© Audi/Fabian Lackner

Sport Wintersport
09/26/2020

Ski-Star Anna Veith: "Von da an wurde alles leichter"

Nach ihrem Rücktritt im Sommer lässt die 31-Jährige noch einmal ihre Karriere Revue passieren und spricht über das Leben als Ski-Pensionistin.

Anna Veith hat eine bewegte Karriere hinter sich. Sie ist Olympiasiegerin, dreifache Weltmeisterin und zweimalige Gesamtweltcupsiegerin. Sie erlebte in ihrer Laufbahn allerdings auch etliche Rückschläge und schwere Verletzungen. Im Sommer verabschiedete sich die 31-Jährige aus dem Weltcup und beendete die Ski-Karriere.

Im Rahmen einer Film-Produktion mit ihrem langjährigen Partner Audi lässt die Salzburgerin nun mit offenen, sehr persönlichen Aussagen aufhorchen, spricht über schwierige Entscheidungen, Erfolgsdruck, dem Loslösen von externen Erwartungen und dem Prozess ihrer Persönlichkeitsentwicklung.

Sie waren eine Senkrechtstarterin. Wie sind Sie mit den Erwartungen in Ihre Person zurechtgekommen?
Ich habe anfangs schwer damit umgehen können, es war eine große Bürde, weil ich immer das Gefühl hatte, ich muss genau so sein, wie die Menschen das von mir denken. Aufgrund meines Talents ist von mir sehr früh erwartet worden, dass ich viel mehr gewinne. Aber ich konnte diese Erwartungen nur bedingt erfüllen, weil ich noch viel zu jung war und man nicht in allen Disziplinen von heute auf morgen ein Siegfahrer wird. Für das Ziel musste ich mehr geben als ich konnte, da habe ich relativ schnell bemerkt, dass ich irgendwo gewisse Grenzen habe.

 

Wie hat Ihre Reaktion ausgesehen?
Meine ursprüngliche Herangehensweise war umso mehr ich gebe, umso mehr werde ich kriegen. Nach dem habe ich gelebt, habe meine Grenze immer weiter verschoben, immer mehr investiert, bis ich ausgebrannt war. Da habe ich eingesehen, dass ich nicht alle Erwartungen gleichzeitig erfüllen kann, habe für mich spüren müssen, was das Wichtigste ist und begonnen klare Prioritäten zu definieren. Ich habe gelernt einen Schritt nach dem anderen zu setzen und nicht alle Schritte gleichzeitig zu machen.

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Die Prioritäten haben Sie damals auch im Hinblick der Disziplinen gesetzt.
Ich war in allen Disziplinen sehr talentiert, habe mich dann aber bewusst entschieden auf den Riesentorlauf den Fokus zu legen, um mich so im Speed-Bereich sukzessive weiter zu entwickeln und nicht in allen Disziplinen gleichzeitig zu performen. Das war keine einfache Entscheidung, da ich mir dessen bewusst machen musste, dass in dieser Situation „weniger mehr sein kann“. Aber ich habe verstanden, dass es eine Basis braucht, eine gewisse Sicherheit, um mich als Allrounderin weiter zu entwickeln und gesamtheitlich den nächsten Schritt zu schaffen.

Haben Ihnen das Vertrauen in Ihre persönlichen Entscheidungen und der Umstand, auch einmal „nein“ sagen zu können rückblickend den Weg geebnet?
Auf jeden Fall. Ich habe verstanden, dass nur ich selber wissen kann, was das Beste für mich ist. Durch das Setzen von Prioritäten habe ich gelernt, dass meine eigenen Entscheidungen, die besten für mich sind. Ich habe mich von den Erwartungen befreit, das Vertrauen in mich selber gestärkt und gespürt, dass es mir gut dabei geht. Meine sportliche Leistung und die Resultate sind besser geworden, da wusste ich, dass der Weg zu meinem großen Ziel nur der sein kann, mir selber zu vertrauen. Ich habe mich in dieser Phase besser kennengelernt und mich sportlich wie menschlich nachhaltig weiterentwickelt. Von da an wurde alles leichter.

Abschließend, wie sieht Ihr Alltag in der „Sportpension“ aus, welche Ziele verfolgen Sie gegenwärtig?
Damals wie heute ist mir ein gesunder Lebensstil absolut wichtig, deshalb betreibe ich nach wie vor regelmäßig Sport und interessiere mich sehr für eine gesunde, ausgewogene Ernährung. Auch das Thema Nachhaltigkeit liegt mir am Herzen. Ich halte beispielsweise sehr viel von der Elektromobilität und möchte mich in diesem und anderen Bereichen weiterentwickeln. Mein Ziel ist es langfristig ein Teil des Sports zu bleiben und meine Erfahrungen an junge Athleten weiter zu geben. Ich bin gespannt, wo mich mein neuer Weg hinführt.

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