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Wirtschaft
12/14/2021

Corona-Krise kostet Österreich fast 70 Milliarden Euro

Fiskalrat rechnet dennoch mit der Erfüllung der Maastricht-Kriterien ab dem Jahr 2022

Der mit der Überwachung der EU-Budgetregeln in Österreich betraute Fiskalrat hat die Regierung aufgefordert, sich bei der Bewältigung der Corona-Krise nicht von wirtschaftlichen Befürchtungen leiten zu lassen. Fiskalratspräsident Christoph Badelt forderte bei einer Pressekonferenz am Dienstag einen "Primat der Gesundheitspolitik": "Wenn man den Epidemiologen rechtzeitig folgt, ist das sicher auch billiger, als man folgt ihnen zu spät und hat dann längere Lockdowns."

Trotz der hohen Kosten der Krisenbewältigung rechnet der Fiskalrat mit einer raschen Erholung der Staatsfinanzen. Schon 2024 erwarten die Budgetwächter einen ausgeglichenen Haushalt. 2025 könnte der Bund einen Überschuss von 0,6 Prozent der Wirtschaftsleistung erzielen. Damit ist die Prognose des Fiskalrats optimistischer als das Finanzministerium selbst, das für 2025 noch mit einem Defizit rechnet und die Krisenkosten 2020/21 mit 50 Mrd. Euro beziffert. Der Fiskalrat kommt auf krisenkosten inklusive 4. Lockdown von 68,9 Milliarden Euro.

Grundsätzlich rechnet der Fiskalrat für 2022 mit dem Auslaufen des Großteils der Coronamaßnahmen. Allerdings betonte Badelt, dass eine Fortsetzung der Pandemiebekämpfung verkraftbar wäre. "Das löst keine fiskalpolitische Katastrophe aus", schickte er beruhigende Signale an die Politik. Natürlich sei das kein Freibrief zum Geldausgeben, aber die Regierung habe genug Spielraum, die Krisenbekämpfung ausschließlich unter gesundheitspolitischen (und nicht wirtschaftlichen) Aspekten zu sehen.

"Bitte macht alles, um diese Erkrankungszahlen im Zaum zu halten und lasst euch nicht von irgendwelchen Katastrophenvorstellungen wirtschaftlicher Art daran hindern", appellierte Badelt an die Regierung. Natürlich wolle man weitere Lockdowns verhindern, aber: "Solange sich das alles in wenigen Wochen bewegt, ist nicht die fiskalische Situation des Landes das Problem." Zudem habe sich gezeigt, dass zu lange aufgeschobene Lockdowns sowohl gesundheitlich größere Schäden anrichten als auch ökonomisch ungünstiger seien als frühere kürzere Eingriffe. Die Kosten für eine Lockdown-Woche schätzt der Fiskalrat auf 650 Mio. Euro (bzw. 450 Mio. Euro für einen Teillockdown).

Weiters empfiehlt der Fiskalrat der Regierung die Evaluierung der bisherigen Unterstützungsleistungen. Außerdem sollte die Krise dafür genützt werden, den innerösterreichischen Stabilitätspakt zu reformieren und den Schuldenpfad der Länder anzupassen. Angesichts der in den nächsten Jahren günstigen Budgetlage sollte die laut Badelt auch Spielraum für die Klimapolitik und die alternde Gesellschaft schaffen. Insbesondere sollte die Politik auf außertourliche Pensionserhöhungen verzichten: "Gäbe es sonst keine Sorgen in diesem Land, könnte man die Pensionskosten darstellen", so Badelt. Aber es gebe eben auch andere Themen, für die der Staat Geld brauche.

 

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