 weltweit 15,9 Millionen Pkw produziert. Davon wurden 4,7 Millionen Pkw im Inland produziert und 11,2 Millionen Pkw im Ausland. In
China wurden 4,82 Millionen Pkw der deutschen Autoindustriezuliefern gefertigt. Zusätzlich wurden von den im Inland produzierten Pkw 0,28 Millionen Fahrzeuge nach China exportiert. Damit lag die in Deutschland und in China fertigte Pkw-Produktion der deutschen Autobauer bei 5,1 Millionen, sprich 32 Prozent der weltweit produzierten Pkw der Deutschen. Hinzu rechnen muß man noch SUV, die von BMW und Daimler in USA produziert wurden und nach China exportiert werden. Damit liegen die für China und in China gefertigten Pkw-Neuwagen der deutschen Autobauer bei 33% der gesamten Produktion der deutschen Autohersteller. Diese Größe ist eher konservativ.

Der Umsatz der deutschen Autoindustrie beträgt 430 Milliarden Euro. Davon entfallen 95 Mrd. Euro oder 22,1 Prozent auf die Zulieferer und 335 Mrd. Euro oder 77,9% auf die Autobauer. Legt man jetzt den Produktionsanteil von 33% für die in Deutschland für China hergestellten Pkw und die in China von den deutschen Autobauern produzierten Pkw auf den Umsatz um, ergibt sich der China-Umsatz der deutschen Autobauer in Höhe von 142 Mrd. Euro.

Diese Zahl ist eher konservativ, denn im Markt China wird deutlich werthaltiger als der Rest der Welt verkauft. Zusätzlich sind Nutzfahrzeuge nicht berücksichtig. Nach China gehen die „schönen“ Autos verkauft. Damit ist der realistische China-Umsatz der deutschen Autoindustrie eher bei 35% des Weltumsatzes oder 150 Mrd. Euro pro Jahr.

Deutsche Autoindustrie erzielt pro Arbeitstag in China 600 Mio Euro Umsatz und 60 Mio. Euro Gewinn Offiziell gelten für China 251 Arbeitstage im Jahr. Damit erzielt die deutsche Autoindustrie in China pro Arbeitstag einen Umsatz von 600 Mio. Euro. Unterstellen wir jetzt ein ertragreiches Chinageschäft, so wie in normalen Zeiten, kann man bis zu 10% Gewinnmarge in China ansetzen, also 60 Mio. Gewinn pro Tag. Unterstellen wir weiter etwa 12% Arbeitskosten und 10% Kapitalkosten (Afa + Zinsen), fallen also 22% Kosten vom Umsatz an, die fix sind. Damit würden also bei einem Tag Stillstand in China statt 60 Mio. Euro Gewinn jetzt 72 Millionen Verlust pro Tag anfallen. Diese sehr konservativ gerechneten Zahlen zeigen, wie gefährlich auch in wirtschaftlicher Hinsicht der Corona-Virus ist. Zahlen zeigen.

Es wird deutlich, wie wichtig es ist, die Quarantäne-Gebiete in China nicht ausweiten zu lassen. Die chinesische Staatsregierung hat hier sehr beherzt eingegriffen – aber das Risiko weiterer Quarantäne-Gebiete ist nicht gering. Mediziner rechnen mit wirksamen Impfstoffen nicht vor 5 oder 6 Monaten.

Wirtschaftlich ist Deutschland vom Corona-Virus deutlich betroffen. Auch aus diesem Grunde sollte die Bundesregierung und die EU China anbieten, mit ärztlicher und medizinischer Hilfe zu unterstützen. Es reicht nicht aus, bei uns zu sagen, es sind nur ein paar Fälle und die kriegen wir in Deutschland in den Griff. Der Corona-Virus hat menschliche und wirtschaftliche Dimensionen. Die vorstehende grobe Abschätzung erlaubt eine Größenordnung der wirtschaftlichen Tragseite für die Autoindustrie.

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