Was Thomas Schäfer-Elmayer (80) vor seiner Tanzschulkarriere gemacht hat
Thomas Schäfer-Elmayer
In seiner Jugend hätte sich Thomas Schäfer-Elmayer nie gedacht, dass er einmal die Tanzschule übernehmen und der Inbegriff der Etikette sein würde. Als Assistent seines Großvaters hat er zwar damals schon neben seinem Studium in der Tanzschule gejobbt, nach dessen Tod ist er aber nach St. Gallen gegangen, um dort sein Studium zu beenden.
Weltenbummler
Sein beruflicher Weg im internationalen Management hat ihn bis nach Südafrika geführt. Von dort wechselte er dann nach Deutschland zu einem Metallkonzern. "Dort war ich dann zehn Jahre und hab eine Sparte für hochreine Metalle aufgebaut und geleitet. Und auch noch einige andere Aufgaben erfüllt. Das war ein sehr, sehr abwechslungsreiches Gebiet, da die hochreinen Metalle in der Elektronik benötigt werden und ich daher sehr, sehr viel gereist bin", erzählt er in der KURIER TV-Sendung "Herrlich ehrlich – Menschen hautnah".
Das ganze Interview
1986 hat er dann "den Ruf meiner Eltern erhalten" und ist nach Wien zurückgekehrt. Nach einem Jahr Diskussion hat er sich dann dazu entschlossen, die Tanzschule Elmayer zu übernehmen.
"Und seit 40 Jahren bin ich jetzt in Wien und werde als Benimmpapst bezeichnet", erzählt er lachend. Der Name Elmayer ist auch mit der Wiener Balltradition eng verbunden, viele Eröffnungschoreografien tragen die Handschrift der Tanzschule. "Ich habe ein tolles Team, das muss man sagen!"
Schäfer-Elmayer freut sich auch, dass das Interesse an Tanzkursen noch immer groß ist. "Die Jugend stellt sich stundenlang an, um einen Platz zu bekommen. Wir haben immer am 1. Mai Einschreibung, da da schulfrei ist. Da haben wir sogar Security und die Leute stehen fast bis zum Graben hinunter, weil die jungen Leute sehr viel Wert darauflegen, in die Tanzschule zu kommen."
Schäfer-Elmayer glaubt, dass es dabei nicht primär nur ums Tanzen gehen würde, sondern auch um andere Dinge. Man würde neue Leute kennenlernen und lernen mit anderen Menschen umzugehen.
"Wir haben ja immer am Anfang von jedem Kurs diese Promenade. Die Herren gehen im Kreis herum mit einer Dame und dabei unterhält man sich, was später natürlich sehr hilfreich ist, wenn man irgendwo Konversation führen soll. Und Konversation zu führen ist ja eine Kunst, Smalltalk zu führen ist gar nicht so einfach und das ist ein Teil, den man bei uns auch mitbekommt. Außerdem haben wir in jedem Kurs auch ein bisschen Umgangsformen." Es würde auch immer noch gelten, beim Smalltalk Themen wie Politik und Religion lieber auszusparen.
Menschenkenntnis
Überhaupt wäre sein wichtigster Rat "wenn man sich angewöhnt, sich mit anderen Menschen zu befassen. Möglichst viel Erfahrung mit Menschen zu sammeln. Dass man Menschenkenntnis aufsaugt, weil man ja doch sehr stark vom Unterbewusstsein gesteuert ist. Und je mehr Menschenkenntnis man in diesem Speicher drinnen hat, desto mehr hat man die Chance, dass man auch mit Menschen optimal umgehen kann. Und das ist auch die Basis für gutes Benehmen."
KURIER-Redakteurin Lisa Trompisch mit Thomas Schäfer-Elmayer
Am 4. Februar feiert der "Benimmpapst" seinen 80. Geburtstag. Ans Aufhören denkt er aber noch lange nicht. "Also, ich selbst habe nicht so die Tendenz zu sagen, mir reicht’s, da mir diese Arbeit so viel Freude macht und ich einfach froh bin, mit den jungen Leuten so viel zu tun zu haben. Und das ist auch so belebend."
Entspannung findet er hingegen beim Skifahren, das sei für ihn Erholung pur. "Da man dort einfach auf ganz andere Dinge achten muss. Das ist einfach toll. Das brauche ich immer wieder."
Er würde überhaupt viel Sport machen, denn "das hält fit!". Zum Geburtstag wünscht er sich eigentlich nur weiterhin gesund zu bleiben. "Ich bin fast wunschlos glücklich, weil ich so viel Glück in meinem Leben habe und alles wirklich ziemlich optimal läuft."
Elmayer-Kränzchen
Daher möchte er etwas zurückgeben, was er auch mit seinem traditionellen Elmayer-Kränzchen (findet am 17. Februar statt) tut. Da wird nämlich auch immer gespendet. Und zwar an das Haus der Barmherzigkeit und heuer auch an ein Jugendprojekt von der Caritas in der Ukraine.
"Ich glaube, es ist deshalb so wichtig, damit wir nicht vergessen in all dem herrlichen Ballerlebnis, dass es auch viele Menschen gibt, denen es bei Weitem nicht so gut geht und dass wir eben mit diesem Anlass auch noch etwas Gutes tun können. Und dieses Mal werden es 60.000 Euro sein."
Und er verrät auch, wie die Nachfolge in seiner Tanzschule geregelt ist. Seine zwei Kinder leben in Deutschland "und kommen sicher nicht infrage. Daher nehme ich einmal an, dass es in unserem Team weitergehen wird. Und das ist auch sinnvoll, weil damit die Zukunft der Tanzschule auch gesichert ist. . Die Tanzschule ist in allerbesten Händen."
Warum die bis dato nicht renovierten Redoutensäle in der Hofburg Thomas Schäfer-Elmayer so aufregen, ob gutes Benehmen heute überhaupt noch gefragt ist, was ihn antreibt ("Ich bin arbeitssüchtig."), welche Musik er privat hört und noch viel mehr, sehen Sie im Video oben.
Kommentare