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Sport Wintersport
08/19/2021

Trauer um den Kult-Arzt, der Hermann Maier zum Herminator machte

Andreas Lotz war der Vertrauensarzt vieler ÖSV-Sportler. Der Burgenländer verstarb im Alter von 67 Jahren.

von Christoph Geiler

Wer die Praxis von Andreas Lotz im Innsbrucker Stadtteil Pradl betrat, der wusste sofort, was im Leben des Arztes im Mittelpunkt stand. Die Wände waren voll mit Gemälden und Bildern, dazu Dutzende Erinnerungsfotos, Startnummern und Dankesschreiben berühmter Athleten.

Es gab in den vergangenen 30 Jahren wohl kaum einen ÖSV-Sportler, der nicht mit dem kunstaffinen Sportarzt zu tun hatte. Im Alter von 67 Jahren verstarb Andreas Lotz im Krankenhaus Eisenstadt.

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Der Burgenländer genoss bei den Sportlern das uneingeschränkte Vertrauen. Wenn andere Mediziner mitunter mit ihrem Latein am Ende waren, dann fand Andreas Lotz oft immer noch einen Ausweg. So war er seinerzeit maßgeblich dafür verantwortlich, dass Hermann Maier wenige Tage nach seinem weltberühmten Sturz in der Olympia-Abfahrt von Nagano wieder auf die Beine kam und Gold im Super-G und im Riesentorlauf gewann - es war die Geburtsstunde des "Herminators".

Denn Lotz schloss sich damals nicht der Meinung eines Kollegen an, der keine Chancen für einen Start des Salzburger Skistars sah. "Der Hermann lag wie gesalbt in seinem Bett, seine damalige Freundin ist neben ihm gehockt und hat Handerl gehalten, der Pum Hans ist im Eck auf einem Stockerl gesessen. Und der Arzt-Kollege hat gerade erzählt und doziert, was der Hermann nicht doch alles hat. Und dass er auf jeden Fall heim muss", erzählte Andreas Lotz im KURIER-Interview und beschrieb, wie er Maier wieder auf die Beine half.

"Ich habe festgestellt, dass funktionell eigentlich alles in Ordnung ist. Dass weder Bänder gerissen oder gezerrt sind. Was er hatte, das war eine starke Prellung im Knie. Ich habe Hans Pum gesagt: ,Ich glaube, dass ich ihn hinkriege.‘

Nicht nur Hermann Maier verdankt Andreas Lotz seine beiden Olympiasiege. Auch andere Sportler würden ohne den Innsbrucker Arzt weniger Medaillen besitzen. Mit seinem berühmten homöopathischen Vitamincocktail half er bei Großereignissen regelmäßig erkrankten Athleten aus der Klemme. Biathlet Christoph Sumann wäre 2010 in Vancouver ohne die legale Spritze leer ausgegangen, auch der Verfasser dieser Zeilen wurde schon mehrmals von Andreas Lotz fitgespritzt.

"Leg dich auf den Tisch"

Lotz, der früher Bob fuhr und auch einige Zeit lang dem heimischen Bob-Verband als Präsident vorstand, war auch ein ausgewiesener Spezialist für Rückenprobleme. Athleten, die ein Kreuz mit dem Kreuz hatten und bei denen die Bandscheibe beleidigt war, kurierte er oft in Windeseile.

Davon konnten sich einmal hunderte Augenzeugen selbst ein Bild machen, als Lotz bei den Olympischen Spielen in Vancouver im Österreicher-Haus zu später Stunde Andreas Goldberger von seinen Rückenproblemen befreite. "Leg dich auf den Tisch", forderte Lotz damals den Ex-Skispringer auf, um den halb so schweren Goldberger schließlich herum zu wuchten, dass der Oberösterreicher nur so schrie. Nach dem unkonventionellen Eingriff unter tosendem Gelächter der Österreich-Haus-Besuchter war Goldberger die Schmerzen los.

Mit Andreas Lotz verliert der Sport ein Original und einen Mann, der für die Athleten mehr war als nur ein Arzt. Wie meinte Benjamin Raich doch gleich: "Zum Andi konntest du mit jedem Problem gehen."

 

 

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