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Style
08/30/2019

Dieses französische Sneakerlabel mag auch der Regenwald

Kann man mit fairer Mode erfolgreich sein? Die Sneakermarke Veja zeigt, dass es geht und zählt auch Herzogin Meghan zu ihren Fans.

Zur Premiere kam es bereits am 21. Oktober 2018. An diesem Tag trug mit Meghan Markle, der Herzogin von Sussex, erstmals ein Mitglied der Royal Family bei einem offiziellen Event Sneakers. Und die Turnschuhe, welche die Frau von Prinz Harry für ihren Auftritt bei den Invictus-Games in Sydney ausgewählt hatte, waren auch nicht von einem britischen oder australischen Designer. Was ja eine naheliegende Vermutung gewesen wäre. Nein, sie wählte ein Modell des französischen Labels Veja.

Veja-Sneakers sind ein Fairtrade-Produkt und fristeten ihr Dasein vor einigen Jahren eher im Weltladen als im trendigen Sneakers-Store. Doch die Zeiten haben sich geändert. Mit der weltweiten Umweltbewegung und dem damit verbundenen Nachhaltigkeitsgedanken traf das bereits im Jahr 2005 gegründete Label den Nerv einer ganzen Generation. Anstatt in minimalistischen Nischenshops findet man die Schuhe heute an den Füßen von Promis wie Katie Holmes, Emily Ratajkowski oder eben Meghan Markle.

Von Bankiers zu Designern

Als komplette Quereinsteiger gründen die Pariser Sébastien Kopp und Gishlain Morillion die Modemarke Veja. Die beiden jungen Männer sind Idealisten: Mit 23 Jahren steht ihnen eine Karriere bei Morgan Stanley und der Weltbank in New York offen.

Kopp und Morillion können sich aber nicht mit den Geschäftspraktiken der Finanzbranche identifizieren. Sie wollen beweisen, dass sich Geschäfte auch anders machen lassen und begeben sich auf Weltreise.

In China besichtigen die beiden bekennenden Sneakers-Liebhaber eine Produktionsstätte für Schuhe und sind von den Lebensbedingungen der Arbeiter schockiert: Stockbetten dienen als Schlafplatz und ein Loch im Boden ist Dusche und Toilette in einem. Nach diesem Erlebnis wollen sie Konsumenten bessere Möglichkeiten bieten, sich fair zu kleiden.

Die beiden jungen Männer sehen sich den Produktionszyklus eines herkömmlichen Sneakers näher an und beginnen ihn, angefangen bei den Rohmaterialen, Schritt für Schritt zu verändern. Im Jahr 2004 reisen sie mit nur 5.000 Euro Startkapital nach Brasilien und finden dort einige kleine Anbieter für Bio-Baumwolle und Naturkautschuk, deren Ernte sie aufkaufen.

Die verrückten Franzosen

"Die Brasilianer nannten uns am Anfang 'os franceses locos', 'die verrückten Franzosen', weil wir mehrere Wochen bei den Bauern blieben. Wir wollten genau verstehen, wie die Menschen arbeiten, um den Preis zu errechnen, den sie für ihre Produkte bekommen müssen", sagte Kopp im Jahr 2014 in einem Interview mit der Zeit.

Denn nicht nur die nachhaltige Produktion, sondern auch die faire Bezahlung der Produzenten ist den Veja-Gründern wichtig. Das Label bezahlt den Baumwollbauern etwa das Dreifache des Weltmarktpreises. Im Grenzgebiet zwischen Brasilien und Peru sichert der Kautschuk-Annbau für die Schuhsohlen laut den Angaben von Kopp 60 Familien ein Einkommen. So könnten diese vom Regenwald leben, statt ihn abzuholzen oder Drogen zu schmuggeln. Veja ist portugisisch und bedeutet: Schau hin!

Erster komplett veganer Sneaker

Im diesjährigen September will Veja den ersten komplett veganen Sneaker der Unternehmensgeschichte auf den Markt bringen. Der Schuh wird aus einer Mischung aus Baumwolle und Kukuruz-Abfall hergestellt. Sébastien Kopp verriet bereits im Jänner 2018 im Interview mit dem Magazin Peppermynta, dass er in Zukunft versuchen möchte, tierisches Leder weitgehend aus der Produktion zu verbannen.

"Der größte Feind des Urwaldes ist ganz eindeutig das Fleisch. Aus diesem Grund kaufen wir beispielsweise ganz bewusst kein Leder, das aus dieser Region stammt, sondern verwenden ausschließlich Leder von Nutztieren aus ökologischer Haltung", erzählte er damals. Um den Erhalt des Amazonas zu unterstützen, würden außerdem regelmäßig Baumpflanzungsprojekte in Brasilien initiiert.

Trotzdem muss der mode- und umweltbewusste Käufer am Ende nicht mit einer gähnenden Leere in seinem Geldbeutel rechnen. Denn der Verkaufspreis der Schuhe liegt in etwa zwischen 80 und 125 Euro. Bei Sondermodellen können es auch einmal 170 Euro sein.

Um trotzdem gewinnbringend wirtschaften zu können, verzichtet das Label bis heute auf klassische Werbung. Stattdessen setzen sie auf Instagram, was dem momentanen Zeitgeist wahrscheinlich viel eher entspricht als kostspielige Werbekampagnen.

Zeitlosigkeit als Anspruch

Kritische Kunden können auf der Homepage des Labels die Produktionswege und-bedingungen für die einzelnen Modelle nachvollziehen. Derzeit sind das fünf Grundmodelle, aus den sich 120 Styles ergeben. Dabei orientieren sich Kopp und Morillion nicht an Trends. Ihre Turnschuhe sind unkompliziert und kommen ohne Schnickschnack aus. Ein Anspruch der beiden ist nämlich auch die Langlebigkeit ihrer Produkte. "Wir wollen, dass unsere Schuhe den Kunden auch in zehn Jahren noch gefallen", erklärte Morillion einmal in einem Interview mit dem deutschen Wirtschaftsmagazin Texitilwirtschaft.

Schlecht kopiert

Kürzlich sorgte ausgerechnet die Billigmodekette Primark mit einer Kopie des Veja V-10-Sneakers für Negativschlagzeilen.

Sébastien Kopp äußerte sich öffentlich auf dem Instagram-Account des Sustainability Unternehmens Eco Age zu der Kopie: "Die erste Frage, die mir in den Sinn kommt, ist: 'Wo werden diese schönen gefälschten Schuhe hergestellt?' Ich denke, @Primark hat es falsch verstanden: Sie sollten nicht den Stil unserer Schuhe kopieren, sie sollten die Art und Weise kopieren, wie wir sie herstellen. Mit Bio-Baumwolle, mit recyceltem Kunststoff, mit umweltfreundlicheren Stoffen, in Fabriken, in denen die Arbeiter anständig bezahlt werden und unter sicheren Bedingungen arbeiten."

Veja-Sneakers sind derzeit bei 1200 Einzelhändlern weltweit und im Onlineshop erhältlich. In Österreich gibt es das Label bei sieben offiziellen Vertretern sowie in einigen kleineren Boutiquen.