Adelsexperte: William und Kate haben "ganz andere Vision" für Zukunft

Die königliche Familie stehe derzeit "an einem Scheideweg", sagt Adelsexperte Andrew Lownie.
Kate und William lächeln, während William winkt und eine gelbe Blume am Revers trägt.

Der britische Thronfolger Prinz William und seine Frau Prinzessin Kate hatten sich besorgt über den Epstein-Skandal, in den auch der ehemalige britische Prinz Andrew verwickelt ist, gezeigt. "Ich kann bestätigen, dass der Prinz und die Prinzessin über die anhaltenden Enthüllungen zutiefst besorgt sind", hieß es aus dem Kensington-Palast mehreren Medienberichten zufolge. "Ihre Gedanken sind weiterhin bei den Opfern."

William "im Moment" in keiner "ruhigen Verfassung"

Besondere Aufmerksamkeit erhielt bei den Briten und Britinnen im Februar der Auftritt von William und Kate bei der Verleihung der britischen Filmpreise. Der Sohn von König Charles – und Neffe von Andrew - wurde gefragt, ob er das vielfach ausgezeichnete Drama "Hamnet" bereits gesehen habe. "Ich muss in einer ziemlich ruhigen Verfassung sein, und das bin ich im Moment nicht", antwortete William

Dass sich Mitglieder der royalen Familie zu solchen Vorgängen äußern, gilt als ungewöhnlich. Bisher hatte sich das britische Königshaus mit Äußerungen zurückgehalten. Adelsexperte und Autor Russel Myers glaubt, dass die Royals ihren Kurs derzeit überdenken müssen. "Seit vielen, vielen Jahren wird viel über eine verschlankte Monarchie gesprochen, und wenn man sich die Sichtweise von Charles vor etwa zehn Jahren ansieht, hätte Prinz Harry sicherlich im Mittelpunkt gestanden", sagt Myers im Gespräch mit dem Promimagazin Us Weekly. "Harry und Meghan hätten vor diesem absolut skandalösen Skandal die Unterstützung von Andrew, ehemaliger Herzog von York, gehabt. Im Moment sieht es zwar etwas düster aus, aber ich glaube, der König wollte versuchen, die Königsfamilie viel verantwortungsbewusster zu machen." 

Monarchie der Zukunft "muss die jüngere Generation ansprechen"

Das Thronfolgerpaar agiere anders: "Laut Menschen, die William und Kate sehr, sehr nahe stehen, haben sie eine ganz andere Vision für die Monarchie. Sie muss rechenschaftspflichtig sein, sie muss die jüngere Generation ansprechen, nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland", so Myers im Us Weekly-Gespräch. "Sie muss auch ein System schaffen, das für die Menschen funktioniert, und sicherlich haben sie versucht, ihr Familienleben in Ordnung zu bringen und dann an ihrem öffentlichen Profil zu arbeiten, und das unterscheidet sich sehr, sehr stark von der Struktur der Monarchie in früheren Generationen."

Was wusste die Familie über Andrews mutmaßliche Machenschaften?

Was wussten die Royals? Es ist die eine Frage, die den edlen Anstrich der Royals dieser Tage verblassen lässt und dem König aktuell auch bei öffentlichen Auftritten entgegengerufen wird. Vermutlich auch deswegen griff Charles zuletzt erneut durch und erklärte öffentlich, die Polizei bei etwaigen Ermittlungen gegen Andrew unterstützen zu wollen - ein ungewöhnlicher Akt für die sonst unter so vielen ungeschriebenen Gesetzen handelnden Royals.

Aus Sicht des Autors und Royal-Schrecks Andrew Lownie war dieser Schritt längst überfällig. Die königliche Familie stehe derzeit "an einem Scheideweg", sagte Lownie. Wie sie mit dem Skandal um Andrew umgehe, habe auch Bedeutung für die Zukunft der britischen Monarchie. "Sie müssen den Stall ausmisten, bevor William das Amt übernimmt, denn er will dieses Problem nicht erben", ist sich der Experte sicher. Ansonsten drohe die Monarchie unter Charles in die Bedeutungslosigkeit zu rutschen, warnte Lownie. "Er kann entweder als jemand angesehen werden, der die Monarchie geprägt hat, oder als jemand, der im Grunde genommen zugelassen hat, dass sie irrelevant geworden ist."

Andrew steht im Verdacht, in seiner Zeit als britischer Handelsgesandter vertrauliche Berichte an den verurteilten US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein weitergegeben zu haben. Gegen ihn wird wegen des Verdachts auf Fehlverhalten in einer offiziellen Funktion ermittelt.

Der jüngere Bruder von König Charles, der nur noch Andrew Mountbatten-Windsor heißt, war in den jüngst veröffentlichten Dokumenten aus den Epstein-Akten prominent aufgetaucht. Der 66-Jährige pflegte eine enge Freundschaft zu Epstein, der über Jahre einen Missbrauchsring betrieben hatte, dem Mädchen und junge Frauen zum Opfer fielen. 2019 starb Epstein in Haft.

Andrew wies die Vorwürfe, in die Machenschaften verwickelt und sich selbst des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht zu haben, immer zurück. Wegen seiner Verbindung zu Epstein musste er alle Ehren und Titel abgeben und zuletzt auch aus dem luxuriösen Anwesen Royal Lodge auf dem Gelände von Schloss Windsor ausziehen. Britischen Medien zufolge war William die treibende Kraft hinter dem Durchgreifen des Königs.

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