Opernball-Streit: So reagiert Staatsoperndirektor Bogdan Roščić

Der 68. Opernball ist zwar längst Geschichte, die Gemüter aber anscheinend immer noch erhitzt.
Ein Mann im Anzug mit roter Krawatte steht in einem prunkvollen, hell erleuchteten Innenraum.

Zusammenfassung

  • Der 68. Wiener Opernball sorgte wegen einer Musical-Einlage und öffentlicher Kritik von Verleger Christian W. Mucha für anhaltende Diskussionen.
  • Staatsoperndirektor Bogdan Roščić reagierte indirekt auf die Kritik mit einem Instagram-Posting und Zitaten, während die Staatsoper auf Muchas offenen Brief offiziell antwortete.
  • Die Debatte um Tradition, Veränderungen und Umgang mit Kritik hält an und sorgt weiterhin für Gesprächsstoff rund um den Opernball.

Am 12. Februar fand der 68. Wiener Opernball statt. Diesmal ein bisschen anders als sonst, es wurde nämlich bei der Eröffnung auch Musical geboten.

Ein elegant gekleidetes Paar steht auf einem roten Teppich in einem prunkvollen Saal, umgeben von weiteren festlich gekleideten Gästen.

Christian und Ekaterina Mucha

Und wie das halt so ist, gefallen Änderungen nicht jedem. Einer, der sich besonders getriggert fühlt, ist Verleger Christian W. Mucha. Er kritisierte den Opernball und auch den Staatsoperndirekter per Newsletter, TV-Interviews und Facebook-Postings. 

"Der größte Aufreger von allen am Opernball war freilich meine öffentlich geäußerte Kritik an der Staatsoper. Am Red Carpet. An der Eröffnung. Und an der Musical-Darbietung. Die dem Opern-Chef offenkundig so aufstieß, dass er es sich nicht verkneifen konnte (ohne Namensnennung, aber freilich klar erkennbar, wer da gemeint war), eine massive Attacke gegen mich in der ORF-Hauptabendsendung loszulassen", schrieb er etwas in seinem Newsletter.

Auch schrieb er dem Staatsoperndirektor einen offenen Brief. 

"Ich war über Ihr Verhalten und über Ihre Reaktionen auf sachlich vorgebrachte Kritik sehr verwundert. Ich verstehe nicht, warum Sie sich vor Ihren Kritikern im Labyrinth der Oper verstecken wollen, wenn Sie derer ansichtig werden", heißt es da. 

"Ich habe nicht nur kritisiert, sondern auch konkrete Vorschläge gemacht. Wie von diversen Seiten der Verlugnerisierung des Opernballs und dem Absinken auf Dschungelcamp-Niveau entgegengesteuert werden könnte", so Mucha in seinem Brief. 

Hier der ganze Brief zum Nachlesen:

Und obwohl er nicht wirklich daran geglaubt hat, und sogar die KI ob eines möglichen Szenarios befragt hat, kam eine Antwort aus der Staatsoper. Nicht direkt vom Herrn Direktor, aber von einem Mitarbeiter:

Sehr geehrter Herr Mucha,
Unser Direktor hat mir Ihren Brief weitergeleitet. Vielen Dank für Ihre Zeit, die Sie in die Gedanken rund um den Ball investieren.
Wie Sie sich sicherlich vorstellen können, bewegt der Opernball zahlreiche Gemüter. Es erreichen uns tatsächlich unzählige Mitteilungen, erfreulicherweise überwiegend großes Lob, aber natürlich auch „Tadel“. Wir nehmen das alles sehr ernst und sind stets bemüht, den Ball kontinuierlich weiterzuentwickeln. Die ersten Nachbesprechungen starten bereits, wir werden alle Verbesserungsvorschläge, soweit sie inhaltlich angemessen und organisatorisch überhaupt möglich sind, einfließen lassen. Manches ist allein durch einen Blick „von außen“ nicht ganz exakt zu beurteilen, es gibt natürlich bauliche, behördliche und logistische Restriktionen, die wir berücksichtigen müssen, die aber vielleicht nicht immer ganz nachvollziehbar sind.
Es freut mich, dass Sie trotz einiger kritischer Anmerkungen unterm Strich offenbar einen erfolgreichen Ball hatten.
Herzliche Grüße
 
"Manche schaffen es halt nicht, über den eigenen Schatten zu springen und zu versuchen, die Dinge wahrhaftig zu ändern. Und manche hierzulande leben in sehr hohen Elfenbeintürmen. Ganz oben. Viel zu weit entfernt von Selbsterkenntnis, Reflexion und dem, was man gemeinhin als 'sich eines besseren belehren lassen' bezeichnet...", so Muchas Reaktion darauf.
 
Das ganze Facebook-Posting sehen Sie hier:

Und jetzt reagierte Staatsoperndirektor Bogdan Roščić doch - oder zumindest könnte man das als Reaktion lesen. 

Er postete nämlich erstmals etwas auf Instagram.

Einen Schaukasten mit dem Zitat: "Ich habe vor langer Zeit gelernt, dass man sich nicht mit einem Schwein herumschlägt. Man wird dreckig und das Schwein genießt es obendrein."

Und in den Kommentaren schrieb er dazu: "Irgendwas am Opernball muss mich getriggert haben."

Und als Draufgabe gab's noch ein Video, indem das Adorno-Zitat "Bei vielen Menschen ist es bereits eine Unverschämtheit, wenn sie Ich sagen" zu sehen ist.

Und schon folgte die Reaktion von Christian W. Mucha. "Auf der verbalen Tiefstebene, auf die sich der- von mir sachlich kritisierte - jüngst öffentlich blamabelst begeben hat, beende ich hiermit meinerseits jedwede weitere Diskussion", so der Verleger via Facebook.

"Dazu fällt mir dann nur mehr der Satz 'Niveau ist keine Handcreme' ein..." 
 
So bleibt der Opernball wenigstens noch eine Zeit lang im Gespräch ...

 

Kommentare