Marius Borg Høiby: Wieso er während des Prozesses nackte Frauen zeichnet
Der Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit, Marius Borg Høiby, sorgt derzeit nicht nur durch die Schwere der Vorwürfe in einem der aufsehenerregendsten Prozesse des Landes für Schlagzeilen, sondern auch durch sein Verhalten im Gerichtssaal.
Der 29-Jährige, dem unter anderem Vergewaltigung, Missbrauch, Diebstahl und Verkehrsdelikte vorgeworfen werden, verbringt die Verhandlungstage damit, zu zeichnen. Laut seiner Verteidigung sei dies Teil seiner Strategie, die schwierigen Umstände zu bewältigen.
Zeichnungen als Bewältigungsmechanismus
Während sich aufgrund von Aussagen von Zeugen und mutmaßlichen Opfern die Schlinge um seinen Hals immer enger zieht, scheint Høiby in einer anderen Welt zu sein: Stets hält er einen Zeichenblock in der Hand, auf dem neue Motive entstehen.
Seine Anwältin Ellen Holager Andenæs erklärte gegenüber dem norwegischen Sender TV2, dass das Zeichnen und Malen für Høiby eine große emotionale und mentale Bedeutung hat. "Das ist seine Art, sich zu konzentrieren, und seine Art, diese Zeit zu überstehen", so Andenæs. Sie betonte, dass dieses Verhalten leicht missverstanden werden könnte. Es sei "keineswegs der Fall", dass Høiby am Geschehen rund um ihn uninteressiert sei, betont die Anwältin. In dieselbe Kerbe schlägt auch Peter Sekulic, ein weiterer seiner Anwälte: "[Marius Borg Høiby] möchte möglichen Behauptungen entgegenwirken, dass er dem Prozess nicht folgt."
Auch er wiederholt: "Wenn er zeichnet, kann er sich viel besser auf das konzentrieren, was um ihn herum gesagt wird."
Viele verschiedene Motive – unter anderem "FTP" und eine nackte Frau
TV2 veröffentlichte mit Erlaubnis des Angeklagten zwei seiner Zeichnungen. Eine davon zeigt einen kämpfenden Panther und eine Schlange, umgeben von Stacheldraht. Der Panther erinnert dabei an eine Tätowierung, die Høiby auf seiner Brust trägt.
Das, was auf der zweiten Zeichnung zu sehen ist, ist detailreicher, aber auch erschreckender: Ein brüllender Tigerkopf wird von verschiedenen Symbolen umrahmt, darunter ein Peace-Zeichen, Spinnennetze, ein Stacheldrahtzaun, Mandala-Objekte, Nägel und ein gebrochenes Herz. Auch Krabbeltierchen, schwarze Flammen, das Yin/Yang-Symbol und ein Diamant sind zu erkennen. Rechts oben hat Høiby ein Kreuz gezeichnet, die Jahreszahl darauf wurde vom TV-Sender allerdings unkenntlich gemacht. Die Buchstaben "MB" stehen wahrscheinlich für seinen Namen.
Besonders kontrovers: In der oberen linken Ecke ist eine nackte Frau abgebildet, darunter prangt die Abkürzung "FTP", die für "F*ck the police" steht.
Ein weiteres auffälliges Detail dieser Zeichnung ist der Schriftzug "Trist som faen" (auf Deutsch: "Traurig wie sonst was"), der auf einem der gezeichneten Säbel zu lesen ist. Dies ist der Titel eines Gedichtbands von Ari Behn, dem verstorbenen Ex-Mann von Prinzessin Märtha Louise und einem früheren engen Vertrauten von Høiby.
Zu sehen sind die Zeichnungen hier.
Laut Andenæs sind die Motive aber kein Grund zur Besorgnis. "Ich muss sagen, dass ich seine Zeichnungen unglaublich faszinierend finde." Immerhin seien diese den Tattoos auf seinem Körper sehr ähnlich, so die Anwältin.
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