Gaza statt Schladming, Dauerprotestierer statt Weltcup-Hoffnung

Zurück aus der Gefangenschaft: Schütter mit Palästina-Fahnen.
Julian Schütter galt als ÖSV-Hoffnung. Mit 25 Jahren beendete er seine Karriere und landete zuletzt mit Greta Thunberg in israelischer Gefangenschaft.
Wolfgang Winheim

Wolfgang Winheim

Zwei Winter nach dem Steirer Stefan Babinsky war 2019 auch der Steirer Julian Schütter Junioren-Vizeweltmeister. Doch Schütter wählte einen anderen Weg, der ihm statt einem Weltcup-Platz einen Aufenthalt in einem, wie er’s anklagend beschreibt, Foltergefängnis bescherte.

Er sei, festgenommen von Israels Marine, gefesselt und gedemütigt worden, ließ der Student seine 10.000 Follower via Instagram wissen, als er sich im Herbst an Greta Thunbergs pro-palästinensischer Aktion beteiligt hatte, um Hilfsgüter nach Gaza zu bringen.

In Kitzbühel erlitt Schütter einen Kreuzbandriss 

Vor drei Jahren war Schütter in Kitzbühel mit Top-Zwischenzeit wegen des vor ihm gestürzten Norweger Henrik Roa gestoppt worden, 24 Stunden später, bei Teil zwei des Abfahrtsdoppels, warf die Streif auch Schütter folgenschwer ab. Der diese trotz Kreuzbandriss nicht im Rettungshubschrauber, sondern getreu seiner Ideologie klimaneutral auf eigenen Beinen verließ. Denn Schütter ist Umweltaktivist, der zu Rennen oft per Bahn anreiste.

Im Februar 2024 trat er 25-jährig zurück und konfrontierte die FIS mit einem offenen Brief, in dem er eine drastische Nachhaltigkeitsstrategie, eine Straffung des Rennkalenders und ein weitgehendes Vermeiden von Überseeflügen forderte. 140 Wintersportler, darunter Mikaela Shiffrin, unterzeichneten sein Schreiben.

Schnee von morgen

Bald, warnt Schütter, werden auch Weltcuporte nicht mehr in der Lage sein, Kunstschnee zu erzeugen. Der aktuelle Winter fühlt sich indes an, als wäre die Prognose übertrieben. Kaum Rennabsagen. Und wenn doch, dann wegen zu viel Schnees wie bei den Frauen in Zauchensee.

Kältebedingt ließe sogar die Wiener Hohe-Wand-Wiese (1986 Weltcup-Schauplatz) Skibetrieb seit Wochen zu, wären die Schneekanonen an der Stadtgrenze nicht seit geraumer Zeit abmontiert. In Kitzbühel wiederum hatten stolze Tiroler am längsten (bis 1989) geglaubt, ohne Kunstschnee auszukommen. Während Steirer (seit 1981 Kanonen auf der Planai) österreichweit der Ski-Zeit voraus waren.

„Ohne Kunstschnee ging bei uns nichts“, weiß der als WM-Macher erfolgreich gewesene Hans Grogl in Schladming. Dort, wo die Torlaufelite auf Eis bei einem Flutlicht-Doppel glänzen wird. Und wo Schütter schon als Skihauptschüler vom Gletscherschwund am Dachstein so entsetzt gewesen war, dass aus ihm ein polizeibekannter Dauerprotestierer der letzten Generation wurde.

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