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Wirtschaft
11/28/2019

Brisant: Werkstätten-Ausrüster Förch unter Bestechungsverdacht

Die Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt gegen rund 60 Beschuldigte und hat dazu 10.000 Fakten gesammelt. Sie bestätigt, dass Ermittlungen anhängig sind.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

„Ob Kfz-, Bau- oder Metall-Handwerk, ob Industrie- oder Betriebswerkstatt, Förch ist Ihr kompetenter Berater und Partner für Werkstattbedarf sowie für Montage- und Befestigungsartikel“, heißt es auf der Firmen-Homepage. „Wir kennen ’unsere’ Branchen, wissen um die permanent steigenden Anforderungen und haben uns darauf eingestellt: mit einem kompetenten, praxiserfahrenen Außendienst, einem umfassenden Produktportfolio und einem Service, der keine Wünsche offen lässt.“

Doch bei „der Erfüllung von Kunden-Wünschen“ sollen Mitarbeiter der Salzburger Großhandelsfirma Theo Förch GmbH, Tochter des gleichnamigen deutschen Konzerns, massiv über die Stränge geschlagen haben.

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ermittelt wegen Bestechungs- und Untreueverdachts gegen Förch, zwei Führungsleute und gegen etliche (ehemalige) Mitarbeiter. So sollen Förch-Bedienstete das unternehmenseigene Kundenbonussystem „I-Pakete“ dazu genutzt haben, einzelne Kunden mit außertourlichen „Weihnachtspackerln“ zu versorgen. Für diese gab es unter anderem Gratis-Tank-Gutscheine und „kostenlose“ Autobahnvignetten.

Bestätigung durch WKStA

„Die WKStA ermittelt wegen des Verdachts, dass Außendienstmitarbeiter eines österreichischen Unternehmens bei Einkäufen durch private und öffentliche Unternehmen in einer Vielzahl an Fällen Vorteile gewährt hätten, um Vertragsabschlüsse zu generieren“, sagt Oberstaatsanwältin Elisabeth Täubl auf Anfrage zum KURIER. „Derzeit wird gegen rund 60 Beschuldigte ermittelt wegen des Verdachts der Untreue, der Bestechung, Bestechlichkeit sowie der Geschenkannahme und Bestechung von Bediensteten oder Beauftragten. Insgesamt geht es um rund 10.000 Fakten.“ Die Schadenshöhe könne derzeit aber noch nicht abgeschätzt werden. Die Ermittlungen dazu seien noch voll im Gange. Laut Förch sollen nur 160 der 16.000 österreichischer Kunden betroffen sein.

Förch räumt Missstände ein

„Förch untersucht derzeit ein mögliches Fehlverhalten einzelner ehemaliger Außendienstmitarbeiter bei Zugaben für sogenannte Paketbestellungen von einigen Kunden in Österreich“, teilt ein Firmensprecher dem KURIER mit. „Wie wir erfahren mussten, haben einzelne Außendienstmitarbeiter in Alleingängen Kundenbindungsmethoden benutzt, die nicht zulässig sind. Wir haben auch Hinweise darauf, dass sich diese Außendienstmitarbeiter durch unzulässige Benutzung von Verkaufsmethoden selbst bereicherten.“ Oder anders gesagt: Sie sollen auch noch in die eigene Tasche gewirtschaftet haben.

„Zur Unterstützung des Vertriebs hat die Theo Förch GmbH in der Vergangenheit den Außendienstmitarbeitern verkaufsfördernde Maßnahmen in Form von unterschiedlichen Zugaben wie sie in der Branche üblich sind zur Verfügung gestellt", heißt es weiter. "Diese waren an gewisse Umsatzziele gekoppelt. Durch die individuelle Abwandlung dieser Maßnahmen durch einzelne Vertriebsmitarbeiter wurden daraus unzulässige Kundenbindungsmethoden für einzelne Einkäufer geschaffen. Diese Praxis entspricht nicht der Firmenpolitik der Theo Förch Gmbh."

System vom Vorgänger übernommen?

Förch habe „eine interne juristische Aufarbeitung eingeleitet, um die Causa rechtlich aufzubereiten und mögliche Schadenersatzansprüche geltend zu machen“. „Die Ermittlungen durch eine Anwaltskanzlei dauern derzeit noch an“, teilt Förch mit. Das Kundenbonussystem habe Förch eingestellt, von den betroffenen Außendienst-Mitarbeitern habe man sich getrennt.

Indes behauptet ein früherer Förch-Mitarbeiter im Gespräch mit dem KURIER, dass er das inkriminierte Geschenksystem bloß von seinem Vorgänger übernommen habe. Die Gratis-Vignetten und Tankgutscheine sollen dabei auffälligerweise an die Privatadressen der Kunden geschickt worden sein.

Theo Förch-Gruppe

Theo Förch gründete im Jahr 1963 eine Schraubenhandlung im deutschen Neuenstadt-Kochertürn. "Der erste Firmensitz: Eine Scheune auf dem elterlichen Anwesen in Neuenstadt-Kochertürn. Sie ist Lagerraum und Büro zugleich – und leider auch unbeheizt. Harte Zeiten für Theo Förch und seine Mitstreiter. Jede Mark wird zweimal umgedreht, eingehendes Verpackungsmaterial gesammelt und wiederverwendet. Der Fuhrpark am Standort des Unternehmens besteht im Wesentlichen aus dem Traktor des Bruders. Bodenständigkeit ist Trumpf. Aber die Rechnung geht auf. Die Schrauben und Kleinteile finden ihre Abnehmer und es werden schwarze Zahlen geschrieben – von Anfang an", heißt es auf der Homepage.

Heute gehört Förch - 2800 Mitarbeiter, in 55 Ländern, 406 Millionen Euro - laut eigenen Angaben zu den führenden Direktvertriebsunternehmen für Werkstatt-, Montage- und Befestigungsartikel in Handwerk und Industrie. Im Jahr 1977 wurde die Theo Förch GmbH in Salzburg gegründet. Sie hat (2018) 204 Mitarbeiter, davon etwa 130 im Außendienst. Standorte sind neben der Zentrale in Salzburg, in Brunn am Gebirge, Klagenfurt, Linz und Graz-Seiersberg.

Die Österreich-Tochter ist gut aufgestellt. Sie hat einen Bilanzgewinn in Höhe von 9,27 Millionen Euro und ein Eigenkapital in Höhe von 10,04 Millionen Euro. Laut Firmencompass beträgt der Umsatz (2018) rund 41,13 Millionen Euro, der Jahres-Nettogewinn 1,46 Millionen Euro.

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