Vom Liebkind zur Buh-Frau

Vom Liebkind der Presse zur Buh-Frau Deutschlands.

Einst war sie das Liebkind der deutschen Presse. Christian Wulff habe es nur durch sie, der sympathischen PR-Beraterin, zum Bundespräsidenten geschafft, so Medien anfangs. Heute kann Bettina Wulff nicht mehr auf viel Gegenliebe hoffen. Das hat sie vor allem ihrem Buch zu verdanken. "Jenseits des Protokolls" heißt der Enthüllungsschmöker der 39-Jährigen, der ihr viel Kritik und Spott einbrachte. Abrechnen wollte sie doch eigentlich nur mit den vielen Gerüchten um die Wulffs. Geworden ist es eine Demontage ihres guten Image. Als die junge First Lady Deutschlands 2010 in die Präsidentenvilla nach Schloss Bellevue zog, war man noch voll des Lobes für die lebhafte Blondine. Das Traumpaar der deutschen Politik gab sich jugendlich frisch und aufgeschlossen - nicht alltäglich für ein Bundespräsidentenpaar - die Presse jubelte. Die Liebe von Christian und Bettina gab viel Stoff um Zeitungen zu füllen. Nach 18 Jahren Ehe hatte sich der eher bieder wirkende Wulff von seiner ersten Frau Christiane getrennt, um mit Bettina Körner zusammenzusein. Die um 14 Jahre jüngere PR-Beraterin peppte ihren Christian ab 2006 gehörig auf. Neue Anzüge, neue Frisur - und schon klappte es 2008 mit dem Job als Ministerpräsident Niedersachsens. Sie selbst gab die lockere Powerfrau. Die Hannoveranerin studierte Medienmanagement und angewandte Medienwissenschaften - allerdings ohne Abschluss. 2003 brachte sie ihren ersten Sohn zur Welt. Vom Vater des Kindes, mit dem sie nicht verheiratet war, trennte sie sich. Sie arbeitete als Pressereferentin für den Autozulieferer Continental AG bevor sie Wulff kennenlernte. Viele sehen in ihr die "Macherin" von Christian Wulff. Sogar bis zum First Couple Deutschlands schaffte es das Paar. Doch mit der Affäre um einen sehr günstig erhaltenen Kredit bei einem privaten Hauskauf wurden die Wulffs zusehens mit Negativschlagzeilen konfrontiert. Christian Wulff trat schließlich zurück, in Sachen Medienschelte kehrte aber dennoch keine Ruhe ein. Bettina Wulff wurde erneut mit dem kursierenden Gerücht konfrontiert, sie habe vor ihrer Ehe mit Wulff im Rotlichtmilieu gearbeitet. Gegen Günther Jauch und Google brachte sie deswegen Klagen ein, Google löschte daraufhin acht Suchresultate aufgrund falscher Tatsachenbehauptungen. Im Herbst 2012 veröffentlichte sie schließlich ihr Enthüllungsbuch, das ihr Image nachhaltig zerstörte. Die große Mehrheit der Deutschen hat kein Mitleid mit Bettina Wulff. 80 Prozent der Befragten fühlen nicht mit der ehemaligen First Lady mit, ergab eine Umfrage der Zeitung Bild am Sonntag. Zudem halten viele Menschen die 39-Jährige für unglaubwürdig: Wulffs Aussage, sie sei in die Rolle der Präsidentengattin gedrängt worden, nehmen ihr fast zwei Drittel der Befragten nicht ab. Schon im Buch distanziert sie sich stark von ihrem Noch-Mann. Jeder Zweite meint, dass Bettina Wulff ihrem Mann Christian mit ihrem Buch "Jenseits des Protokolls" geschadet hat. Wohl nicht nur ihm: "Ich habe bei Männern kein festes Beuteschema", heißt es etwa in dem Buch. Der Gang in die Öffentlichkeit kann als Eigentor gewertet werden. Die PR-Lady ist offenbar doch kein Vollprofi in Sachen Öffentlichkeitsarbeit wie zunächst angenommen. Jetzt wird spannend, wie sich die Sympathien der Deutschen (und der Bild Zeitung) für die beiden nach ihrer Trennung entwickeln. Und ob Frau Wullf erneut um Mitleid bettelt.

        

(KURIER) Erstellt am
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