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Wirtschaft
03/17/2020

Arbeitsmarkt: Viele offene Fragen bei Chefs und Mitarbeitern

Selbst die Frage, wer arbeiten darf, ist oft nicht geklärt. Unter anderem auf Baustellen.

von Simone Hoepke

Die neuen Regeln am Arbeitsmarkt sorgen in der Praxis für Chaos. „Keiner kennt sich aus“, sagt etwa Gerhard Wögrath von der niederösterreichischen Spengler-Firma Wögrath+Pfeifer.

Auf Baustellen sei oft selbst die Frage offen, ob überhaupt gearbeitet werden darf, weiß Wögrath aus eigener Erfahrung. In einer Mitteilung der WKO heißt es dazu unter anderem, dass Bauarbeiten auf Baustellen nur zulässig sind, wenn sichergestellt werden kann, dass permanent ein Abstand von mindestens einem Meter gehalten werden kann – auch in den Pausen und bei den Transporten. Werden diese Punkte nicht eingehalten, seien nur „Notfallarbeiten“ erlaubt. Bleibt die Frage, wie diese definiert werden.

Großbaustelle

In der Früh habe seine Firma beispielsweise von einer Großbaustelle die Info bekommen, dass die Arbeiten vorerst gestoppt werden müssen, erzählt Wögrath. Am Nachmittag kam dann der nächste Anruf der Großbaustelle. Die Arbeiten werden doch nicht gestoppt. „Doch zu diesem Zeitpunkt hatte ich keine Mitarbeiter zur Verfügung, weil sie bereits woanders eingesetzt waren.“

Das größte Problem aus Arbeitgebersicht: „Niemand weiß, wie lange die Situation andauern wird“, sagt Michaela Reitterer, Hotelinhaberin in Wien und Präsidentin der ÖHV. Ihr Hotel hat nun zugesperrt, alle 35 Mitarbeiter sind beim AMS gemeldet, 12 davon zur Kündigung. „Schrecklich“, sagt Reitterer. Klar sei derzeit nur, dass der Tourismus nicht von einem auf den anderen Tag wieder anspringen wird.

Katharina Z. hat bis vor wenigen Tagen in einem Hotel in einem Skigebiet gearbeitet. „Das Haus war bis zum Schluss voll besetzt. „Die Aufregung am Berg hat sich aber in Grenzen gehalten“, sagt die Tourismusmitarbeiterin, die nun einen Monat früher als geplant arbeitslos gemeldet ist. Eine Wiedereinstellungszusage für die nächste Saison hatte sie bereits, ob diese noch was wert ist, ist aber fraglich. „Einfach ist das nicht, wenn man 2.000 Euro verdient hat und plötzlich mit 1.200 Euro auskommen muss.“

Seit sie aus ihrer Dienstwohnung ausgezogen ist, wohnt sie übrigens bei einem Kollegen. Eine Vorsichtsmaßnahme, denn in ihrer Familie lebt jemand mit Lungenproblemen.