Ted Weisberg mit Angelika Ahrens

© Ahrens

Wirtschaft
05/27/2020

Coronavirus - "Dann werden die Städte dunkle Orte werden"

Covid-19: An den Börsen ging es zunächst bergab und dann wieder rauf. Wall Street-Profis sagen im KURIER, wie es weitergeht.

Report von Angelika Ahrens aus New York, Redaktion: Wolfgang Unterhuber

Die Coronakrise hat sich an den Börsen zunächst mit Rekordverlusten ausgewirkt. Wenig später sind viele Aktien raketenhaft nach oben geschossen.

Passend dazu öffent die New Yorker Börse an der Wall Street diese Woche wieder schrittweise ihre Pforten für den Handel auf dem Parkett.

Und so wie es aussieht, ist der Aufwärtsschwung an den Börsen noch nicht erlahmt. Und das, obwohl es derzeit in der Wirtschaft alles andere als rosig ausschaut. Schließlich schlittert die Wirtschaft gerade in eine globale Rezession. Warum halten sich die Börsen dennoch so gut?

„Das war eine sehr schwierige Zeit. Man darf aber nicht vergessen, dass die Börse nach vorne schaut. Natürlich ist das Coronavirus eine sehr ernste Sache. Aber manche glauben, dass wir das Schlimmste vielleicht schon hinter uns haben, von einem medizinischen und wirtschaftlichen Standpunkt aus. Sie erwarten ganz klar etwas Positives,“ erklärt der 80jährige Börsenhändler Ted Weisberg gegenüber dem KURIER.

Er hat fast 50 Jahre lang tagein-tagaus an der Wallstreet hautnah miterlebt. Die guten und die schlechten Tage. Ob auch er glaubt, dass das Schlimmste schon vorbei ist?

„Es wird befürchtet, dass es zu einer zweiten Welle im Herbst kommt. Aber es ist nur eine Befürchtung, niemand weiß es wirklich. Die Tatsache, dass der Dow Jones derzeit bei rund 25.000 Punkten steht und nicht bei 18.000 wie nach dem Crash Ende März reflektiert die generelle Erwartung der Anleger, dass die Gesundheits- und Wirtschaftsfrage kurzfristig gelöst werden wird. Sprich in den nächsten sechs bis zwölf Monaten,“ so Weisberg.

Doch das sehen nicht alle so: „Ich glaube, der Aktienmarkt ist zu optimistisch,“ meint Richard Sylla zum KURIER. Der Ökonom und Chef des American Museum of Finance ist einer der führenden Experten für Finanzgeschichte.

„Ich glaube, die Antwort der US-Notenbank Fed und des Finanzministeriums auf die Krise, aber auch die weltweiten Reaktionen, haben viel Liquidität ins System gebracht. Und das Geld muss irgendwo hinfließen. Nachdem die Zinsen extrem niedrig sind, hat das Geld seinen Weg in den Aktienmarkt gefunden.“

Auch Börsenhändler Peter Tuchman, aufgrund seines Looks der „Einstein der Wallstreet“ genannt, sieht im Gespräch mit dem KURIER den Hauptgrund der Rallye in den Aktionen der Notenbank und des Finanzministeriums

„Sie haben praktisch grünes Licht bekommen, alles außer der Küchenspüle hineinzuwerfen, um den Markt zu unterstützen. Und dann hatten natürlich auch viele Anleger Angst, dass sie etwas verpasst haben und haben Aktien gekauft, weil sie dachten, Oh mein Gott, ich will diese günstigen Kaufgelegenheiten nicht verpassen.“

Und dabei sind die Wirtschaft und der Markt derzeit komplett verschieden. Die Börse ist fast wieder bei den Höchstständen, wo sie vorher war.

Tuchmann: „Das macht überhaupt keinen Sinn, wenn man die Millionen von Arbeitslosen in den USA bedenkt. Manche Industrien, werden Jahre brauchen, um sich zu erholen. Geschäfte werden vielleicht nie wieder aufsperren. Kreuzfahrtschiffe werden nie wieder voll belegt sein. Ich gebe zwar keine Ratschläge, aber ich würde eher abwarten, bis die Städte aufsperren, wie viele Pleiten es geben wird und ob Restaurants Geld verdienen, wenn sie nur zu 30 Prozent ausgelastet sind. Und ob sich Airlines selbst erhalten können.“

Wenn die derzeitige Arbeitslosenhilfe in den USA ausläuft, so Tuchmann weiter „und die Leute ihre Miete nicht bezahlen oder die Familie nicht ernähren können, dann werden die Städte dunkle Orte werden. Und dann wird der Markt vielleicht letztendlich erkennen, dass diese irrationale Euphorie Wahnsinn ist. Madness.“

Peter Tuchman rechnet damit, dass es noch einmal zu Tiefständen wie im März kommen kann. Auch Sylla rechnet mit weiteren Rückschlägen. 

 

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