Verlassener Aqua-Park: Was mit den zurückgelassenen Delfinen passiert
von Lea Pitzalis
Acht Delfine aus dem geschlossenen Marineland Antibes in Frankreich sind in der Nacht vom 22. auf den 23. Juli 2026 nach Málaga in Spanien gebracht worden. Die Tiere wurden in Transportboxen verladen, mit Lastwagen zum Flughafen Nizza transportiert und anschließend mit einem Frachtflugzeug nach Málaga geflogen. Mittlerweile sind sie im Zoo Selwo Marina angekommen. Vor Ort protestierten mehrere Tierschutzorganisationen gegen den Transport und dokumentierten ihn mit Videos.
Warum das Marineland schließen musste
Das Marineland Antibes hatte im Jänner 2025 geschlossen. Ausschlaggebend waren wirtschaftliche Probleme sowie ein französisches Tierschutzgesetz, das bereits 2021 beschlossen wurde und am 30. November 2026 in Kraft tritt. Das Gesetz verbietet Shows mit Delfinen und Walen (Cetaceen). Haltung und Zucht sollen künftig nur noch erlaubt sein, wenn das französische Umweltministerium die Einrichtung als wissenschaftliches Forschungsprogramm anerkennt.
Unter welchen Voraussetzungen eine Anlage als Forschungseinrichtung gilt, ist jedoch nicht genau definiert. Tierschutzorganisationen kritisieren diese Ausnahmeregel deshalb als mögliche Gesetzeslücke. Sie befürchten, dass Meeressäuger unter dem Deckmantel der Forschung weiterhin gezüchtet und gehalten werden könnten. Zudem gilt das Gesetz ausschließlich in Frankreich.
Bilder aus dem verlassenen Park gingen viral
Seit der Schließung lebten zwölf Delfine und zwei Orcas weiterhin im inzwischen für Besucher geschlossenen Marineland Antibes. Bilder der Tiere verbreiteten sich in den sozialen Medien und sorgten international für Kritik.
Viele Nutzer machten sich Sorgen um die Tiere, bemängelten den Zustand der Becken und forderten, die Meeressäuger in sogenannte Sanctuaries – geschützte Auffangstationen – zu bringen. Medien berichteten allerdings, dass die Tiere während dieser Zeit weiterhin von Pflegepersonal versorgt und gefüttert wurden.
Auch das neue Zuhause ist umstritten
Die acht Delfine befinden sich nun im Zoo Selwo Marina in Málaga. Doch auch diese Einrichtung steht in der Kritik. Nach Angaben spanischer Medien exportierte der Zoo im September 2025 neun Delfine nach China. Die spanische CITES-Behörde bestätigte den Export. CITES – das Washingtoner Artenschutzübereinkommen – regelt den internationalen Handel mit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten. Ein öffentliches Statement des Zoos zu diesem Export gibt es bislang nicht.
Was mit den übrigen Delfinen passiert
Vier weitere Delfine sollen künftig in das Oceanogràfic in Valencia gebracht werden. Auch dieses Aquarium wird von Tierschutzorganisationen kritisiert. Sie bemängeln unter anderem die Haltungsbedingungen sowie die dort stattfindenden Delfinshows. Wann der Transport stattfinden soll, ist derzeit nicht bekannt.
Die Zukunft der Orcas bleibt besonders umstritten
Im Marineland Antibes leben außerdem noch die beiden Orcas Wikie und ihr Sohn Keijo. Sie sollen künftig in den Loro Parque auf Teneriffa gebracht werden. Gerade dieser Park sorgt seit Jahren für Diskussionen. Die spanische CITES-Behörde hatte die Becken ursprünglich als zu klein eingestuft, später erklärte sich der Park dennoch bereit, die Tiere aufzunehmen.
Der Loro Parque steht außerdem wegen mehrerer Vorfälle in der Kritik. 2009 wurde dort ein Trainer von einem Orca getötet. Seit 2021 starben vier Orcas in der Anlage. Tierschutzorganisationen fordern deshalb seit Jahren die Schließung des Parks. Der Loro Parque weist sämtliche Vorwürfe zurück. Der Transfer von Wikie und Keijo ist bislang nicht erfolgt. Die Verhandlungen dauern an.
Langfristig sollen die Delfine nach Frankreich zurückkehren
Nach Angaben des französischen Umweltministeriums sollen die zwölf Delfine nur vorübergehend in den spanischen Zoos bleiben. Langfristig ist geplant, sie in einer neuen Anlage im Zoo de Beauval in Frankreich unterzubringen. Dort soll ein wissenschaftlich geführtes Delfinarium entstehen. Das Projekt soll 2027 fertiggestellt werden und Platz für bis zu 30 Delfine bieten. Auch diese Pläne stoßen auf Kritik. Tierschutzorganisationen weisen darauf hin, dass es sich weiterhin um einen Zoo und nicht um ein Sanctuary handelt.
Warum Sanctuaries für viele Tierschützer die bessere Lösung wären
Der Unterschied spielt in der Debatte eine zentrale Rolle. Ein Sanctuary dient ausschließlich der dauerhaften Versorgung von Meeressäugern. Die Tiere werden dort weder gezüchtet noch für Shows oder andere kommerzielle Zwecke eingesetzt. In Zoos und Delfinarien sind solche Praktiken – abhängig von der jeweiligen Gesetzgebung – weiterhin möglich.
Mehrere Organisationen, darunter Sea Shepherd France und One Voice, kritisieren deshalb, dass Frankreich seit der Verabschiedung des Tierschutzgesetzes im Jahr 2021 kein Sanctuary für die Tiere geschaffen habe. Weder das ursprünglich geplante Schutzgebiet in Nova Scotia noch andere Projekte seien rechtzeitig umgesetzt worden. Stattdessen seien die Tiere nun nach Spanien gebracht worden – ausgerechnet in jenes europäische Land mit den meisten Delfinarien.
Während für die Delfine zumindest eine spätere Rückkehr nach Frankreich angekündigt wurde, gibt es für die Orcas Wikie und Keijo bislang keinen vergleichbaren Plan. Die Tierschutzorganisationen befürchten außerdem, dass die Tiere in Spanien weiterhin für Zuchtprogramme und Shows genutzt werden könnten. Aus ihrer Sicht wurde das Problem damit nicht gelöst, sondern lediglich verlagert.
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