AT&S-Aktie: Das Geheimnis des Erfolges an der Börse
Wer hätte das gedacht? Vor einem Jahr noch tief in der Krise und an der Börse abgestraft, schaffte der heimische Technologiekonzern AT&S im Vorjahr den Umschwung und gewann binnen weniger Monate das Vertrauen der Aktionäre zurück. Im Jahresabstand legte die Aktie um beachtliche 166 Prozent auf 32 Euro zu und erzielte damit den höchsten Kursgewinn im Wiener ATX. Am Donnerstag notierte die Aktie schon bei 34 Euro.
Damit ließen die Steirer sogar die gehypte Aktie des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall (+155 Prozent) hinter sich. Im Technologiesektor schaffte US-Börseliebling Nvidia im Vorjahr gerade einmal ein Plus von 20 Prozent.
Führungsvakuum überwunden
Rückblick: Nach dem überhasteten Abgang von Langzeitchef Andreas Gerstenmayer und dem Tod von AT&S-Mitgründer und Aufsichtsrat Hannes Androsch im Dezember war der Leiterplatten- und IC-Substrate-Hersteller monatelang führungslos und ohne Gesicht nach außen. Auch die Geschäfte liefen unrund. Gerüchte über eine mögliche Staatsbeteiligung bei einer Kapitalerhöhung und Stellenabbau verunsicherten die Anleger.
Die Bestellung des deutschen Technologieexperten und erfahrenen Top-Managers Michael Mertin zum neuen Vorstandschef Ende Februar erwies sich als Glücksgriff. Der besonnene Ex-CEO von Jenoptik übernahm im Mai das Ruder und steuerte den Dampfer in ruhigere Fahrwasser zurück.
„2025 haben wir zum einen unsere Finanzlage spürbar stabilisiert und zum anderen dank unserer Effizienzprogramme und konsequenter Kostenoptimierung unsere operative Performance deutlich gesteigert“, kommentiert Mertin gegenüber dem KURIER das abgelaufene Jahr. Für das laufende Geschäftsjahr 2025/26 (per Ende März 2026) erwartet er ein positives EBIT und einen positiven CashFlow. „Das Unternehmen befindet sich somit auf dem Weg des profitablen Wachstums.“
Daniel Lion, Analyst bei der Erste Group, sieht das ähnlich und streut Mertin Rosen: „Das neue Management hat bei Antritt im Mai eine Kapitalerhöhung zur Bilanzstärkung ausgeschlossen und einen starken Fokus auf Ergebnis- und Cash-Flow-Verbesserung auch durch Investitionsoptimierung gelegt.“ Am 1. Februar zieht mit Gerrit Steen ein neuer Finanzchef in den AT&S-Vorstand ein.
Zur Hälfte des Geschäftsjahres war der Konzern gut unterwegs. Der Umsatz stieg um knapp 6 Prozent auf 846 Mio. Euro, das operative Ergebnis (EBITDA) legte um 11 Prozent auf 174,7 Mio. Euro zu. Die Nachfrage läuft derzeit sowohl nach Leiterplatten als auch nach IC-Substraten gut. IC-Substrate sind Verbindungselemente zwischen Leiterplatte und Mikrochip, die etwa in Server für KI-Rechenzentren benötigt werden und auch am Stammsitz in Leoben hergestellt werden. Weitere Einsatzgebiete sind moderne Smartphones, Fahrassistenzsysteme in Autos, industrielle Steuerungssysteme oder hochminiaturisierte medizinische Diagnosegeräte.
Substratwerk von AT&S in Leoben
Verhalf die KI-Blase zum Höhenflug?
Stellt sich die Frage, wie sehr die Kursrallye vom aktuellen Hype um die künstliche Intelligenz (KI) angeheizt wird? „AT&S ist ein wichtiger Player in diesem Markt, da unsere High-End-Substrate die Grundlage für leistungsstarke AI-Prozessoren bilden“, bestätigt Mertin einen gewissen Einfluss.
Er glaubt aber nicht, dass sich bereits eine KI-Blase gebildet hat. „Es stehen hier nicht nur hypothetische Geschäftsmodelle dahinter, sondern es gibt erste reale Ergebnisse“, verwies er zuletzt etwa auf die jüngsten Entwicklungen bei Amazon. Die steigende Nachfrage nach IC-Substraten und Leiterplatten werde man jedenfalls verstärkt in den kommenden zwei Jahren im Umsatz und Ergebnis sehen, so Mertin.
Aktuelle Empfehlungen
Erste-Analyst Lion hält die aktuelle Bewertung durch die gute Nachfrage nach IC- Substraten für gerechtfertigt. Die Erste Group empfiehlt die Aktie weiter zum Kauf und setzte ein Kursziel von 40 Euro. „Wir erwarten Wachstum aufgrund von steigender Nachfrage nach IC-Substraten für Server und Computerprodukten, auch stark KI bezogen“, ergänzt Lion. Auch bei komplexeren Leiterplatten sowie im Modulbereich gibt es eine gute Nachfrage.
Andere Analysten sehen einen gewissen Plafonds erreicht und empfehlen einen Verkauf. Das durchschnittliche AT&S-Kursziel liegt bei etwa 25 Euro, also niedriger als der aktuelle. Die Deutsche Bank Research hob im November ihr Kursziel deutlich von 18 auf 30 Euro an und bestätigte die Empfehlung „Halten“.
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