Harvey Weinstein über Zeit im Gefängnis: Gewalt und Einsamkeit

Der ehemalige Filmproduzent gab "The Hollywood Reporter" sein erstes ausführliches Interview hinter Gittern.
Ein Mann mit grauem Haar und dunklem Anzug blickt ernst in die Kamera.

Harvey Weinstein, einst mächtiger Filmproduzent in Hollywood, sitzt derzeit als verurteilter Sexualstraftäter im berüchtigten Gefängnis Rikers Island in New York seine 16-jährige Freiheitsstrafe ab.

In einem Interview mit dem Magazin The Hollywood Reporter gab der 73-Jährige Einblicke in seine Haftbedingungen und äußerte sich zu seinem Leben hinter Gittern. Was dabei nicht nur zwischen den Zeilen deutlich wird: Weinstein sieht sich klar als Opfer der Umstände.

Weinstein verbringt 23 Stunden am Tag allein in seiner Zelle

Weinstein berichtete, dass er sich weitgehend aus der Gemeinschaft der Insassen zurückzieht und die meiste Zeit alleine in seiner Zelle verbringt. "Ich verbringe fast die gesamte Zeit in meiner Zelle. Manchmal fahre ich kurz im Rollstuhl raus, um etwas Luft zu schnappen – aber nur für eine halbe Stunde. Meistens bin ich 23 Stunden am Tag eingeschlossen", erklärte er im Interview. Den Kontakt beschränkt Weinstein auf seine Wärter, Anwälte und einige wenige Freunde.

Weinstein: "Ich blutete überall"

In der Gemeinschaft seiner Mithäftlinge fühle er sich "unter Belagerung", da die Mitinsassen ihn um Geld bitten und hoffen, dass sein prominentes Anwaltsteam auch ihre Fälle übernehmen könnte. 

Weinstein erinnerte sich mit Schrecken an einen Vorfall mit einem Mithäftling, bei dem er bei einem Streit um die Nutzung des Gefängnistelefons Gewalt erfuhr. Er musste dringend telefonieren und soll den Mann am Telefon freundlich gefragt haben, ob er mit dem Gespräch bereits fertig sei. "Er legte auf und schlug mich hart ins Gesicht. Ich fiel zu Boden, blutete überall. Ich war wirklich schlimm verletzt", schilderte er die Situation. Näher ging er auf das Erlebte allerdings nicht ein, auch nicht auf den Grund, wieso er so eilig telefonieren musste.

Die Lebensbedingungen auf Rikers Island beschreibt der ehemalige Hollywood-Mogul als "die Hölle". Vor allem die Angst, dort zu sterben, sei für ihn quälend und allgegenwärtig.

Neben den schwierigen Haftbedingungen belastet Weinstein auch der Verlust familiärer Bindungen. Im Interview gab er an, dass seine beiden jüngsten Kinder jeglichen Kontakt zu ihm verweigern.

Weinstein glaubt, keine Gesetze gebrochen zu haben

Bereits im Januar hatte Weinstein bei einer Anhörung vor Gericht seine Verzweiflung deutlich gemacht. Laut The Hollywood Reporter flehte er den Richter damals um "eine zweite Chance" an. Er erlebe seine Zeit im Gefängnis als "langsamen Marsch in den Tod", was "seelenerdrückend" sei. Mit den Worten "Sie hatten einen fairen Prozess" ließ sich der Richter jedoch nicht weichklopfen.

Im aktuellen Interview zeigte sich aber auch Weinstein selbst erneut uneinsichtig. Er gab zwar zu, in der Vergangenheit gegenüber Frauen aufdringlich gewesen zu sein, betonte jedoch auch, dass er seiner Einschätzung nach dabei keine Gesetze gebrochen habe. "Was ich falsch gemacht habe, war keine sexuelle Belästigung. Es war Untreue gegenüber meiner Frau." 

Gemeint ist damit seine Ex-Frau Georgina Chapman, die sich 2017 von ihm trennte und ebenfalls einen massiven Imageschaden erlitt. Weinstein verteidigt sie aber: "Sie wusste nichts von dem, was ich tat. Ich war ein Meister der Täuschung." Seine Angestellten habe er damit beauftragt, all seine Affären zu vertuschen.

Die juristischen Auseinandersetzungen für Harvey Weinstein sind noch nicht vorbei. Ab dem 14. April muss er erneut vor Gericht erscheinen. Dabei werden die Vorwürfe der Schauspielerin Jessica Mann, die bereits im Jahr 2020 zu seiner Verurteilung wegen Vergewaltigung führten, erneut verhandelt. Das ursprüngliche Urteil wurde 2024 aufgrund von Verfahrensfehlern rückgängig gemacht. 

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