Wirtschaft
26.07.2017

Chinesen fliegen auf Wien - und die Russen sind zurück

Chinesische Touristen erstmals unter Top Ten in der Bundeshauptstadt. Umsätze stiegen deutlich stärker als Nächtigungen.

2017 war für den Wiener Tourismus bisher ein gutes Jahr. So darf sich die Hauptstadt mit 6,924.000 Nächtigungen über einen Halbjahresrekord freuen. Das bedeutet ein Plus von 4,2 Prozent im Vergleich zu Jänner bis Juni 2016. Noch positivere Nachrichten gibt es für die Hoteliers. Die Umsätze stiegen im laufenden Jahr um fast 10 Prozent.

Konkret nahmen die Unterkünfte bis inklusive Mai - für Juni liegt die Auswertung noch nicht vor - rund 277 Mio. Euro ein. Im Vergleichszeitraum entspricht das einem Anstieg von 9,6 Prozent, wie Tourismusdirektor Norbert Kettner am Mittwoch in einer Pressekonferenz in den Räumlichkeiten des neuen Weltmuseums (zur Website), das Ende Oktober eröffnet wird, vorrechnete. Damit liege man nun bei den Zielsetzungen für 2020 wieder im Kurs. Die Donaumetropole hat sich bis dahin 18 Mio. Nächtigungen und 1 Mrd. Euro Umsatz vorgenommen.

Gäste aus dem Osten

Laut Statistik brachten 23 der 30 wichtigsten Herkunftsländer ein Nächtigungsplus, zwölf im zweistelligen Bereich. Auffällig ist, dass die Gäste aus Russland gewissermaßen ein Comeback feiern. Im heurigen ersten Halbjahr kam ein Drittel mehr als in den ersten sechs Monaten des Vorjahres. Mit 211.000 Nächtigungen ist Russland damit auf Platz 7 der wichtigsten Märkte aufgerückt.

Kettner begründete den diesbezüglichen Aufwärtstrend nicht zuletzt mit den guten Flugverbindungen. Die Sitzplatzkapazität im Sommerflugplan sei um 60 Prozent gegenüber 2016 gestiegen. Neu in den Top Ten vertreten ist China mit 175.000 Übernachtungen.

Easyjet setzt auf Wien

Der Tourismusdirektor rechnet zudem mit positiven Effekten infolge des "Brexit" und verwies etwa auf die jüngste Entscheidung der Billigfluglinie Easyjet, in Wien ein drittes Standbein zu gründen.

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Auch für die Übersiedlung der European Medicines Agency (EMA) nach Wien sieht Kettner gute Chancen. Die für Zulassungen und die Überwachung von Arzneimitteln zuständige EU-Agentur muss London wegen des EU-Austritts Großbritanniens verlassen. Andererseits habe es im ersten Halbjahr aber auch - möglicherweise infolge des "Brexit" - leichte Rückgänge bei den Nächtigungen der Gäste aus Großbritannien gegeben.

Für 2018 wird mit Klimt und Schiele geworben

Um 2017 zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen, will Wien auch im zweiten Halbjahr kräftig die Werbetrommel rühren. Ein Marketingbudget in Höhe von 8,9 Mio. Euro steht dafür zur Verfügung. Zum Einsatz kommt es in 20 Ländern, die etwa vier Fünftel aller Nächtigungen in Wien ausmachen. Im Fokus stehen wesentliche Vertreter der Wiener Moderne: Gustav Klimt, Egon Schiele, Otto Wagner und Koloman Moser. Sie alle starben 1918, ihr Tod jährt sich somit im kommenden Jahr zum 100. Mal, was mit zahlreichen Ausstellungen verbunden sein wird.