Warum Ski-Star Marco Schwarz nicht am Slalom festhält
Marco Schwarz ist ein echtes Original. Als einziger männlicher Läufer ist der Kärntner Allrounder in diesem Weltcupwinter in allen vier Disziplinen am Start gestanden. So wird, vor allem aber: so kann es nicht weitergehen, befindet der 30-Jährige. „Vier Disziplinen machen keinen Sinn. Es geht darum: Wo kann ich mein Potenzial am besten ausschöpfen?“
Dass Marco Schwarz heute die Abfahrt in Courchevel (11 Uhr/live ORF 1) in Angriff nehmen wird (Startnummer 31), kann schon als Hinweis verstanden werden, wo die Reise hingeht.
Warum möchte es Marco Schwarz nicht weiter in allen Disziplinen versuchen?
Der Kärntner hat inzwischen eingesehen, dass sein Körper nach zwei Kreuzbandrissen und einer Bandscheiben-OP so ein dichtes Programm nicht mehr zulässt. Und gerade der Slalom erfordert extrem viel Training und geht an die Substanz. „Es bringt auch nichts, wenn ich in vier Disziplinen um den 15. Platz herumfahre“, sagt Schwarz. Außerdem ist er nicht mehr 23 wie Emma Aicher, der deutsche Jungstar hat in diesem Winter – mit Ausnahme des RTL am Kronplatz – alle Rennen bestritten.
Wo kommen die Stärken von Marco Schwarz am besten zur Geltung?
Die Trainer versuchen Marco Schwarz schon seit Monaten davon zu überzeugen, dass er den Slalom sausen lassen soll. Die Kombi aus Abfahrt, Super-G und Riesentorlauf ist für den Allrounder auf lange Sicht gewinnbringender. Das zeigte schon der heurige Winter. In Riesentorlauf (Alta Badia) und Super-G (Livigno) konnte Schwarz gewinnen, im Slalom schaffte er es in neun Rennen nur einmal in die Top Ten.
Warum hat Marco Schwarz so lange am Slalom festgehalten?
Weil es eine seiner Lieblingsdisziplinen ist und er dort seine ersten Erfolge gefeiert hat. In der Saison 2020/’21 gewann der Kärntner sogar den Slalom-Weltcup. Zuletzt war allerdings immer öfter zu sehen, dass er gerade in seiner einstigen Domäne nicht mehr mit den Allerschnellsten mithalten kann.
Kann das ÖSV-Abfahrtsteam Schwarz brauchen?
Und wie! Die Königsdisziplin ist seit Jahren die große Problemzone im ÖSV-Herrenteam. An diesem Sonntag ist wieder Jahrestag, seit 15. März 2023 gab es im Weltcup keinen österreichischen Abfahrtssieg mehr. Vor den letzten zwei Saisonrennen scheinen im Abfahrtsweltcup gerade einmal zwei Österreicher in den Top 25 auf. Vincent Kriechmayr ist im Moment als einziger Läufer in der Lage, aufs Podium zu fahren. Mit den vielen Platzfahrern und Mitläufern im ÖSV-Speedteam kann es Marco Schwarz allemal aufnehmen.
Wie gut ist der Kärntner denn als Abfahrer?
Vor seiner schweren Knieverletzung, die er sich 2023 in der Abfahrt von Bormio zugezogen hatte, war Marco Schwarz richtig rasant unterwegs. In der WM-Abfahrt 2023 in Courchevel verpasste er als Vierter nur um vier Hundertstelsekunden eine Medaille und war der beste Österreicher. Marco Schwarz hat das, was die Trainer gerne „Grundspeed“ nennen, gepaart mit seiner exzellenten Technik hat der erfahrene Kärntner das Zeug, auch in der Abfahrt aufs Podium zu fahren. Cheftrainer Marko Pfeifer ist jedenfalls überzeugt, dass sein Schützling auf gewissen Abfahrtsstrecken schon im nächsten Winter weit vorne landen wird.
Ist Marco Schwarz ein Anwärter auf die große Kristallkugel?
In der Saison 2022/’23 war er es definitiv. Bis zu seinem Kreuzbandriss bot er Marco Odermatt Paroli und lag im Gesamtweltcup sogar vor dem Schweizer Seriensieger. Damals startete Schwarz aber noch in allen Disziplinen und war im Slalom ein Siegläufer. Objektiv betrachtet ist es nur sehr schwer vorstellbar, dass jemand Odermatt vom Thron stößt. Der Schweizer hat in dieser Saison neun Siege gefeiert und wird wohl wieder in drei Disziplinen (Abfahrt, Super-G, Riesentorlauf) die kleinen Kristallkugeln abräumen. Im Moment sieht es so aus, als könnte Marco Odermatt nur eine Verletzung stoppen. Marco Schwarz ist aber ein Kandidat für eine Top-3-Platzierung im Gesamtweltcup.
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