Alfons Haider über die Angst seiner Mutter: "Sie wollte mich verändern"
Anna und Alfons Haider
Sie sei dem Leben mit Kraft, Unerschrockenheit und Würde begegnet. Das sagt Mörbisch-Intendant und Moderator Alfons Haider über seine geliebte Mutter Anna.
Am 3. Oktober 2023 musste er sich nach langer, schwerer Krankheit von ihr verabschieden. „Das erste Jahr nach ihrem Tod war wirklich wie in einem Tunnel. Ich glaube, das kennen alle Menschen, die schon jemanden verloren haben, der sehr nahe ist. Man hat einen Schock, der ist schmerzhaft, aber der Körper und das Gehirn blocken ab“, so Haider im KURIER-TV-Talk.
Das ganze Interview:
KURIER Talk mit Alfons Haider
Man sei nach dem Begräbnis im Überlebensmodus. „Danach, wenn der Nebel des Schocks vorbei ist, kommt die Trauer und die kommt massiv. Ich habe festgestellt, dass dieser Spruch ,Es wird leichter, aber es wird nicht mehr gut‘ wirklich stimmt. Und damit muss man leben.“
Seiner geliebten „Mutsch“ hat er jetzt das Buch „Meine Mama, die Löwin“ gewidmet. Sehr persönliche Aufzeichnungen über sie, aber auch sein Leben.
Bei der Arbeit daran ist nicht nur Trauer, sondern auch viel Positives hochgekommen, wie er erzählt. „Ich wollte damit aber keine psychologische Eigenbehandlung machen, sondern Danke an meine Mutter sagen.“
Man liest von der unerschütterlichen Liebe einer Mutter, die ihren Sohn auf Händen getragen hat, aber auch, dass Haider sein künstlerisches Talent und die Liebe zur Show von seinem viel zu früh verstorbenen Vater August (Haider war damals erst 17 Jahre alt) geerbt hat.
Angst um den Sohn
Nur einmal geriet die unerschütterliche Mutterliebe ins Wanken, damals, als der Sohn ihr gestand, Männer zu lieben. Anna suchte sogar eine Psychiaterin auf, um damit umgehen zu können.
„Sie hat es einfach nicht verstanden. Sie hat abgeblockt aus reiner Furcht, denn sie hatte immer Angst, dass mein Leben dann zerstört wird. Und das war gar nicht die Trauer, dass sie keine Oma sein würde. Es war einfach die Angst, dass man mir wehtut. Und das war so schlimm, dass sie versucht hat, mich zu verändern. Bis ich dann gesagt habe: ,Mama, du wirst mich nicht verändern und das ist mein Leben.‘ Das war keine unkritische Situation.“
Er habe sich dann etwas von ihr zurückgezogen, sich eine eigene Wohnung gesucht und ist dadurch auch erwachsener geworden.
Als das Outing dann öffentlich wurde und die ersten Attacken kamen, war sie aber wieder da, die Löwin. Sie ist öffentlich und mit aller Inbrunst für ihren Sohn eingestanden. „Und dann war das bereinigt und es war auch kein Thema mehr“, so Haider.
Die Unbeugsame
„Sie hat sich nie gebeugt. Sie hat nie aufgegeben. Sie hat ein ganz hartes Leben gehabt. Sie hat ihre ganze Kraft in mich gesetzt, sie hat auch nie ihren Humor verloren“, erinnert sich der Sohn liebevoll.
Mit seinem Buch will Haider aber auch zeigen, „wie gefährlich es ist, wenn man voneinander so abhängig wird. Aber es zeigt auch, dass die Mutter die einzige Stelle ist im Leben, ein sicheres Haus für jeden, wo die Tür immer offen ist, wo man immer hinkann, selbst wenn man miteinander zerkracht war.“
Bis zum Schluss hat er sie gepflegt und sich um sie gekümmert, sein Leben komplett nach ihr gerichtet. Ihren letzten Wunsch, zu Hause zu sterben, konnte er ihr aber nicht erfüllen.
Krampfhaft hat Anna, die an Demenz erkrankt war, am Leben festgehalten. Eine Pflegerin, die auch gerne mit und für sie gesungen hat, hat Haider dann den Rat gegeben, doch mit seiner Mutter zu reden, dass sie loslassen kann.
„Ich bin dann ins Krankenzimmer hineingegangen und hab das wirklich gemacht und ungefähr zehn Minuten später war dann der letzte Hauch.“
Und sie hat ihrem Sohn noch zum Abschied ein großes Geschenk gemacht. In den letzten Lebenstagen, entstellt von Schmerzen und Medikamenten, war ihr Gesicht im Tod entspannt und lächelnd.
„Und das war noch mal die Löwin. Behalte mich in Erinnerung, wo es noch schön war. Das war ihr letztes Geschenk. Sie war wirklich eine Löwin.“
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