Auch Österreicher auf "Tinder für Nazis": Wenn Hass die Liebe sucht
WhiteDate: Die rechtsextreme Dating‑Plattform wurde gehackt und von Österreicherin wurden Nutzerdaten geleakt. Eine Undercover-Reporterin berichtet. (Symbolbild)
Seit 2017 bestand die rechtsextreme Dating-Plattform "WhiteDate", ehe sie Ende Dezember 2025 beim 39th Chaos Communication Congress in Hamburg von einer Hackerin mit dem Pseudonym Martha Root live auf der Bühne gelöscht wurde.
Mehrere Medien hatten undercover recherchiert und Einblicke in die Partnerbörse gegeben, die der Erhaltung der "arischen Rasse" und der Verbreitung ideologischer Vorstellungen dienen sollte.
Was ist "WhiteDate"?
Die Online-Plattform "WhiteDate", häufig als "Tinder für Nazis" betitelt, wurde 2017 von einer Deutschen unter dem Pseudonym Liv Heide gegründet und richtete sich gezielt an Menschen mit rassistischer und rechtsextremer Weltanschauung, die nach Gleichgesinnten suchten.
Reporterin ermittelte verdeckt auf "Tinder für Nazis"
"Deutsche Menschen, deutsche Kinder", fordert einer der Nutzer laut einer aktuellen Recherche des Senders RTL. Eine "Rassenmischung geht gar nicht", erklärte der 42-Jährige gegenüber Investigativ-Reporterin Angelique Geray, die sich als Lockvogel bei dem Dating-Portal angemeldet und über Monate hinweg verdeckt recherchiert hatte. Geray hat sich mit dem "WhiteDate"-User in einem Café verabredet und berichtet: "Als er dann angefangen hat, den Holocaust zu leugnen, war ich fassungslos."
Die rechtsextreme Kontaktbörse zählte weltweit fast 8.000 Userinnen und User – der Großteil aus den USA und Deutschland – deren persönliche Nutzerdaten bei einem umfangreichen Leak im Oktober 2025 offengelegt wurden. Darunter befanden sich auch einige Personen aus Österreich. 88 Prozent aller User waren männlich.
Datenleck enthüllte: Auch Österreicher auf "WhiteDate" aktiv
Die Zahlen überraschen kaum: Österreich verzeichnete vergangenes Jahr einen deutlichen Anstieg an Rechtsextremität (KURIER berichtete). Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Anzahl der rechtsextremen Straftaten um mehr als 40 Prozent. "Der Rechtsextremismus ist quantitativ die größte Bedrohung der Demokratie in Österreich", betont Andreas Kranebitter, Leiter des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes (DÖW).
Frauenfeindliche Äußerungen
Die männlichen Nutzer suchten unter anderem Frauen, die an eine "klare Rollenverteilung glauben und sich daran orientieren. Mit dem Mann als Oberhaupt in der Familie", wie aus einer Recherche von zwei stern-TV-Reporterinnen hervorging. Die Teilnehmer von "WhiteDate" hatten klare – oft frauenfeindliche – Vorstellungen. Ein Nutzer schrieb:
"Eine Frau, deren größter Wunsch es ist, eine Familie zu begründen, die die deutschen Traditionen pflegen, erhalten und selbst leben möchte. Die sich von mir versklaven und unterdrücken lassen möchte."
Behörden verfolgten falsche Person
Christian Fuchs, Journalist und Investigativ-Reporter bei Die Zeit, erläutert im Gespräch mit Angelique Geray, warum der Verfassungsschutz nicht früher eingegriffen hat: "Sie haben zwei Jahre lang die falsche Person gejagt, nämlich eine vollkommen unbeteiligte Frau, die zufällig den gleichen Namen trug wie das Pseudonym."
In einem Statement, das RTL vorliegt, teilt das Bundesamt für Verfassungsschutz mit: "Die behördeninterne Überprüfung des Sachverhalts ist gegenwärtig noch nicht abgeschlossen."
Die rechtsextreme Dating-Plattform "WhiteDate" ist inzwischen offline und nicht mehr aufrufbar.
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