Größte Völkerwanderung der Welt: Viel Bewegung im "Jahr des Pferdes"

Die alljährliche Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest am Dienstag rollt bereits. Die Herausforderungen für die zweitgrößte Volkswirtschaft sind gewaltig.
CHINA-LIFESTYLE

Autos stehen im Stau, Bahnhöfe und Züge sind zum Bersten voll, Flugtickets teurer als sonst. Millionen von Chinesen – darunter Wanderarbeiter, Studenten oder Büroangestellte – reisen in ihre Heimatorte, um Neujahr (auch „Frühlingsfest“) mit ihren Familien zu feiern. Auch den umgekehrten Trend gibt es beim „Chunyun“: Eltern vom Land besuchen ihre Kinder in den Millionenstädten. Übersetzt heißt das Wort „Frühlings-Transport“ und bezeichnet die alljährlich größte Völkerwanderung der Welt.

Die Reisesaison dauert in der Regel 40 Tage, startet zwei Wochen vor dem chinesischen Neujahrstag, der auf den Dienstag fällt, und endet heuer am 13. März.

CHINA-LUNAR-NEW YEAR

9,5 Milliarden

Nach dem Jahr der Schlange beginnt jetzt das Jahr des Pferdes – zusammen mit dem Element Feuer. Das nur alle 60 Jahre auftretende „Feuer-Pferd“ steht in der chinesischen Astrologie für eine besonders kraftvolle und dynamische Energie. Folgerichtig erwarten die Behörden Fabel-Rekorde im Bahn-, Flug und Straßenverkehr. In Summe dürften es laut Peking 9,5 Milliarden überregionale Passagierbewegungen werden.

Bei allen wirtschaftlichen Sorgen daheim – Immobilienkrise, schrumpfende Bevölkerung, lahme Binnenkonjunktur – reisen die Chinesen sehr gern ins Ausland. Hallstatt kann ein Lied davon singen.

Während der malerische 800-Einwohner-Ort im Salzkammergut mit einer Million Besucher im Jahr zum Sinnbild für „Overtourism“ wurde, schwärmt der Wien-Tourismus von den Gästen aus Fernost. Beim Beherbergungsumsatz liegen die Chinesen in Wien schon auf Platz zehn, bei den Nächtigungen (365.000, plus 22 Prozent zu 2024) ist noch Luft nach oben – erst zwei Drittel des Vorkrisenniveaus von 2019 sind erreicht.

Lunar New Year preparations in Hanoi

Aktuell bedienen drei Airlines – Air China, Hainan Airlines und die AUA – vier Destinationen mit Flügen von und nach Wien. Durchschnittlich sind das zehn Flüge pro Woche. Neben Peking, Shanghai, Chengdu und Shenzhen kommt ab 20. April die historische Kaiserstadt Xi’an mit ihrer berühmten Terrakotta-Armee dazu – durchgeführt von China Eastern Airlines.

Neben dem Tourismus steht das Jahr des Pferdes für den Auftakt zum 15. Fünfjahresplan (2026 bis 2030). Die Herausforderungen für die kommunistische Führung des Landes sind gewaltig. Die Alterung der Gesellschaft und die historisch niedrige Geburtenrate erhöhen den Druck auf die Sozialsysteme. Besonders schwach läuft die private Nachfrage. Die Inflation bewegt sich nur knapp oberhalb der Nulllinie. Die Bevölkerung hält sich in Erwartung weiter sinkender Preise mit Anschaffungen zurück. Mit Milliarden-Förderungen und Einkaufsgutscheinen hält Peking dagegen – bisher wirkungslos.

1.200 Milliarden

Rund läuft hingegen Chinas Exportmotor. Während die Ausfuhren nach Europa zunehmen und hier die Industrie gewaltig unter Druck bringen, ist der Absatz in den USA wegen des Zollstreits rückläufig. Dennoch gelang China 2025 ein Rekord-Handelsüberschuss von 1.200 Mrd. US-Dollar. Um noch „stärker“ zu werden, investiert die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt (hinter den USA, vor Deutschland) jetzt massiv in KI, Robotik, Halbleiter und erneuerbare Energie.

Kommentare