Causa Epstein: Queen Elizabeth drängte auf Posten als Handelsbeauftragter für Andrew
Queen Elizabeth und Andrew Mountbatten-Windsor
Bei der Berufung des früheren Prinzen Andrew zum Handelsbeauftragten der britischen Regierung hat die verstorbene Queen Elizabeth II. eine wichtige Rolle gespielt. Das geht aus den ersten von der britischen Regierung veröffentlichten Dokumenten zur Ernennung von Andrew Mountbatten-Windsor hervor.
Der jüngere Bruder von Königs Charles III. (77) war im Februar im Zuge des Skandals um den US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zwischenzeitlich festgenommen worden. Der Verdacht: In seiner früheren Rolle als Handelsbeauftragter soll er sensible Informationen an Epstein weitergegeben haben. Die Ermittlungen der Polizei dauern an. Der 66-Jährige wurde aus seiner offiziellen Rolle in der Königsfamilie verbannt, ihm wurden alle Titel und Ehren aberkannt.
Der Wunsch der Queen, den Posten des Handelsbeauftragten mit dem oft als ihren Lieblingssohn bezeichneten Andrew zu besetzen, zeigt sich in einem an das Außenministerium adressierte Schreiben aus dem Jahr 2000. Ihr sei es "sehr wichtig", dass Andrew Mountbatten-Windsor eine "prominente Rolle bei der Förderung nationaler Interessen" übernimmt, heißt es darin. "Es ist der Wunsch der Königin, dass der Herzog von York die Nachfolge des Herzogs von Kent in dieser Rolle antritt." Vor Andrew vertrat der Cousin der Queen, Prinz Edward, die britischen Handelsinteressen im Ausland.
Staatssekretär: Keine Überprüfung von Andrew
In den Dokumenten gibt es laut Handelsstaatssekretär Chris Bryant keine Hinweise darauf, dass eine formelle Sicherheitsüberprüfung von Andrew vor Antritt seiner Rolle stattgefunden hat. "Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass dies in Erwägung gezogen wurde", heißt es in einer schriftlichen Erklärung von Bryant. Dies sei jedoch "verständlich", da die Ernennung von Andrew schlicht eine Fortsetzung der royalen Besetzung der Rolle gewesen sei.
Die bisher 41 veröffentlichten Seiten offenbaren auch einzelne Charakterzüge des Ex-Prinzen. Aus einem Brief einer damals für das Außenministerium tätigen Diplomatin geht etwa hervor, dass Andrew dazu neige, "hochentwickelte Länder" zu bevorzugen. Zudem wollte Andrew im Ausland kein Golf spielen - dies sei aus seiner Sicht "eine private Angelegenheit", heißt es.
Mountbatten-Windsor reiste von 2001 bis 2011 als Sonderbeauftragter um die Welt und wurde wegen seiner regen Reisetätigkeit auf Kosten der Steuerzahler auch als "Air Miles Andy" verspottet. Er war eng mit Epstein befreundet. Der 2019 in Haft gestorbene Multimillionär betrieb jahrelang einen pädophilen Missbrauchsring, dem zahlreiche Menschen zum Opfer fielen.
Eines der Opfer, die inzwischen verstorbene Virginia Giuffre, warf Andrew vor, sie mehrfach missbraucht zu haben, zum Teil als sie noch minderjährig war. Der Ex-Prinz bestreitet die Vorwürfe, doch eine Zivilklage Giuffres in den USA endete Berichten zufolge in einem millionenschweren Vergleich.
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