FILE PHOTO: The logo of Austrian gambling monopolist Casinos Austria is pictured on its headquarters in Vienna

┬ę REUTERS / Heinz-Peter Bader

Wirtschaft von Innen
07/08/2020

Casinos bauen mindestens 500 Mitarbeiter ab

Die Kapitalvertreter im Aufsichtsrat stimmten geschlossen dem harten Sanierungsprogramm zu.

von Andrea Hodoschek

Die Emotionen gingen beim Sonderaufsichtsrat der Casinos Austria hoch. F├╝r die 12 Inlandscasinos des teilstaatlichen Gl├╝cksspielkonzerns geht es ums ├ťberleben. ÔÇ×Existenzielles Risiko ohne Optimierungsma├čnahmen durch nachhaltig negative ErgebnisseÔÇť, hei├čt es im Sanierungsprogramm ReFIT.

Konzernchefin Bettina Glatz-Kremsner legte dem Aufsichtsrat das gemeinsam mit McKinsey (Honorar knapp 500.000 Euro) ausgearbeitete, h├Ąrteste Ma├čnahmenpaket in der Geschichte des Unternehmens vor. Sie ist im Vorstand f├╝r die schwierigen Casinos hauptzust├Ąndig, ihr tschechischer Kollege Martin Skopek ist f├╝r die Tochter und Cashcow Lotterien verantwortlich.

Der Aufsichtsrat stimmte nach mehr als f├╝nf Stunden Diskussionen ReFIT zu und beauftragte den Vorstand, das Programm umzusetzen.

In Summe sind mindestens mehr als als 500 Mitarbeiter betroffen, der KURIER berichtete als erstes Medium. 1200 Arbeitspl├Ątze w├╝rden gerettet, sagte Robert Chvatal, Vize-Vorsitzender des Aufsichtsrates und Chef des Mehrheitseigent├╝mers Sazka Group, nach der Sitzung. Unklar ist, von welcher Basis ausgegangen wird. Die 12 Casinos besch├Ąftigten 1700 Mitarbeiter, dazu kommen noch 300 Besch├Ąftigte in der Gastronomie. Von 770 Mitarbeitern in der Zentrale werken auch noch 220 f├╝r die Casinos-Betriebe, auch hier wird eingespart.

Die Betriebspensionen werden gek├╝rzt. Ausgenommen davon sind die Luxusrenten der ehemaligen Vorst├Ąnde, die sich durch Einzelvereinbarungen fein abgesichert haben. Bei den Geh├Ąltern drohen K├╝rzungen bis zu 25 Prozent.

"Es geht um die Rettung eines Unternehmens, das sich aufgrund seiner Struktur und der ver├Ąnderten Welt in einer au├čerordentlich schwierigen Situation befindet. Wir wollen keine Casinos verkaufen, sondern sie f├╝r die Zukunft fit machen", betonte Chvatal.

Alle Kapitalvertreter stimmten zu, die Betriebsr├Ąte votierten dagegen. Sie halten wie berichtet die Verlust-Prognosen von 65 Millionen Euro f├╝r  heuer f├╝r ├╝berzogen.

Die Eckpunkte des Programms:

  • Sicherstellung der Profitabilit├Ąt des terrestrischen Casino Gesch├Ąfts in ├ľsterreich um nachhaltig die Standorte zu erhalten und Arbeitspl├Ątze zu sichern
  • Einsparung von insgesamt ├╝ber EUR 40 Millionen durch Reduktion von Sach- und Personalkosten in den Casinos Betrieben und in der Zentrale.
  • Effizienzsteigerung durch Neuorganisation der Casino-Betriebe und der Zentrale.
  • Strategische Neuausrichtung und Redimensionierung einzelner Casino-Standorte.
  • Reduktion der Anzahl der Mitarbeiter und der durchschnittlichen Gehaltskosten.
  • Bei erfolgreicher Umsetzung bleiben laut vorliegendem Konzept die 12 Casino-Standorte erhalten.
  • St├Ąrkere operative Trennung des Casino-Betriebs von anderen Bereichen der Unternehmensgruppe und Schaffung einer schlanken eigenst├Ąndigen Zentrale.

Wie beispielsweise auch bei der staatlichen Flugsicherung Austro Control hat sich in der Casag ein Zwei-Klassen-System etabliert. Nach 2006 eingetretene Mitarbeiter erhalten deutlich weniger als ihre ├Ąlteren Kollegen und k├Ânnen auch leichter gek├╝ndigt werden. Bei den Managern soll ebenfalls hinein geholzt und jeder Dritte abgebaut werden. Jedes Casino hat einen Direktor und darunter zwei weitere Managementebenen.

Glatz-Kremsner sprach von der "gr├Â├čten Neuorganisation in der Geschichte des Unterenhmens, wodurch langfristig die Stellung von Casinos Austria als der  Gl├╝cksspielanbieter ├ľsterreichs abgesichert wird".

Rauchverbot und Corona-Krise hatten die strukturellen Probleme der 12 Inlandscasinos nur noch versch├Ąrft. Die Casinos haben zu hohe Personalkosten.

Ohne tiefgreifende Ma├čnahmen kalkuliert das Management mit einem kumulierten Verlust bis 2024 von mehr als 150 Millionen Euro.

├ľBAG holte internationalen Berater 

Thomas Schmid, Chef der Staatsholding ├ľBAG, die ein Drittel am Casag-Konzern h├Ąlt, sagte, das Unternehmen k├Ânne nur durch die Umsetzung der vorgeschlagenen Ma├čnahmen weiterhin erfolgreich bleiben. Die ├ľBAG habe sich f├╝r den Erhalt m├Âglichst vieler Jobs sowie aller 12 Casi no-Standorte eingesetzt. In einem Syndikatsvertrag mit Sazka geben die Tschechen allerdings keine Garantien ab, sondern haben der ├ľBAG lediglich Veto-Rechte einger├Ąumt.

Die Staatsholding ├ľBAG hat sich f├╝r den Problemfall Casag Gl├╝cksspiel-Expertise von au├čen geholt. Der in der internationalen Gaming-Szene gut bekannte Luke Alvarez wurde als Berater angeheuert. Der ehemalige Berater bei Boston Consulting ist seit 28 Jahren in der Branche und machte viel Geld mit der Gr├╝ndung und dem Verkauf des digitalen Gaming-Unternehmens Inspired Entertainment. Seit 2018 scheint Alvarez als Chairman eines in Gibraltar domizilierten Online-Anbieters auf.

Es sind ausgerechnet die mit Konzessionen in Gibraltar oder Malta agierenden Online-Firmen, die der Casag im Internet-Business zusetzen. Alvarez soll es gelungen sein, die Stimmung zwischen der Staatsholding, dem tschechischen Mehrheitseigent├╝mer Sazka Group und dem Unternehmen zu verbessern.

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