"Spice Girl" Mel C über ihre Essstörung: Es war sehr auffällig
Melanie Chisholm
Es war das Jahr 1994, das das Leben von Melanie Chisholm auf den Kopf stellte. Sie antwortete auf eine Anzeige für ein Casting, bei dem sich die ausgebildete Tänzerin mit der markanten Stimme gegen Hunderte andere junge Frauen mit Popstar-Ambitionen durchsetzte. Zwei Jahre später wurde sie mit den Spice Girls schlagartig weltberühmt, als die Single "Wannabe" in mehr als 20 Ländern die Charts toppte.
Doch während die Spice Girls gute Laune verbreiteten und "Girl Power" proklamierten, hatte Mel C mit den Nebenwirkungen des immensen Erfolgs zu kämpfen. Neben ihren lauten und dominanten Kolleginnen Melanie Brown und Geri Halliwell (heute Horner) habe sie sich damals "wie ein Ersatzteil" gefühlt, berichtete sie in ihrer Autobiografie "Who I Am: My Story". Auch die heutige Modedesignerin Victoria Beckham gehörte zur Band. Selbstzweifel hätten sie geplagt, so Chisholm. Ständig habe sie Angst gehabt, nicht gut genug zu sein und aus der Band geworfen zu werden. Panikattacken und Depressionen waren die Folge.
Von Fans und Medien wurde sie für ihre sportliche Figur gefeiert. Tatsächlich war es aber das Resultat eines ungesunden Lebensstils und einer Anorexie, die sie vor einigen Jahren öffentlich machte. Demnach aß sie auf dem Höhepunkt des Spice-Girls-Erfolgs ausschließlich Obst und Gemüse und trainierte mehrere Stunden täglich, um so schlank zu bleiben. "Wenn man eine Essstörung hat, kann man sich ziemlich einsam und isoliert fühlen", erzählte sie einmal der Sunday Times. Den Erfolg habe sie kaum genießen können.
"Sie haben versucht, mit mir zu sprechen"
Im Gespräch mit der Times führt Chisholm jetzt aus, wie sich die Erkrankung äußerte. "Ich trainierte mehr, aß weniger und wurde immer dünner", so die 52-Jährige. "Es war etwas sehr Körperliches, sehr Auffälliges." Ihren Bandkolleginnen sei das auch aufgefallen. "Wenn man so viel Zeit miteinander verbringt und sich die Essgewohnheiten ändern, merken sie das. Sie haben versucht, mit mir zu sprechen, aber ich war nicht bereit, darauf einzugehen", so Chisholm.
"Als ich dann nach Hause kam, war ich ganz allein. Ich war bei meiner Familie in L.A. und konnte nicht aus dem Bett aufstehen. Ich weinte und weinte. Ich fing an, nun unter Binge Eating zu leiden, aber ich verstand es nicht." Dabei handelt es sich um exzessive Essattacken.
Perfektionswahn und Kontrollverlust
Mit ihrer Essstörung geht die Sängerin inzwischen offen um: "Ich hatte das Gefühl, dass ich mich perfekt machen musste, um all diesen wunderbaren Erfolg wirklich zu verdienen", sagte sie 2020 dem US-Promi-Magazin People. Durch die konstante Aufmerksamkeit der Medien habe sie zeitweise die Kontrolle über ihr Leben verloren. "Ich kontrollierte mein Essen, meine Bewegung - alles, was ich konnte", schilderte Chisholm ihre Erfahrungen. Dieser Zwang habe sich negativ auf ihre psychische Gesundheit ausgewirkt. "Ich war mir nicht bewusst, dass ich Depressionen hatte. (...) Es war so eine Erleichterung, zu wissen, dass es einen Namen hatte: Mir kann geholfen werden, und es kann mir besser gehen."
Mit der Geburt ihrer Tochter Scarlet im Jahr 2009 habe für sie ein neues Kapitel begonnen, und sie habe mit der Vergangenheit abschließen können, sagte Chisholm damals. Auch eine Therapie half ihr schließlich.
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