Ossi Schellmann: Der Mann, der Wiens Nachtleben prägte
Ossi Schellmann
Zusammenfassung
- Ossi Schellmann prägte Wiens Nachtleben mit visionären Lokalen wie dem U4, Café Stein und der summerstage.
- Er setzte auf Innovation, Bauchgefühl und Gastfreundschaft und machte das Café Stein zum ersten Internetcafé Österreichs.
- Zum 70. Geburtstag blickt Schellmann auf eine Karriere mit 18 Lokalen und nachhaltigem Einfluss auf die Wiener Gastroszene zurück.
Die Gastfreundschaft wurde Ossi Schellmann bereits in die Wiege gelegt. Seine Eltern betrieben ein Restaurant und eine Edeldisco in Gumpoldskirchen (NÖ). Schellmann besuchte die Fremdenverkehrsakademie in Kleßheim (Salzburg), machte sich 1977 selbstständig und ist bis heute aus der Wiener Gastroszene nicht wegzudenken.
„Es ist meine Berufung und macht Spaß. Und wenn man das wirklich als Berufung sieht, dann macht man das auch gerne länger. Mir hat immer der Kontakt, der Umgang mit den Gästen gefallen. Und was gibt es Schöneres als interessanten Menschen zuhören zu können?“, so Schellmann in der KURIER TV-Sendung „Herrlich ehrlich – Menschen hautnah“.
Die ganze Sendung:
Herrlich ehrlich - Ossi Schellmann
Im Laufe seiner Karriere hat er 18 Lokale mit insgesamt 300 Mitarbeitern betrieben, darunter auch die legendäre Disco U4, in der u. a. Pop-Ikone Falco (gestorben 1998) Stammgast war, den Schellmann, zumindest vor Falcos großem Durchbruch, als angenehmen Gast in Erinnerung hat. Mit seinem Song „Ganz Wien“ (1980) hat Falco dem U4 auch ein musikalisches Denkmal gesetzt.
„Die schönsten Momente im U4 waren die legendären Defizite“, erinnert sich Schellmann schmunzelnd. Er engagierte zum Beispiel 1983 die nigerianisch-britische Sängerin Sade (66). „Das Konzert war an einem Sonntag. Und es waren ungefähr 78 zahlende und 20 eingeladene Gäste.“ Mit ihrem Song „Smooth Operator“ wurde Sade dann 1984 zum Weltstar.
Schellmann traf viele Entscheidungen aus dem Bauch heraus und „ich hab immer gut zugehört und oft einfach das gemacht, wovon andere immer nur geredet haben.“
1985 eröffnete er das Café Stein, welches es, übrigens genau wie das U4, noch heute gibt. „Mir ist es fast immer um die Vision gegangen. Und wenn man bei Visionen ans Geld denkt, dann kann man eh gleich wieder aufhören.“ Auch im „Stein“ setzte er auf Innovation, so wurde es nicht nur schnell zum Szene-Treff, sondern auch zum ersten Internetcafé Österreichs. Innovativ auch, dass es dort Frühstück bis 22 Uhr gab.
Ossi Schellmann (re.) im „Herrlich ehrlich“-Gespräch mit Lisa Trompisch
„Gastronomie ist ein Platz der Bewegung, wo sich die Leute kennenlernen, wo sich was tut. Es ist nicht nur Essen und Trinken und Einschenken und Servieren, sondern es ist einfach wie am Land das Stammwirtshaus. Da wird ja auch Heiratspolitik, Kulturpolitik, überhaupt Politik gemacht. Die Grundidee war es, das Landwirtshaus, den Stammtisch zu urbanisieren.“
1996 eröffnete er am Donaukanal die „summerstage“ – auch die gibt es noch immer. „Im Nachhinein betrachtet war die summerstage eine Art von Stadtentwicklung. Am Anfang waren alle dagegen, wie immer in Wien. Bis die Leute was kapieren, dauert das irrsinnig lange. Aber wenn sie es einmal lieb haben, dann ist es wie ein Fetisch und auf ewig, was ja auch sehr sympathisch ist.“
Heute, Freitag, wird Schellmann 70 Jahre alt. Ein Problem mit dem Alter hat er nicht. „Ich bin dankenswerterweise gesund. Ich hab noch immer Ideen und gehe immer noch Risiken ein. Jetzt aber nicht mehr mit der täglichen Gastronomie. Ich sag immer, ich hab es mir verbessert – von K&K zu K&K: von Köchen und Kellnern zu Kunst und Kultur.“
Welche Projekte er noch am Start hat und noch viel mehr zum Thema Gastronomie, sehen Sie im Video oben.
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