Harald Glööckler: Habe meinen Eltern bis heute nicht verziehen
Harald Glööckler
Schon immer habe ihn alles "Strahlende und Glitzernde in Silber und Gold" beeindruckt, schreibt Modeschöpfer und TV-Promi Harald Glööckler in seiner 2024 erschienenen Autobiografie "Desaströös bis Pompöös". Dabei hatte es der Gastwirtssohn aus der Nähe von Maulbronn (Baden-Württemberg) als Kind nicht leicht.
Denn seine Kindheit und Jugend erlebt er mit einem brutalen Vater in "kriegsähnlichen Zuständen", wie er es in seinem Buch schildert. Im "M wie Marlene"-Podcast von Moderatorin Marlene Lufen sagt Glööckler jetzt: "Ich habe meinen Eltern nie verziehen." Er habe nie eine Kindheit gehabt, "nie Eltern, die für mich da waren. Ich war immer im Weg". Zudem habe er das Gefühl gehabt, Schuld zu sein, wenn die Eltern sich gestritten hatten. Das Ausmaß war verheerend: "Ich kann mich an keine Sekunde erinnern, dass ich nicht Angst hatte, dass die Mutter blutend am Boden liegt oder tot ist." Als seine Mutter starb, war Glööckler noch keine 15 Jahre alt.
Er sei mit dem Gefühl aufgewachsen, ungewollt zu sein, so der heute 60-Jährige in einem auf Instagram veröffentlichten Ausschnitt aus dem Gespräch. Auch das Thema Einsamkeit schneidet Glööckler an. Die Einsamkeit zu kompensieren sei sehr schwierig. "Das ist auch nicht damit getan, jemanden zu finden, mit dem man zusammen lebt", so der Modemacher. Ganz schlimm sei es, wenn man in einer Beziehung zu zweit einsam ist.
Mit sechs Jahren entwirft er für seine Tante - eine Schneiderin - sein erstes Kleid: ein schwarzes Spitzenkleid im Empirestil und mit goldfarbenem Futter. Das erste Geschäft eröffnet Glööckler 1987 in Stuttgart. Als er 1990 sein Modelabel "Pompöös" tauft, legt er sich ein Doppel-ö im Namen zu. Mit Homeshopping und massentauglicher Mode kommt er schließlich groß heraus. Längst ist er auch in den sozialen Medien als schillernder Modemacher präsent.
Sexueller Missbrauch in der Kindheit
Glööckler hatte in der Vergangenheit auch von sexuellem Missbrauch in seiner Kindheit berichtet. Er sei fünf oder sechs Jahre alt gewesen, als ein Stammgast des Wirtshauses seiner Eltern sich in einem Waldstück vor ihm ausgezogen, ihn angegriffen und ihn gezwungen habe, auch ihn zu berühren, sagte er 2018 der deutschen Bild-Zeitung.
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"Wir machten einen Ausflug, meine Eltern haben sich nichts dabei gedacht. Es war ja ein netter Onkel, wie man damals sagte", so der Designer. Er habe sich "wie erstarrt" gefühlt, der Täter habe schließlich wegen eines heranfahrenden Traktors von ihm abgelassen. Er habe viele Jahre gebraucht, um zu verstehen, dass er nicht selbst schuld an dem Missbrauch gewesen sei, erklärte Glööckler weiter. Den Täter zur Rede gestellt habe er auch als Erwachsener nie: "Ich musste das verdrängen. Sonst wäre ich verrückt geworden."
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