Geld regiert die Olympiawelt: Schein ist wichtiger als Sein

Vieles hat sich im Wandel der Olympiazeit geändert: Alles hat korrekter und sauberer abzulaufen. Und das Geld spielt eine wichtige Rolle.
Wolfgang Winheim
Das Original im Jahr 2005: Götschl, Dorfmeister und Meissnitzer.

Am zweiten Olympia-Sonntag besteht beim Riesenslalom die Riesenchance, dass nach Ariane Rädler/Katharina Huber (Sieg im Teambewerb) auch Julia Scheib zum Golden Girl wird. Doch halt: Laut ORF-Moderatorin Alina Zellhofer sei dieser Ausdruck inakzeptabel, wie sie ihre Redaktion anlässlich deren Nostalgie-Beitrags über die „Goldenen Girls“ Michaela Dorfmeister, Renate Götschl und Alexandra Meissnitzer öffentlich wissen ließ. 

Obwohl das Erfolgstrio, das zusammen 24 Olympia- und WM-Medaillen sammelte, das Golden-Girls-Image nicht irritiert.

20 Jahre danach ist zur Kenntnis zu nehmen, das eben alles korrekter und sauberer abzulaufen hat. Vor allem bei Winterspielen. Was erst recht für die Werbung bzw. deren Verbot für nicht auf der IOC-Sponsorenliste stehende Firmen gilt. Immerhin ist das Übermalen der Ski-Firmenlogos (wie beim KURIER von einem „Sittenwächter“ in den 70ern allen Ernstes gefordert und für eine einzige Ausgabe auch durchgesetzt) nicht notwendig. 

Wobei die Rennbretter so wertvoll sind, dass bei TV-Interviews nicht die soeben noch angeschnallten vor die Kamera gehalten werden. Sondern meist sogar nur eine Latte bzw. ein einziger Ski, der zudem um 30 Zentimeter kürzer als der in Speed-Rennen tatsächlich gefahrene ist.

Bei den nacholympischen Rennen dürfen Helme mit Werbung wieder aufgesetzt und Trinkflaschen mit der dementsprechenden Aufschrift zu TV-Interviews mitgenommen werden. Was im naiven Umkehrschluss hieße, dass die Rennläufer in den Olympia-Zielräumen am Dehydrieren sind. Denn dort ist kein Sieger- oder Kummerschluck erlaubt, der Flügel oder sonst was verleiht.

Nicht nur bei Olympia, sondern auch im Weltcup-Alltag haben selbst ORF-TV-Routiniers in Mikro-Nähe auf ein Verbot der besonderen Art zu achten. Das Duzen von Sportlern ist untersagt. Was bei langjährigen Weltcup-Begleitern, die einander bei oft abenteuerlich winterlichen Anreisen halfen und zu Freunden wurden, zu Versprechern führen kann.

Offiziell hat Distanz gehalten zu werden, um den Verdacht einer Verhaberung erst gar nicht aufkommen zu lassen. Obwohl im Skizirkus das kameradschaftliche Du dominiert. Und spätestens ab 1.000 Meter Höhe kein Unterschied zwischen Minister und Kantenschleifer gemacht wird. Auch die Golden Girls störte das nie. Allen voran die Ober-Goldene Annemarie Moser, die nicht nur ein Mal zu unsereinem lachend sagte: „Was Du wieder für an Blödsinn verzapft hast.“

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