Style
30.08.2018

Immer mehr chinesische Männer geben im Internet Schminktipps

Concealer, Lidschatten und Puder finden sich in den Badezimmern von Pekings Männern. Dafür bekommen sie auch Hassbotschaften.

Es begann mit ein wenig Concealer. In seinem ersten Uni-Jahr probierte Jiang Cheng Abdeckcremes aus, die Hautunreinheiten verschwinden lassen. Was er im Spiegel sah, gefiel Jiang, es machte ihn selbstbewusster. Von da an war er vom Schminken fasziniert. Heute ist der 24-Jährige einer von vielen chinesischen Männern, die im Internet Tipps fürs Make-up geben und Kosmetikkonzernen neue Kunden bringen.

"Männer haben eine ganz eigene Art, Kosmetika zu benutzen", sagt Jiang lächelnd, während er mit sanften Bewegungen die Grundierung auf die Wangen aufbringt. "Würde eine Frau meine Schminke benutzen, würde sie bestimmt nicht den Effekt erreichen, um den es mir geht."

Nur nur für Frauen

Jedes Wochenende verbringt Jiang mehrere Stunden in seinem improvisierten Kosmetikstudio in Peking und filmt sich mit seinem iPhone dabei, wie er die neusten Cremes und Puder aufträgt. Hunderte Zuschauer schauen ihm live zu und können online die Produkte bestellen, die er testet. "Diese Farbe ist nicht so grell, so dass Männer sie auch ohne Probleme in einem konservativen Umfeld tragen können", erklärt er seinen Fans.

Kosmetikfirmen zahlen den erfolgreichsten unter den Beauty-Bloggern viel Geld, damit sie ihre Produkte vorstellen. Auch Jiang verdient gut mit seinen Schmink-Videos, etwa 5.000 Yuan (630 Euro) pro Monat.

Die meisten Stars der Szene sind aber immer noch weiblich. Doch allmählich ändern sich in China Geschlechternormen und Schminke ist nicht mehr länger ausschließlich etwas für Frauen. Promis machen vor, dass Rouge und Kajal auch Männern gut zu Gesicht stehen.

In vielen anderen Ländern geben Männer ebenfalls im Internet Schminktipps. Doch in China ist der Trend zum Männer-Make-up besonders stark. Das Marktforschungsinstitut Euromonitor rechnet weltweit in den nächsten fünf Jahren mit einem Wachstum von elf Prozent für den Markt für Männer-Kosmetik, in China wird der Zuwachs auf 15,2 Prozent geschätzt.

Auch der französische Kosmetikkonzern L'Oreal verspricht sich ein gutes Geschäft mit den chinesischen Männern. Im September bringt er seine Männerlinie House99 in China auf den Markt. Beworben wird sie mit dem Fußballstar David Beckham.

"Das wird die Norm werden"

Andere ausländische Firmen wie La Mer and Aesop arbeiten mit chinesischen Beauty-Bloggern zusammen. Lan Haoyi, bekannt als Lan Pu Lan, ist einer von ihnen. Der 27-Jährige hat 1,4 Millionen Follower. "Wir sehen immer mehr Männer in den Medien, die Make-up tragen. Das wird die Norm werden", sagt Lan. Trendsetter seien die jungen, gut aussehenden Chinesen in den weltoffenen Großstädten. Doch längst nicht allen im Land gefällt diese Mode. Er bekomme immer noch Hassbotschaften für Auftritte mit rotem Lidschatten, sagt Lan. "Waschlappen" sei nur eines der Schimpfwörter, die er zu hören bekomme.

Video-Blogger Jiang hat Angst, dass selbst seine Eltern sich über ihn lustig machen könnten, deshalb verzichtet er ihnen gegenüber lieber auf Make-up. "Sie können nicht akzeptieren, dass ein Mann sich jeden Tag schminkt", sagt er.

Mo Fei ist überzeugt, dass sich diese Einstellung ändern wird. Mo gründete 2005 Chetti Rouge, ein Unternehmen, das ausschließlich Kosmetika für Männer anbietet. "Wir haben früh das Potenzial des Markes erkannt", sagt er. Chetti Rouge verkauft seine Lippenstifte und Lidschatten ausschließlich übers Internet. Die Produkte im Kaufhaus zu kaufen sei einigen Männern noch zu peinlich.