Ansturm auf den Chefjob bei der Spanischen Hofreitschule

Spanische Hofreitschule
Die Spanische Hofreitschule steht wieder einmal im Mittelpunkt. Aufregungen um Besetzung, Adel und Promis im Ehrenkomitee.
Andrea Hodoschek

Andrea Hodoschek

Es wäre fast ein Wunder, wenn die Nachfolge des vorzeitig gefeuerten Hofreitschulen-Chefs. Alfred Hudler ohne Aufregungen über die Bühne ginge. Das beginnt bei der Ausschreibung, veröffentlicht im Oktober 2025 vom „alten“ Aufsichtsrat, der inzwischen von Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) abgelöst wurde.

Die Ausschreibung ging nur online, auf evi.gv.at und kurier.at. Hätte aber in den Printausgaben von zwei Tageszeitungen publiziert werden müssen, monieren Personalberater und Juristen mit Verweis auf das Stellenbesetzungsgesetz. Auch das Presseförderungsgesetz definiere Tageszeitungen eindeutig als Print-Produkte.

„Eine Online-Ausschreibung ist rechtskonform“, kontert Michael Enzinger, seit November Aufsichsrats-Vorsitzender. Der langjährige Dressurreiter und Rechtsanwalt beruft sich auch auf die Finanzprokuratur.

Die Entscheidung, so Enzinger, „muss transparent sein und jeder Kontrolle standhalten“. Stark anzunehmen, dass unterlegene Bewerber jede Einspruchsmöglichkeit nutzen werden. Das G’riss um den mit mehr als 300.000 Euro dotierten Posten ist groß, 58 Kandidaten gingen ins Rennen.

„Bin aus Teflon“

Die Entscheidung wird noch dauern. Erst vor Kurzem wurde ein Headhunter bestellt, dessen Name Enzinger trotz aller Transparenz nicht nennen will. Der Personalberater solle nicht mit Interventionen, in der Hofreitschule lange Tradition, belästigt werden. Beim ihm selbst wurde, wäre nicht Österreich, mehrfach interveniert. Enzinger: „Die wissen nicht, dass ich aus Teflon bin.“

Jetzt liegt die Long-List der Kandidaten vor. Enzinger hofft auf eine Entscheidung im ersten Quartal, „wir bemühen uns so rasch wie möglich“. Gut qualifizierte Bewerber haben bekanntlich keine langen Zeitfenster. Interims-Chefin Maria Patek bleibt jedenfalls bis zur Hofübergabe im Amt.

Die Vorwürfe gegen Hudler wegen privater Spesen erwiesen sich als falsch, die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen dazu ein. Treibende Kraft hinter der Demontage und Desavouierung des Managers war Totschnigs Generalsekretär Johannes Abentung. Auslöser war eine anonyme Whistleblower-Anzeige. Obwohl eine Untersuchung der Wirtschaftsprüfungskanzlei Pwc Hudler entlastete, wurde er entlassen. Offen sind noch Ermittlungen wegen mangelnder Überwachung der Finanzabteilung, Rechnungen über 700.000 Euro waren vom inzwischen ebenfalls gegangenen Leiter der Finanzabteilung nicht verbucht worden. Dazu wird derzeit ein externer Prüfbericht erstellt. 

Geheimnisvolles Komitee

Elisabeth Gürtler, Österreichs bekannteste Hotelchefin und ehemalige Leiterin der Hofreitschule, wurde wie berichtet von Totschnig zur Generalsekretärin des Ehrenkomitees der Spanischen ernannt. Sie soll als Markenbotschafterin auftreten und ihre ausgezeichneten gesellschaftlichen Kontakte nutzen.

Gürtler ist seit langem Mitglied dieses geheimnisvollen Komitees, das im Hofreitschulen-Gesetz verankert ist, aber nirgendwo aufscheint und mangels Generalsekretär länger nicht mehr aktiv war. Die prominenten ehrenamtlichen Mitglieder mit Bezug zum Pferdesport oder zur Spanischen gehören teilweise Europas Hochadel an. Etwa die Königstochter Elena von Spanien, Marie von und zu Liechtenstein, Georg Habsburg, Karl Khevenhüller oder Laurent von Belgien sowie Königin Rania von Jordanien. „Ich möchte das Komitee wieder aktivieren, Aktivitäten planen und neue Mitglieder werben“, sagt Gürtler gegenüber dem KURIER. Sie sieht die Mitglieder aber nicht als Sponsoren, „sie sollen Sponsoring aber mit ihren Namen unterstützen“.

Porträt von Andrea Hodoschek, Autorin der Serie „Wirtschaft von Innen“.

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