Dominic Thiem: Warum eine Niederlage ihn stärker machte
Dominic Thiem
Zusammenfassung
- Dominic Thiem sieht Niederlagen als wichtigen Antrieb und prägende Erfahrungen für seine Karriere.
- Nach seinem Rücktritt konzentriert er sich auf neue Ziele, insbesondere als Investor im Padel-Sport mit dem Projekt "smash".
- Die wichtigsten Lehren aus seiner Profizeit sind Zielstrebigkeit, Resilienz und das Setzen realistischer Ziele.
Schon als Kind war der gebürtige Niederösterreicher tennisbegeistert (mit vier hat er zu spielen begonnen) und hat schnell gemerkt, dass er besser ist als so viele andere.
„Es war auch irgendwie immer klar, dass ich irgendwann Profi werden will, was auch immer das bedeutet. Das hab ich damals noch nicht so genau gewusst“, erzählt Dominic Thiem in der KURIER TV-Sendung „Herrlich ehrlich – Menschen hautnah“.
Die ganze Sendung:
Herrlich ehrlich: Dominic Thiem
Die Entbehrungen, die das viele Training, vor allem in so jungen Jahren, mit sich bringt, hat er gut weggesteckt. Abgegangen sei ihm nichts, wie er sagt. Dass er abseits des Platzes nicht das Leben eines „normalen“ Teenagers führen konnte, hätte sich für ihn „nicht schlimm“ angefühlt.
Viele seiner Freunde waren ebenfalls dem Tennissport verbunden und „ich bin jetzt auch nicht so das Feier-Biest“, wie er lachend erzählt.
Niederlage als Antrieb
Große Erfolge, wie zum Beispiel der US-Open-Sieg 2020, konnte er im Laufe seiner Karriere verbuchen (er war auch Platz 3 in der Weltrangliste), doch eine Niederlage hat ihn besonders geprägt – und auch angetrieben.
„Das war beim Wien-Turnier 2013 gegen Jo-Wilfried Tsonga. Da war der Moment, wo ich gesehen habe, ich kann es wirklich schaffen. Er war damals ein absoluter Spitzenspieler und ich war noch weit außerhalb der Top 100 und hab das Match aber ganz knapp verloren. Es war eine Niederlage, aber es war das Match, wo ich gesehen habe, ich kann wirklich mit den absoluten Spitzenspielern mithalten und kann, wenn ich meinen Weg weiter konsequent gehe, wenn ich weiter hart an mir arbeite, es auch einmal dort hinschaffen, wo Tsonga ist. Das wird immer eines meiner Lieblingsmatches bleiben.“
Einen Plan B zum Profisport gab’s für ihn übrigens nie.
Lisa Trompisch im "Herrlich ehrlich"-Gespräch mit Dominic Thiem
Am Platz sei er sowohl Kämpfer als auch Perfektionist gewesen. „Tennis ist eine Fehlersportart und ich hab auch gelernt, dass es sehr, sehr viele Tage gibt, wo du weit, weit weg von perfekt bist, aber die Matches trotzdem gewinnen musst. Oder die Trainingstage im Idealfall gut durchbringen musst. Und da waren auch kämpferische Qualitäten gefragt.“
2024 gab Dominic Thiem seinen Rücktritt bekannt, auch einer schweren Handgelenksverletzung geschuldet. Er hätte Fehler gemacht, zu früh nach der ersten Verletzung wieder mit dem harten Training begonnen, so, dass er sich die Sehnenscheide ein zweites Mal gerissen hat.
„Jetzt sehe ich das Ganze eher positiver. Erstens einmal waren es superinteressante Erfahrungen, die ich in den schwierigen Monaten gemacht habe, und andererseits, wenn ich das Gesamtbild von meiner Karriere sehe, muss ich meinem Körper sehr, sehr dankbar sein. Die Verletzung ist passiert, da war ich fast 28 Jahre alt, und bis zu dem Zeitpunkt hat mir der Körper alles verziehen und ich hab sehr viel und intensiv trainiert. Also stehe ich jetzt meinem Körper sehr positiv gegenüber.“
Ziele stecken
Das Wichtigste, was er aus seiner Profikarriere für sein weiteres Leben mitgenommen hat, sei „sich Ziele zu stecken. Das kann ich von der sportlichen Karriere auch ins Unternehmertum super mitnehmen. Ich bin immer sehr gut damit gefahren, mir realistische, mittelfristige Ziele zu stecken, die schon schwer, aber trotzdem, wenn ich alles dafür mache, erreichbar sind.“
Ziellos sein ist das Schwierigste, meint er.
„Eine gewisse Entspanntheit, Resilienz und das Wissen, dass nicht alles gleich funktionieren muss, sondern wenn man wirklich dranbleibt und ein Ziel konsequent verfolgt, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man es erreicht“, nimmt er ebenfalls für sein weiteres Leben mit.
Padel-Sport
Als Unternehmer hat Thiem, der an Gesundheit und Longevity (der Begriff bezeichnet eine im Vergleich zur durchschnittlichen Lebenserwartung verlängerte Lebensspanne) sehr interessiert ist, jetzt ein neues Projekt am Start. Und zwar ist er als Investor bei „smash“ eingestiegen.
Es geht also Schlag auf Schlag bei ihm weiter, denn bei „smash“ geht es um die Sportart „Padel“ (ein Schlägersport, der meist als Doppel gespielt wird).
Ziel ist es, bis Ende 2027 200 Courts in Wien, Niederösterreich und Kärnten zu errichten. „Padel ist ein super Sport, um Bewegung zu machen, denn es macht so viel Spaß und es ist auch wirklich intensiv, deshalb vergisst man auch, was für einen hohen Puls man hat, wie sehr man seinen Körper betätigt. Ich bin überhaupt ein riesiger Fan von Bewegung.“
Der erste Standort wird am 20. Mai in Bruck an der Leitha eröffnet.
Dominic Thiem steht derzeit auch mehr am Padel- als am Tennisplatz. „Ich spiele schon öfter mit den Mädels und Burschen aus der Tennisakademie in Oberpullendorf. Das ist aber auch das Einzige, das ich mache, so ehrlich bin ich. Ich spiele Tennis nicht mehr für mich selbst. Ich hab so viele Stunden Tennis gespielt, es reicht wahrscheinlich für sieben oder acht Leben“, meint er lachend.
Trotzdem hat er vor, „eine oder zwei Meisterschaftspartien dieses Jahr in Wien“ zu spielen. „Ich mache es jetzt wirklich für die anderen, um einen Mehrwert zu schaffen. Aber für mich selbst brauche ich nicht mehr spielen.“
Noch viel mehr Spannendes von Dominic Thiem und auch wie er mit Kritik umgeht, gibt’s im Video oben.
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