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Sport Wintersport
11/07/2019

Vanessa Herzog: Die Eiskönigin, die aus dem Niemandsland kam

Die 24-Jährige ist Welt- und Europameisterin im Eisschnelllauf, obwohl dieser Sport in Österreich praktisch auf Eis gelegt ist.

von Christoph Geiler

Als Vanessa Herzog vor zwei Wochen über 500 Meter eine neue Weltjahresbestzeit aufstellte, fiel ihr Jubel erstaunlich verhalten aus. Die Gegnerinnen, Betreuer und Zaungäste klopften der österreichischen Eisschnellläuferin anerkennend auf die Schulter, doch Vanessa Herzog nahm das Lob beinahe achselzuckend hin. "Vor einem Jahr bin ich im ersten Rennen auf die Hundertstelsekunde gleich schnell gefahren", erzählt die 24-Jährige. "Damals war ich über diese Zeit voll happy. Heute sage ich: ,Der Lauf war okay.’"

Das sagt viel aus über die schnellste Frau im Eisschnelllauf-Sprint. Vanessa Herzog gibt sich nicht damit zufrieden, dass sie im letzten Winter Weltmeisterin und Europameisterin geworden ist und über die 500-Meter-Distanz zum zweiten Mal in Folge den Gesamtweltcup gewinnen konnte.

Große Hürden

Die gebürtige Innsbruckerin und ihr Mann Thomas Herzog, der zugleich ihr Trainer und Manager ist, denken in anderen Kategorien. "Wir sind immer auf der Suche nach dem perfekten Lauf", erklärt Vanessa Herzog. Deshalb kann die 24-Jährige selbst nach Siegen manchmal unzufrieden wirken. "Du stehst auf der Eisbahn, sie gratulieren und du fragst dich: ,Für was gratulieren die eigentlich?’"

Möglicherweise auch dafür, wie Herzog es geschafft hat, sämtlichen Hindernissen mit riesigen Schlittschuhschritten davon zu laufen. Die 24-Jährige ist nicht so weit gekommen, weil sie etwa aus Österreich kommt. Sie ist die Nummer eins der Welt, obwohl sie Österreicherin ist.

Denn ein Eisschnellläufer hat hierzulande nur zwei Möglichkeiten, um seinen Sport auszuüben. Entweder er wartet bis der einzige Eisring in Innsbruck im November endlich vereist wird, oder er flieht wie Vanessa Herzog ins Ausland. Herzog verbringt im Sommer viel Zeit in der Eisschnelllaufhalle im bayrischen Inzell, um Trainingspartner zu haben, hat sich die österreichische Alleinunterhalterin einem niederländischen Team angeschlossen.

Die eiseilige Vanessa Herzog wird in Österreich zwar noch nicht wie eine Eisheilige verehrt, aber immerhin wird mittlerweile registriert und honoriert, was die 24-Jährige wirklich leistet. "Die Aufmerksamkeit ist in den letzten beiden Jahren sicher größer geworden", erzählt die HSZ-Sportlerin.

Mitte November startet in Minsk die neue Saison, in der Vanessa Herzog im Sprint die große Gejagte sein wird. Eine Saison, in der, wenn es nach ihr geht, die persönlichen Rekorde über 500 Meter und 1000 Meter fallen sollen. "Ich erwarte jetzt mehr von mir und setze mir auch die Ziele höher. Das liegt einfach daran, dass ich schwer zufrieden zu stellen und sehr selbstkritisch bin", gesteht Vanessa Herzog. "Wenn man etwas gewonnen hat, will man immer besser werden."

Vor dem Weltcup-Auftakt in Weißrussland wartet auf die Innsbruckerin, die mittlerweile in Ferlach lebt, aber noch der Auftritt bei der österreichischen Sportler-Gala. Herzog ist Favoritin auf den Titel Sportlerin des Jahres.

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