Adelsexperte: Der Schatten auf dem Vermächtnis von Queen Elizabeth

Ex-Prinz Andrew, der einstige Lieblingssohn der Queen, wurde vergangene Woche zwischenzeitlich festgenommen.
Auf dem Balkon des Buckinghampalast stehen Königin Elisabeth, Charles, Andrew und weitere Mitglieder der königlichen Familie.

Der frühere britische Prinz Andrew wird schon seit Jahren von Berichten über seine Beziehungen zum verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein verfolgt. Seine vorübergehende Festnahme wegen des Verdachts von Fehlverhalten in offizieller Funktion am Donnerstag war der vorläufige Tiefpunkt eines langen Absturzes im öffentlichen Ansehen. 

Andrews Festnahme folgte auf die Freigabe von Millionen weiterer Akten zu Epstein durch das US-Justizministerium im Jänner. Dazu gehört ein E-Mail vom November 2010, in dem Andrew dem US-Finanzinvestor nach einer Dienstreise als britischer Handelsbeauftragter nach Asien anscheinend vertrauliche Berichte zu mehreren von ihm besuchten Ländern übermittelt. 

Berichten zufolge wurde der damalige Prinz auf der Reise zudem von Epstein-Geschäftspartnern begleitet und übermittelte Epstein Monate später Informationen zu Investitionsmöglichkeiten, die er bei dem Trip gesammelt hatte. Neun verschiedene Einheiten der britischen Polizei haben bestätigt, dass sie Berichte über Andrews Verbindungen zu Epstein prüfen.

"Nobody's Girl" 

Das Epstein-Opfer Virginia Giuffre reichte im August 2021 in den USA Klage gegen Andrew ein. Giuffre warf dem damaligen Prinzen darin vor, sie dreimal sexuell missbraucht zu haben, darunter zweimal, als sie erst 17 und damit minderjährig war. Der Fall wurde außergerichtlich beigelegt, nachdem sich Andrew zu einer Geldzahlung bereit erklärte. Medienberichten zufolge lag diese bei mehr als zwölf Millionen Dollar (aktuell 10,21 Mio. Euro). Giuffre starb im April vergangenen Jahres im Alter von 41 Jahren in Australien durch Suizid. 

Im Oktober erschienen ihre Memoiren unter dem Titel "Nobody's Girl" posthum. Darin schildert Giuffre, sie sei dreimal zum Sex mit Andrew gezwungen worden. Das erste Mal war demnach im März 2001 im Haus von Epsteins inzwischen zu 20 Jahren Gefängnis verurteilter Freundin Ghislaine Maxwell in London, das zweite Mal einen Monat später in Epsteins Haus in New York. Das letzte derartige Treffen fand dem Buch zufolge auf Epsteins Privatinsel in der Karibik bei einer "Orgie" mit Andrew, Epstein und etwa zehn weiteren Mädchen statt, "die alle jünger als 18 wirkten und nicht richtig Englisch konnten".

"Unsere Sicht auf Queen Elizabeth war, dass sie eine ziemlich makellose Monarchin war"

Die Angelegenheit rund um Andrews Verhaftung werfe "fundamentale Fragen für die Institution der Monarchie auf", sagt der Verfassungsexperte und Royal-Kenner Craig Prescott von der Londoner Universität Royal Holloway.

Auch in der Rückschau hinterlässt die Andrew-Affäre einen bitteren Geschmack, denn letztlich war es seine Mutter, die es versäumt hatte, Andrew in die Schranken zu weisen. "Unsere Sicht auf Queen Elizabeth war, dass sie eine ziemlich makellose Monarchin war", sagt Prescott. Doch der Andrew-Skandal hinterlasse einen dunklen Fleck auf ihrem Vermächtnis, der in künftigen Biografien seinen Niederschlag finden werde. Andrew galt einst als Lieblingssohn der Queen.

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