Adelsexperte: Ex-Prinz Andrew steht noch Schlimmeres bevor
Prinz Andrew
Nach der Veröffentlichung weiterer Akten über den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein durch das US-Justizministerium ist der britische Ex-Prinz Andrew am Wochenende weiter in Bedrängnis geraten, der auf einem Foto über eine liegende Frau gebeugt zu sehen ist. Der britische Premierminister Keir Starmer sprach sich für eine Aussage Andrews vor dem US-Kongress aus.
Zu den mehr als drei Millionen Dokumenten, die am Wochenende online verfügbar gemacht wurden, gehörten E-Mails, Fotos und Videos. In dem Material tauchen erneut die Namen zahlreicher einflussreicher Persönlichkeiten auf, darunter US-Präsident Donald Trump, Tech-Milliardär Elon Musk, Microsoft-Gründer Bill Gates und der ehemalige britische Prinz Andrew, erstmals erscheint zudem der Name des heutigen US-Handelsministers Howard Lutnick.
"Man kann kein einziges Wort glauben"
Autor und Royal-Schreck Andrew Lownie ("Entitled: The Rise and Fall of the House of York") glaubt, dass Andrew noch "Schlimmeres bevorsteht". Im Gespräch mit der britischen Boulevardzeitung Daily Mail gibt er weiter an, dass der Ruf des Ex-Prinzen und jener von seiner Exfrau Sarah "Fergie" Ferguson "vollkommen ruiniert" sei und "keiner von beiden sich jemals von dem erholen kann, was ans Licht gekommen ist".
Lownie meint, dass die Royal Family "in der Vergangenheit zahlreiche Gelegenheiten hatte, Andrew zu disziplinieren und ihn aus seinen Ämtern zu entfernen, um sich mit ihm auseinanderzusetzen. Aber sie hat dies schlussendlich nur aufgrund des öffentlichen Drucks und des Drucks der Medien getan". Er glaube nicht, dass die Enthüllungen für den Palast "eine Überraschung" sind. "Sie haben sich darauf vorbereitet, dass diese Dinge irgendwann ans Licht kommen würden", so Lownie im Daily-Mail-Gespräch.
Er werfe Andrew und Ferguson vor, sich oft nicht an die Wahrheit gehalten zu haben. "Man kann kein einziges Wort glauben, das Andrew oder Sarah Ferguson sagen, das habe ich in meinen vier Jahren Recherche gelernt. Sie lügen sogar über Dinge, über die sie nicht lügen müssten." Es ist laut dem Autor zu erwarten, dass es das nicht gewesen ist. Lownie "Es gibt noch mehr Material im Nachlass von Epstein, das veröffentlicht werden könnten, wenn jemand das will."
Der britische Rundfunksender BBC berichtete unter Berufung auf den US-Anwalt Brad Edwards, eine seiner Mandantinnen sei von Epstein an Andrew vermittelt worden. Der Vorfall habe 2010 stattgefunden, als sie in ihren 20ern gewesen sei. "Wir sprechen von mindestens einer Frau, die von Jeffrey Epstein zu Prinz Andrew geschickt wurde", sagte Edwards der BBC.
Der Investmentbanker Epstein stand unter Verdacht, tausende Minderjährige und junge Frauen missbraucht und teils an Prominente vermittelt zu haben. Er war erstmals 2008 verurteilt worden, weil er die Dienste von minderjährigen Prostituierten in Anspruch genommen hatte. Wegen eines umstrittenen Deals mit der Staatsanwaltschaft erhielt er damals aber nur eine 18-monatige Haftstrafe. 2019 wurde er unter anderem wegen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen erneut festgenommen. Rund einen Monat später wurde er erhängt in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden, nach offiziellen Angaben beging er Suizid. Außer Epstein wurde nur seine Komplizin Ghislaine Maxwell im Zusammenhang mit seinen Verbrechen angeklagt. Die 63-Jährige war 2022 wegen Sexhandels mit Minderjährigen und weiterer Vergehen verurteilt worden und verbüßt eine 20-jährige Haftstrafe.
Sind Sie Opfer einer Straftat geworden? Informationen, kostenlose Beratung und Unterstützung erhalten Sie bei der Verbrechensopferhilfe WEISSER RING. Telefonberatung unter: 0800 112 112
Wenn Gewalt oder Missbrauch einen Ihrer Angehörigen, Bekannten, eine Schülerin oder einen Schüler betreffen, dann wenden Sie sich an die Beratungsstelle Die möwe.Telefonberatung unter: 01 532 15 15
Wenn Sie als Frau von Gewalt betroffen sind, wenden Sie sich an die Frauenhelpline. Die Beratungs- und Hilfsangebote sind kostenlos und das Team rund um die Uhr erreichbar. Telefonberatung unter: 0800 222 555
Nach Angaben des stellvertretenden US-Justizministers Todd Blanche wurden am Freitag "mehr als drei Millionen Seiten" an Material über Epstein auf einer Website des Ministeriums veröffentlicht. Darunter seien mehr als 2000 Videos sowie 180.000 Fotos. Unter den freigegebenen Dokumenten ist unter anderem ein Foto, das Andrew auf allen vieren zeigt, während er sich über eine Frau beugt. Den freigegebenen Akten zufolge schlug Epstein Andrew Mountbatten-Windsor 2010 ein Treffen mit einer Russin vor - kurz nachdem Epstein seine Strafe wegen Prostitution Minderjähriger abgesessen hatte.
Der britische König Charles III. hatte seinem Bruder wegen dessen Verbindungen zu Epstein im vergangenen Jahr alle königlichen Titel und Ehren aberkannt. Die US-Australierin Virginia Giuffre hatte Andree beschuldigt, sie als 17-Jährige missbraucht zu haben.
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