CORONAVIRUS INFOKAMPAGNE UND MEDIZINISCHER BEIRAT: ANSCHOBER / NEHAMMER

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Politik Inland
03/17/2020

Tag 2 im Notbetrieb - "Ausgangsbeschränkungen wirken"

95 Prozent weniger in den Schulen, Öffis werden um 70 Prozent weniger genutzt. 1.332 Infizierte

von Johanna Hager

Dienstag. Tag 2 an dem Österreich auf "Notbetrieb" gestellt ist.

Die Österreicher sind angehalten, das Haus nur für die Arbeit, Lebensmitteleinkäufe und Spaziergänge zu verlassen.

"Wir befinden uns in der schwersten Gesundheitskrise seit Jahrzehnten in Europa", sagt Gesundheitsminister Rudolf Anschober.

In Italien gibt es eine "alarmierende Entwicklung" und mehr noch: "Europa ist das Epizentrum".

In Spanien als auch in Österreich seien erschreckend steigende Zahlen zu vermelden.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober wie auch zuvor Bundeskanzler Sebastian Kurz danken den Österreichern für ihre Disziplin.Um "Danke" zu sagen, wird ab 18 Uhr heute applaudiert.

1.332 Infektionen am Dienstag Nachmittag

"In 8 bis 10 Tagen sollte man Effekte in der Statistik wahrnehmen", sagt Anschober. Wie lange der Notbetrieb dauern wird, das entscheidet jeder einzelne.

1.332 Infektionen sind es mit Stand Dienstag 15 Uhr. Am Montag waren es 1.132 um diese Uhrzeit. Es gibt Tage, an denen die Infektionsraten zurückgehen, andere, an denen die Rate bei Plus 30 Prozent liegt.

In Österreich seien jedenfalls weniger ältere Menschen infiziert als in Italien, wo besonders viele Menschen sterben. Durchschnittsalter: 81 Jahre.

"Wir schützen uns. Und damit den anderen", mahnt Rudolf Anschober erneut, die Verhaltensregeln unabhängig des Alters einzuhalten.

900 Tests

In Österreich wurden bis dato 900 Tests absolviert, so der Minister. Es werde immer mehr getestet und gehe darum, den "Eisberg zu untersuchen".

Also das, was unter der Spitze des Eisbergs unter Wasser ist. Schwierig sei, dass man bei Grippe ähnliche Symptome aufweise wie bei Corona. Spezifikum bei Corona: Die Atemnot, die bei Grippe nicht gegeben ist.

Verstärkt untersucht wird medizinisches Personal.

Rudolf Anschober betont, dass der Schutz des medizinischen Personals höchste Priorität hat, um die Versorgung zu gewährleisten.

Anschobers Rat an Patienten

Erstkommunikation über Telefon, um die Frequenz in den Arztpraxen reduzieren. Kontrolluntersuchungen, sofern möglich, sollten verschoben werden auf einen späteren Zeitpunkt. Das gilt für Allgemeinmediziner wie auch Zahnärzte.

In den Spitälern werden und sollen nur die dringend notwendigen Fälle derzeit behandelt und operiert werden. Warum das so wichtig ist?

Weil "wir in zwei, drei Wochen ein Vielfaches an Patienten haben werden, die die medizinische Versorgung brauchen", so Anschober.

Ausgangsbeschränkungen wirken

Innenminister Karl Nehammer erklärt, dass die Ausgangsbeschränkungen wirken.

Es sind 95 Prozent weniger Schüler in den Schulen. Die öffentlichen Verkehrsmittel werden um 75 Prozent weniger benutzt zurückgegangen.

1200 Polizeischüler, die in den 3. und 4. Semestern sind, werden als strategische Reserve hinzugezogen.

Polizisten arbeiten mittlerweile auch an Hotlines, um "Angst zu nehmen und Klarheit zu verschaffen", so Nehammer.

Humanitärer Korridor in Nickelsdorf

An der Grenze Österreich - Ungarn sei eine "Verschärfung" eingetreten.

Grund: Rumänische Staatsbürger dürfen nicht mehr einreisen. Vor dem Grenzübergang Nickelsdorf hat sich ein 30km langer Stau gebildet. Es werde ein humanitärer Korridor eingerichtet, um den kilometerlangen Stau ehest bald und möglich aufzulösen.

Dieser humanitäre Korridor soll abends geöffnet werden. "Dort muss Klarheit geschaffen werden", sagt Nehammer, der über Sitzblockaden von LKW-Fahrern erzählt.

Anschober erläutert, dass die meisten Pflegekräfte aus Rumänien und Bulgarien in Österreich verblieben seien. "Die Unsicherheit ist da", doch es gebe permanente Gespräche mit Außenminister Alexander Schallenberg und Europaministerin Karoline Edtstadler für den Fall, dass es zu Schwierigkeiten kommen sollte.

Man sei in "intensivem Dialog" mit allen Amtskollegen, schließt Nehammer an. Und spricht damit die Pendler an, die täglich die Grenze von Österreich zu Slowenien oder Ungarn übertreten müssen.

Stau an den Grenzübergängen

An den Grenzübergängen zu Deutschland kommt es ebenfalls zu Verkehrsbehinderungen.

"Die Nachbarstaatlichkeit ist jetzt ein Gebot der Stunde", so Nehammer.

Wesentlich sei, dass der Güterverkehr aufrecht bleibt. "Die Versorgungssicherheit ist gewährleistet." Regale, die heute leer sind, können morgen wieder gefüllt sein, weil mittlerweile Soldaten und Freiwillige bei der Lagerarbeit in den Supermärkten helfen.

Angesprochen auf weitere Maßnahmen sagt Anschober: "Wir sind derzeit in Europa die Nummer eins, was die Prävention betrifft. Wir werden zeitgerecht evaluieren und dies mitteilen."

Infektionsrate in Ischgl: "Kann Fehler nicht ausschließen"

Angesprochen auf die Infektionsraten in Ischgl und insbesondere in Tirol, sagt der Gesundheitsminister: "Ich kann nicht ausschließen, dass Fehler passieren" und "konzentrieren wir uns jetzt auf die Bewältigung der Krise. Und dann schauen wir uns an, wo sind die Fehler passiert. Dann braucht es volle Transparenz und Konsequenz."

Alle würden am System und dessen Verbesserung laufend und gemeinsam arbeiten.

Gegen die Ausgangsbeschränkungen verstoßen nur wenige.

"Es gibt nur 10 Abmahnungen", sagt Nehammer.

Anschober erzählt von einem frühmorgendlichen Spaziergang mit seinem Hund und einer Gruppe von jungen Läufern, die keinen Abstand zueinander hatten. "Oh shit", habe einer der Läufer gesagt, nachdem die Exekutive auf den fehlenden Abstand aufmerksam gemacht habe.