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Wirtschaft
07/15/2020

Corona-Krise: Oldtimer-Branche bleibt auf der Strecke

Veranstaltungspläne kommen völlig zum Erliegen. Dafür bleibt mehr Zeit zum Reparieren.

von Thomas Pressberger

Die Corona-Krise hat auch in der Oldtimerbranche deutliche Spuren hinterlassen. „Die letzte große Veranstaltung war die Oldtimermesse Retro Classico in Stuttgart Ende Februar“, sagt Christian Schamburek, Generalsekretär des Kuratoriums Historische Mobilität Österreich. Dann kam der große Lockdown und alle Veranstaltungen, Messen und Rallys wurden abgesagt.

Die Beschränkungen trafen die Oldtimerbranche mit der gleichen Wucht, wie viele andere Branchen. Unter den Opfern war auch die bekannte Ennstal Classic, die größte Veranstaltung in Österreich mit zahlreichen internationalen Besuchern. Einige Veranstaltungen wurden laut Schamburek in den Herbst verschoben, wie die Mödling Classic, doch viele finden erst wieder im nächsten Jahr statt. Jährlich gibt es in Österreich rund 250 Veranstaltungen, Schamburek schätzt, dass im restlichen Jahr deutlich weniger als die Hälfte, vielleicht sogar nur noch 50 bis 70 stattfinden werden.

Wachstumsraten Geschichte

Welche Auswirkungen der Wegfall der Events auf wirtschaftliche Faktoren, wie Preise, haben wird, lässt sich derzeit schwer abschätzen. „Die Preisentwicklung war in den vergangenen ein bis zwei Jahren verhalten. Das dynamische Wachstum der vergangenen fünf bis zehn Jahre war da schon vorbei“, sagt Schamburek. Steigende Preise seien eher eine Ausnahme und in Nischen zu finden. Der breite Oldtimermarkt habe ein Preisniveau erreicht, dass sich in den kommenden zwei bis drei Jahren kaum ändern werde, glaubt Schamburek.

Auch bei Prognosen über die weitere Entwicklung der Veranstaltungen gibt es Uneinigkeit. „Es gibt zwei Denkrichtungen“, sagt der Experte. Die eine These ist, dass die Leute hungrig auf Oldtimer sind und weil bisher „nichts los“ war eifrig auf Messen gehen. Die andere These ist, dass der typische Oldtimerkäufer nicht jung ist, sondern eher zu einer Risikogruppe zählt und Messen und Veranstaltungen scheuen wird – auch wenn es auf diesen Sicherheitsmaßnahmen gibt.

„Nicht sehr lustig“

Die wirtschaftlichen Auswirkungen für Veranstalter und Messebetreiber sind natürlich „nicht sehr lustig“, sagt Schamburek. Oldtimerveranstaltungen zählen zur Eventbranche, und diese sei durch die Krise besonders stark getroffen worden. Finanzielle Unterstützung durch den Staat ist Schamburek keine bekannt. Noch am besten davongekommen seien Werkstätten, weil viele Oldtimerbesitzer die Zeit genutzt hätten, um Reparaturen durchzuführen oder Projekte zu beginnen oder weiterzumachen.

Die Oldtimerbranche setzt in Österreich rund 700 Millionen Euro um. Umsatzrückgänge lassen sich derzeit noch keine schätzen, nur ein Anhaltspunkt sei gegeben: Allein eine Veranstaltung wie die Ennstal Classic generiert eine Umwegrentabilität von zehn Millionen Euro.

Wenn sich die Situation nicht wieder verschärft, sollte ab September das Messegeschehen hochfahren und es sollten wieder Veranstaltungen über die Bühne gehen, glaubt Schamburek. „Die Kauffreudigkeit sollte erhalten bleiben. In unsicheren Zeiten investieren die Leute gerne in Sachwerte und dazu zählen auch Oldtimer.“

Marktzahlen

In Österreich sind rund 260.000 Oldtimer zugelassen, deren Wert liegt bei geschätzten 3,7 Milliarden Euro. Geschätzte 96.000 Menschen im Land besitzen zumindest einen Oldtimer. Der typische Oldtimer-Besitzer ist zwischen 41 und 60 Jahre alt und hat 3,2 Fahrzeuge in der Garage stehen.

Die Fahrleistung eines Autos liegt im Jahr im Schnitt bei 700 Kilometern. Das sind 0,2 Prozent aller in Österreich jährlich gefahrenen Kilometer. Sechs bis zehn Mal pro Saison wird das Fahrzeug aus der Garage geholt.

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