Erntehelfer beim Spargelstechen im Marchfeld.

© APA - Austria Presse Agentur

Wirtschaft
06/18/2020

Branchenvertreter kritisieren Ausbeutung von Erntehelfern

Der Obst- und Gemüseverband wehrt sich gegen eine pauschale Verurteilung. Die Arbeiterkammer fordert Konsequenzen.

Die Obst- und Gemüsebranche hat sich am Donnerstag zu Berichten über ausgebeutete Erntehelfer auf einem Marchfelder Spargelfeld geäußert. Man habe keinerlei für Verständnis für Verstöße gegen Sozialstandards, für Lohndumpung und unzumutbare Unterbringungen. Aber es solle auch nicht aufgrund eines "individuellen Fehlverhaltens" die ganze Branche verunglimpft werden.

Von den 2011 bis Ende 2019 eingebrachten 3.703 Anzeigen wegen Unterentlohnung seien lediglich 27 der Landwirtschaft zuordenbar, und nur fünf rechtskräftige Entscheidungen seien in dem Zeitraum auf den Agrarsektor entfallen, so Josef Peck und Franz Windisch, Obleute des Österreichischen Branchenverbandes für Obst und Gemüse (ÖBOG), in einer Aussendung.

Entlohnung unter Kollektivvertrag

Die Gewerkschaft PRO-GE und die Szenoieri-Kampagne für die Rechte von in Österreich tätigen Erntehelfern hatten am Mittwoch von einem Skandal auf einem Spargelbetrieb im Bezirk Gänserndorf berichtet. Demnach deckte eine Rumänin "unhaltbare Zustände" auf. Sie und ihre Landsleute, die seit Ende April als Erntearbeiter auf dem Spargelfeld gearbeitet hatten, hätten für vier Euro Stundenlohn 14 Stunden am Tag an sechs bis sieben Tagen die Woche schuften müssen und seien teils zu acht in einem schimmligen Zimmer untergebracht gewesen, das auch noch vier Euro pro Kopf und Nacht gekostet habe.

Der Kollektivvertrag für Erntehelfer in Niederösterreich sieht einen Stundenlohn von 8,66 Euro brutto bzw. 7,07 Euro netto vor. Die Unterbringung darf maximal 1,31 Euro pro Tag kosten.

AK fordert Konsequenzen

Auch die Arbeiterkammer meldete sich am Donnerstag zu dem Fall zu Wort. "Wer keine ordentlichen Löhne und Unterkünfte bietet bzw. das Arbeitsrecht nicht einhält, sollte in Zukunft mit dem Entzug der EU-Subventionen rechnen müssen", forderte AK-Expertin Maria Burgstaller.

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