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Analyse
02/28/2020

Coronavirus: Panik an Börsen ist Chance für Anleger mit starken Nerven

Der Ausverkauf an den Aktienmärkten wegen der Angst vor den Folgen der weltweiten Coronavirus-Epidemie verschärft sich.

"Die Börse preist gerade einen Tsunami an Gewinnwarnungen aus den Unternehmen ein", sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets.

Die Kurse rauschten auch am Freitag in die Tiefe wie zu Zeiten der Finanzkrise. Der Wiener Leitindex ATX lag am Freitag zu Mittag 3,5 Prozent im Minus.

David Folkerts-Landau, Chef-Volkswirt der Deutschen Bank, prophezeite eine Rezession in Deutschland und auch global.

Größter Wochenverlust seit Finanzkrise

Der DAX in Frankfurt fiel auf ein Dreieinhalb-Jahres-Tief. Mit einem Minus von insgesamt mehr als 13 Prozent steuerte er am Freitag zudem auf den größten Wochenverlust seit gut elf Jahren zu.

Auch jenseits des Atlantiks sieht es nach einem neuerlichen Verlusttag für die Börsen aus. Der Future auf den US-Leitindex Dow Jones Industrial fällt zur Stunde um 1,7 Prozent.

Seit seinem Rekordhoch vor rund zwei Wochen ist der Dow um knapp 13 Prozent abgesackt. Allein seit Wochenbeginn sind es etwas mehr als elf Prozent.

"Panik macht sich breit."

Gleiches galt für den EuroStoxx50, der am Freitag den niedrigsten Stand seit sechseinhalb Monaten verzeichnete.

"Innerhalb weniger Tage wurden die Kursgewinne der vergangenen Wochen und Monate pulverisiert", sagte Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG. "Panik macht sich breit."

Die Augen der Anleger richteten sich nun auf die Notenbanken als Retter in der Not, sagte Seema Shah, Chef-Anlagestrategin des Vermögensverwalters Principal Global Investors. "Die Märkte preisen nun mindestens zwei Zinssenkungen der Fed ein."

Der Druck auf die anderen Zentralbanken neben den USA wachse ebenfalls. Wegen der ohnehin niedrigen Zinsen sei der Effekt solcher Maßnahmen aber fraglich.

Gute Nachricht für Autofahrer

Und wie sieht es Rohstoffmarkt aus? Der Preis für die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee fiel um bis zu 4,1 Prozent und war mit 50,05 Dollar (45,65 Euro) je Barrel (159 Liter) so niedrig wie zuletzt vor mehr als einem Jahr. Die Spritpreise dürften also jetzt einmal nicht anziehen.

Die "Krisen-Währung" Gold konnte ihren Aufstieg dagegen nicht fortsetzen und büßte 0,9 Prozent auf 1.627,87 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) ein. Da dürften vielke Anleger das Edelmetall wieder zu Cash machen. 

Flugbranche im Krisenmodus

Zu den Hauptleidtragenden der Coronavirus-Epidemie gehören wegen zahlreicher Reisebeschränkungen und abgesagter Groß-Ereignisse wie die Automesse in Genf die Fluggesellschaften.

Der Branchenindex brach in den vergangenen Tagen um rund 19 Prozent ein und steuerte auf den größten Wochenverlust seit 2001 zu.

Zahlreiche Firmen wie die British Airways-Mutter IAG und der Billig-Flieger EasyJet stemmen sich mit Sparprogrammen gegen die Virus-Folgen. Ihre Aktien brachen dennoch um bis zu 8,5 Prozent ein.

Was tun? Nicht verkaufen!

Und was sollen Anleger jetzt tun? Bei aller Panik, die sich an den Märkten nun wegen der Ausbreitung der Coronavirus-Pandemie zunehmend breitmacht, sollten Anleger nicht vergessen: Panikverkäufe sind so ziemlich das Schlechteste, was man seinem Depot antun kann.

Denn auch wenn jetzt alles ganz trübe und hoffnungslos erscheint: In der Regel stabilisieren sich die Kurse nach solchen Panik-Tagen rasch – und es dauert nur wenige Wochen, bis der Vor-Panik-Stand wieder erreicht wird.

Panik-Verluste werden aufgeholt

Hoffnung macht die Statistik. Das US-Portal "Marketwatch" zitiert eine Studie, wonach der Dow Jones in der Regel immer eine Woche nach einem Kurssturz von mindestens zwei Prozent bereits wieder 2,1 Prozent höher steht.

Einen Monat später belaufen sich die Kursgewinne auf 2,9 Prozent, nach einem Jahr liegen sie bei 12,5 Prozent.

Wer cool ist, könnte bald einsteigen

Für Anleger mit langem Atem und Nerven wie Drahtseile sind solche Tage natürlich auch eine Chance. Überhaupt, wenn man sein Geld bisher nutzlos auf dem Sparbuch herumliegen hatte.

Gut wäre in diesem Fall tatsächlich eine Zinssenkung - gerade von der EZB. Denn damit würden Geldhäuser im Euroraum noch mehr Strafzinsen zahlen müssen, wenn sie über Nacht überschüssige Gelder bei der Notenbank parken.

Für Aktien-Anleger wären solche neuerlichen expansiven geldpolitischen Maßnahmen von EZB und Fed gute Nachrichten. Aktien würden in einem solchen Szenario klar an Attraktivität gewinnen. Tagesgeld- und Sparbuchliebhaber hätten erneut das Nachsehen.

"Ausverkauf als Gelegenheit"

Und was ist mit den ganzen Rezessionsszenarien? Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade, bezeichnete die Rezessionsszenarien als Schwarzmalerei.

Das weltweite Wachstum werde sich lediglich verlangsamen. "Anleger sollten den Ausverkauf als Gelegenheit sehen, denn nun haben sie die Möglichkeit, sich Top-Aktien sehr viel günstiger zu sichern als noch vor ein paar Monaten."


 

 

 

 

 

 

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