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Wirtschaft
07/22/2021

ABB-Chef trimmt Elektrokonzern im Eiltempo auf Rendite

Unternehmen hat Gewinn im zweiten Quartal mehr als verdoppelt - 15-Prozent-Margenziel schon früher erreicht

 

In nur gut einem Jahr hat Konzernchef Björn Rosengren den Elektrokonzern ABB in Top-Form gebracht. Mitten in der Pandemie schaffte das Schweizer Unternehmen mit 15 Prozent die höchste operative Rendite seit 2008. "Es ist klar, dass wir dem Zeitplan voraus sind", sagte er mit Blick darauf, dass diese Marke eigentlich erst für 2023 angepeilt war.

Gleichzeitig goss der Schwede Wasser in den Wein. In den nächsten ein oder zwei Quartalen werde der Konzern wie viele andere Industrie-Unternehmen mit Gegenwind in Form von hohen Rohstoffpreisen und dem Halbleitermangel kämpfen. "Es würde mich sehr überraschen, wenn wir das Ziel auch im Gesamtjahr erreichen würden."

Viele Aufträge im zweiten Quartal 

Im zweiten Quartal 2021 kletterten die Auftragseingänge des Siemens-Rivalen um fast ein Viertel auf 7,99 Mrd. Dollar (6,8 Mrd. Euro). Hätte es bei den Zulieferern nicht Engpässe gegeben, wäre Rosengren zufolge noch mehr möglich gewesen. Vor allem Kunden aus den Branchen Maschinenbau, Verbraucherelektronik und Nahrungsmittel griffen bei den ABB-Produkten zu.

"Wir sehen eine gute Erholung in mehr oder weniger allen Segmenten, in denen wir tätig sind", sagte Rosengren mit Blick auf den Covid-Einbruch vor einem Jahr. "Es ist gut zu sehen, dass die Welt wieder auf ein ähnliches Niveau wie vor der Pandemie zurückkehrt, vielleicht sogar noch ein bisschen höher."

"Beeindruckender" Konzerngewinn  

Der Konzerngewinn schnellte um 136 Prozent auf 752 Mio. Dollar hoch und übertraf damit die Analystenerwartungen. "Die Leistung im zweiten Quartal war beeindruckend", erklärte Mark Diethelm von der Bank Vontobel.

An der Börse legten ABB-Aktien um zwei Prozent zu. Seit seinem Amtsantritt hat sich der Börsenwert von ABB vor allem dank Vorschusslorbeeren für Rosengren in etwa verdoppelt.

Umsatzprognose: Steigerung von rund 10%

Während seine Vorgänger wie Ulrich Spiesshofer mit überzogenen Ankündigungen jahrelang enttäuschten, stapelte Rosengren tief und konnte nun positiv überraschen. ABB hob die Prognose für das Gesamtjahr erneut an und erwartet nun ein um Wechselkurseinflüsse sowie Käufe und Verkäufe von Geschäftsbereichen bereinigtes Umsatzplus von knapp unter zehn Prozent.

Bisher hatte das Management einen Anstieg um mindestens fünf Prozent in Aussicht gestellt. Die operative Marge dürfte stark zulegen.

Konzern profitierte von Sonderfaktoren

Im Quartal kletterte die Marge auf 15,0 (Vorjahreszeitraum 10,6) Prozent. Rosengren machte keinen Hehl daraus, dass der Konzern dabei auch von Sonderfaktoren profitierte. So halfen nicht nur die konjunkturelle Erholung und Preissteigerungen, sondern auch die niedrigen Reisekosten. "Wir haben gezeigt, dass es möglich ist", sagte er mit Blick auf die 15 Prozent. Damit zeigten seine Maßnahmen Wirkung.

Effizienzsteigerungen verzeichnet 

So hatte er den einzelnen Geschäften auf Kosten der Konzernzentrale mehr Eigenverantwortung übertragen. Gleichzeitig machte der CEO seinen Managern klar, dass sie auch kurzfristig an den Margen gemessen würden, wie ein Insider sagte. Entsprechend setzten sie auf Effizienzsteigerungen und drehten an der Kostenschraube.

Teil seines Umbaus ist der Verkauf von Unternehmensteilen, der Milliarden in die Kasse spülen soll. Rosengren hofft, in den kommenden Wochen mit einem Käufer für das Kupplungs- und Getriebe-Geschäft Dodge handelseinig zu werden. 2022 könnten dann die Ladetechnik für Elektroautos sowie das Turbolader-Geschäft an die Börse kommen.

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